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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-19 · Heft 42 (19.10.1880) · p. Seite 661

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 42 (19.10.1880)
Date
1880-10-19
Page
Seite 661 (sequence 5)
Language
German
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661 tritt nur die Stelle von Gott in der Religion. — Wie kann aber Hartmann von „Zurückschrauben, Zurücksinken" sprechen, da er selbst in seiner vorigen Schrift seine „Zukunftsreligion" aus dem Judenthum und Buddhismus, aus Monotheismus und Pantheismus zusammenschweißen, er selbst also wieder vom Judenthum ausgehen wollte? Ein so klarer Denker müßte doch eingesehen haben, daß die Entwickelung der Menschheit nicht in einer geraden Linie verläuft, so daß jede Station, an der sie angelangt, die früheren für immer zurückläßt und wesenlos macht. Als die Unkultur des Mittelalters in eine neue Phase der Civilisation übergehen sollte, mußte die ganze mittelalterliche Scholastik aufgcgcben und die antike Classicität im Geiste wieder lebendig gemacht werden, und noch in unseren Tagen sah Göthe und sahen sehr Biele mit ihm die Wiederbelebung der plastischen Kunst nur in der geistigen Wiedergeburt durch die griechische Kunst. Das Judenthum aber hat den Borthcil, durchaus nicht todt und abgeschlossen geblieben zu sein, wie das klassische Alterthum, sondern unterdesicn sich lebendig fortentwickelt zu haben. Als das Ehristenthum aus ihm entsprang, stand noch der Tempel mit seinem Qpferkultus: das Judenthum hatte den bald erfolgten Fall desselben zu überwinden und sich einen neuen Cultus, den Gebetkultus, worin es abermals allen anderen Religionen voranzugehen hatte, zu schaffen. Es vollbrachte dies. Ebenso bestand damals noch der nationale Staat und die nationale Gesellschaft mit der vollen Ausübung des mosaischen Gesetzes in seiner tradirten Entfaltung. Bald daraus hatte das Judenthum den Verlust dieser Selbständigkeit zu überwinden und, unter alle Völker versetzt, die praktische Aufhebung des größten Theils des Gesetzes durch die Unmöglichkeit es zu üben, zu überwinden j und sich nach den neuen Verhältnissen neue Formen des Lebens zu schaffen, die cs ihm ermöglichten, auch in dieser Zersplitterung sein religiöses Dasein zu erhalten. Auch ' dieses vollbrachte es durch eine Geistesarbeit vieler Jahrhunderte. Seit einem Jahrhundert wurde ihm eine neue Aufgabe. Von den Völkern selbst berufen, und von innerem Drang beseelt, hatte cs sich dem allgemeinen Culturleben völlig anzuschließen, sich dasselbe zu eigen zu machen, und in demselben zu leben. Ties erfordert abermals eine Umwandlung, die es mit erfrischter Lebenskraft vollbringt, eine Umwandlung, in der es seinen geschichtlichen Boden nicht vcrlaffe und alle wesentlichen Momente seiner religiösen Lehre und Anschauung bewahre und diese auf der jetzigen Culturstufe geistig erfülle. Tie Resultate dieser Entwickelung würdigen, anerkennen, und die weitere religiöse Entwickelung an; sie anzuknüpfen, heißt nicht „zurückschrauben, zurücksinken," sondern die Wahrheit anerkennen und ergreifen wo wir sie sinden. ^Fortsetzung folgt?! t't i vig m xacIjzi cijlc vi. Partei, welche in dieser Petition es beklagt, daß das semitische Deutschland. Element sich nicht mit dem germanischen Elemente verschmelzen wolle, in der Generalsynode sich dafür entschieden hat, daß Berlin, 7. Lctob. Sic haben in No. 10 einen einem Christen, welcher mit einer Jüdin eine Ehe geschlossen, kurzen Bericht über die öffentliche Verhandlung des „prodas active und das passive Wahlrecht entzogen werde. Gegentestantischen Reformvercins" gebracht, in welcher gegen über dem den Juden gemachten Vorwurfe, daß dieselben die berüchtigte Petition protestirt wurde. Der Gegenstand die Christen aussaugeu, weist der Vortragende auf die in verdient aber doch eine ausführliche Mittheilung, und diese unsrer Zeit ganz allgemein vorherrschende materialistische Geistesfolgt hier. Herr vr. Kalt hoff leitete seinen Vortrag mit strömung hin. Er zeigt, daß diese Geistesrichtung mit den dem Ausdruck des Bedauerns darüber ein, daß cs im Deutschen Principien der individuellen Freiheit und der freien Concurrenz Reiche noch eine Partei gebe, welche durch ihr öffentliches im Zusammenhang stehe, daß die wirthschastliche Nothlage, feindseliges Auftreten gegenüber den als gleichberechtigt anin welcher sich die nur auf ihre Arbeit angewiesenen unbeerkannten Mitbürgern jüdischen Glaubens es verschulde, daß mittelten Bolksclassen befinden, eine Folge der modernen die sogenannte Judenfrage in einer öffentlichen Berfamm- Selbstsucht sei, in welcher die bester situirten Elasten diese lung zu discutiren noch nicht überflüssig sei. Die in Rede berechtigten Principien ausbeuten, daß diese Selbstsucht aber stehende Petition verdiene darum eine öffentliche Besprechung, den Christen der Gegenwart in nicht geringerem Maße eigen weil dieselbe in coneentrirter Weise Alles enthalte, was sei als den Juden. Die Behauptung, daß die Juden unser characteristisch für die orthodoxe christliche Partei ist, welche Culturleben gefährden, widerlegt er durch den Hinweis auf es heutzutage noch wagt, eine solche Petition in Scene zu den Eifer, mit dem gerade unsre Mitbürger jüdischer Consetzen. Der Vortragende weist dann zunächst auf die Gefession fichs angelegen sein lassen, die Ergebniste der Wissendankenlosigkeit hin, die sich darin kund gebe, daß dieselbe schaff, dieser höchsten Culturmacht, sich anzueignen. Nicht

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