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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-19 · Heft 42 (19.10.1880) · p. Seite 659

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 42 (19.10.1880)
Date
1880-10-19
Page
Seite 659 (sequence 3)
Language
German
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659 noch bei Gelegenheit des Dreikaiserbündnifses den Strafrichter zn empfinden hatte. Somit hat die letzte Wendung der Dinge dem deutschen Liberalismus nur Recht gegeben, und zeigt es sich nebenbei auch hierin, wie weit sich Herr v. Treitschke von jeder liberalen Anschauung entfernt hat. Einige Bemerkungen zu: „Die KrifiS des Christenthums in der modernen Theologie." Bon Eduard von Hartmann. (Berlin, Carl Duncker, 1880.) I. Unsre Leser werden sich erinnern, daß Eduard von Hartmann 1874 eine Schrift „die Selbstzersetzung des Christenthums und die Religion der Zukunft" herausgegeben, und daß wir über diese Schrift eine Reihe von sechs Artikeln in diesem Blatte von Nr. 49 Jahrg. 1874 an veröffentlichten. Die vorliegende Schrift ist eine Fortsetzung der ersteren und auch sie veranlaßt uns zu einigen kritischen Betrachtungen. Voran gestatten wir uns eine Bemerkung. Die neuesten Judenhetzer gehen immer schneller dem vollständigen Banqucrott entgegen, indem ihnen durch die unwiderlegbaren Thatsachen eines ihrer Argumente nach dem anderen genommen, vernichtet wird. Jene Herrschaft der Juden in der Preffe, die sic so steht-? Das unparteiische und sachkundige christliche Publikum wird sich nicht länger auch hierin von dem wüsten Geschrei der Ultramontanen und Reactionären irre machen lassen. Was uns betrifft, so können wir ungescheut behaupten, daß wir uns stets innerhalb möglichster Objektivität, selbst da, wo wir angegriffen waren, gehalten, die Differenzen mit dem Christenthum wiffenschastlich behandelt, dem kritischen Prozeße als kritischer Beobachter angewohnt haben, und selbst da für das Christcnthum eingetreten sind, wo diejenigen Ärundelcmcnte bekämpft wurden, die cs mit dem Judenthum gemein hat. Die vorliegende Schrift ist eine Fortsetzung der früheren, und wir müffen daher für die wesentlichen Punkte auf unsre frühere ausführliche Kritik verweisen, die wir in allen Beziehungen noch heute aufrecht erhalten. Hartmann batte dort den „liberalen Protestantismus" geprüft und denselben als eine „Selbstzersctzung des Christenthums" charakterifirt. Seitdem hat sich ein „speculativcr Protestantismus" an die Stelle zu setzen gesucht, der „über den platten Rationalismus des vulgären protestantischen Liberalismus hinaus nach einer gedanklichen und religiösen Vertiefung verlangt, ohne darum in orthodoxe Repristinationen oder in vermittelungstheologische Verschwommenheit zu verfallen." Hartmann richtet nun gegen diesen speculariven Protestantismus seine Angriffe und will zeigen, daß derselbe nur „theils durch gewaltsame Fictionen, theils durch Jnconsequenzen gegen seine eigenen Principien chein einer inneren Zusammengehörigkeit mit dem gewaltig betonten, hat sich vollständig als Unwahrheit erwiesen, und selbst Treitschke mußte seine Zuflucht zu dem un- > den bekannten Hausen anonymer Corresspondenten nehmen, deren! Christenthumc vorzuspicgcln vermag." Er sieht ihn als „die Existenz allerdings nicht nachweisbar sei. Die maffenhaste! letzte Stufe der Selbstzersetzung des Christenthums an." Einwanderung von Juden aus dem Osten hat sich durch! i,§. XI.) Die Schrifr Hartmanns enthält daher eigentlich statistischen Nachweis als Erfindung dargethan, da gerade in! nur eine Kritik der drei speeulativen Theologen: Biedermann, die Ostprovinzcn die Einwanderung überhaupt geringer ist,! Pfleidcrer und Lipsius. Sein erster Abschnitt betitelt sich: als in die Westprovinzen, die Zahl der Juden in den Ost Provinzen bedeutend abnimmt und die Auswanderung der Juden überhaupt einen größeren Prozentsatz zeigt als die der übrigen Bevölkerung. Endlich die Behauptung, daß die Juden das Christenthum zu untergraben suchten und in jeder dem Christenthume feindlichen Bewegung vornan stünden, ist eine böswillige Lüge, denn von den „Wolsenbüttlcr Fragmenten" bis zu den Schriften Eduard von Hartmanns hat zu den eigentlichen Bekämpsern der christlichen Religionslehrc, zu den Führern im Streite gegen das Christenthum kein einziger Jude gehört, und weder die Vorkämpfer der freireligiösen Gemeinden noch Hartmann haben unter den Juden Anhänger gefunden. Mögen also immerhin einige leichtfertige Blätter, die von Juden redigirt werden, dann und wann eine antichristliche Phrase loslassen, wie sie dies gegen das Judenthum nicht minder thun, was will das bedeuten den vielen geharnischten christlichen Streitern gegen das Christenthum gegenüber, in deren Borderreihe jetzt Eduard von Hartmann „Das christliche Centraldogma und seine unheilbare Auflösung." Dieses Centraldogma ist: „die Erlösung durch Jesum Christum das Christenthum ist eine „Erlösungsreligion", nicht aber wie der Buddhismus, der jedem Buddhisten die Erlösung durch eigenes Streben und Ringen sein eigener Erlöser zu werden, lehren will, in ihr wird die Erlösung allein durch Jesum Christum vollbracht. Wir können ihm hierin nur beistimmen und erinnern daran, daß wir schon 1883 den wesentlichen Unterschied zwischen Judenthum und Christcnthum darin fanden, daß das erftere die Religion der Versöhnung, das letztere die Religion der Erlösung sei. <S. Weltbewegende Fragen, Th II. S. 245 ff.') Das Judenthum lehrt einfach: 1) Jnsonders verweisen wir auf Seite 276, wo auf Grund von 4. Mos. 15, 22—31 hervvrgehoben ist, daß Sündopfcr allein für Uebertretungen aus Berschen (n77L'2) zulässig waren, dagegen nicht für Uebertretungen, die in Frevelmuth, mir Borsatz und Bewußtsein (~C~ T2) begangen waren — womit den Christologen alle altlesta menlarische Unterlage entzogen ist. ■12*

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