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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-12 · Heft 41 (12.10.1880) · p. Seite 652

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 41 (12.10.1880)
Date
1880-10-12
Page
Seite 652 (sequence 12)
Language
German
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652 schlusse neuer Contracte, ja selbst von der Einhaltung fce-j reits übernommener Lieferungen, konnte unter solchen Um-; ständen keine Rede sein, und da auch die Hofkammcr mit' ihren Verpflichtungen gegen das Haus Oppenheimer im Rück-1 stände blieb, so war in Kurzem der Bankbruch der Firma Oppenheimer die Folge dieser Wirren. Wieviel die Hofkammer ei-1 gentlich Samuel Oppenheimer schuldete, läßt sich, wie Danzer meint, aus den vorhandenen Urkunden nicht genau ermitteln.; Eine derselben spricht von einer 5,010,028 Gulden in Gold j betragenden Forderung, doch kann damit die Gesammtsumme; keineswegs erschöpft sein. Daß diese fünf Millionen vielmehr; nur einen Theil der Kammerschulden an Oppenheimer bildeten, geht schon aus einer Stelle dieser Urkunde hervor, in welcher < es heißt, man wolle „nicht stückweise die Richtigkeit der1 Oppenheimer'schen Forderungen prüfen; sondern alles dem Kammerrathe- Tullio Miglio überlassen, der an der Spitze jener Commission stand, welcher die gesammten Oppenheimer'¬ schen Angelegenheiten zu untersuchen hatte. Um den weiteren Folgen dieser Krise zu begegnen, sah sich Kaiser Leopold genvthigt, sich selber ins Mittel zu legen. Der kaiserliche Reichskanzler Gras Bucellini wurde nämlich beauftragt, eine allgemeine Verlautbarung zu erlaßen, daß „bis des verstorbenen Juden Samuel Oppenheimer Assignationes in den kaiserlichen Erbländern eingetrieben, den Oppenheimer'schen Interessenten, Autizipaten, Creditoren, und welche von diesen hinwieder im Oppenheimer'schen Negotio dependiren sowohl Christen als Juden keineswegs übereilt, etwa mit Executionibus belegt oder sonst im mindesten ex ratione eines Wechselrechtcs angefochten oder compellirt, sondern Alles in statu <iuo gelassen und per patentes publizirt, auch wann mit Einem oder Anderem schon procedirt worden wäre, selbiger alsogleich wieder restituirt werde. Trotz des Concurses ihrer Firma genossen die beiden Söhne Samuel Oppenheimer'S, Emanuel in Wien und Wolf in Frankfurt am Main, soviel Ansehen und Vertrauen in der Geschäftswelt, daß sie schon im Juli 1703 die in Stockung gerathenen Lieferungen für die kaiserlichen und deutschen Reichstruppen wieder in Fluß bringen und in einigen Fällen selbst mit Baargeld beispringen konnten. Ter neue Hofkammer-Präsident Graf Starhemberg wußte die Unterstützung des Hauses Oppenheimer nach Gebühr zu würdigen und er ließ es sich daher angelegen sein, Emanuel den Titel eines „Kriegsfactors und Hofjuden" zu verschaffen, wahrend gleichzeitig Ludwig von Baden die Ernennung Wols's zum „kaiserlichen Oberfactor" betrieb. M. Ä. Die Familie Hochheimer. Simon Höchheimer, desien Andenken wir in Nr. 31 d. Blätter wieder auffrischten, wurde, wie wir nachträglich hinzufügen, in Höchheim, einem Orte im bayerischen Franken, in dem sich noch gegenwärtig eine kleine jüdische Gemeinde befindet, gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts geboren; der Sitte jener Zeit gemäß nannte er sich Höchheimer nach seinem Geburtsorte. Er war, wie Hannle (Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach, S. 172) sagt, ein sehr gelehrter Mann, der aber ein abenteuerliches Leben führte und viele Reisen machte. Wegen seiner Gelehrsamkeit widerfuhr ihm die Auszeichnung, daß man ihm das Privileg der Leibzollfreiheil gewährte. Er lebte als Spitals- und Armenarzt in Fürth, wo noch im Jahre 1821 eine Jugendschrift in hebräischer Sprache: irr: rr.in von ihm erschien, und wo er auch sein Leben beschloß. In Bezug auf den erwähnten Artikel erhalte ich von Herrn Rabbiner,H. Hochheimer in Baltimore ein Schreiben, das einige interesiante Daten über Glieder der Familie Höchheimer oder Hochheimer, wie sie sich später nannten, und die literarischen Leistungen derselben enthält und die wir ergänzend hier nrittheilen. Herr Rabb. Hochheimer bezweifelt, daß Elias Höchheimer, der ebenfalls in Höchheim geboren wurde, ein Verwandter Simon's gewesen sei. Dieser Elias Hajum Höchheimer war ein Mann von umfassendem Wissen. Er lebte eine Zeit lang in Hildburghausen und ließ sich später in Amsterdam nieder, woselbst er auch starb. Seine Schriften verfaßte er theils in hebräischer oder deutscher, theis in lateinischer, selbst in holländischer Sprache: außer den bereits angeführten und Benjamin Cohen, dem Großvater des bekannten holländischen Juristen I. T. Meyer, gewidmeten Versuch einer Vergleichung der höheren Gleichungen mit den arithmetischen Reihen" (Amsterdam 1701) schrieb er unter dem Titel;c:r einen Commentar zu dem Bechinat Olam Bedarschi's (Prag 178t>) und das in Prag 1784 erschienene zweitheilige astronomische Werk i"~~~ ’i'zr. Auch das erste in deutscher Sprache geschriebene Religionsbuch hat Elias Höchheimer verfaßt, wie ein Enkel von ihm, der gegenwärtig in Philadelphia lebt, Hrn. Rabb. Hochheimer versicherte. Elias Bruder, der sich Moses Höchheim (r^>r) später Hochheimer nannte, nicht aber Hechim (Hechingcn) wie Steinschneider (Handbuch über die ... Literatur für hebr. Sprachkunde, S. 60) : meint,ist der bekannte Vers, der hebräischen Grammatik rr rc rctr (Fürth 1700), sowie eines Commentars zu Kimchi's Michlol (Fürth 1703) und einer großen Anzahl hebräischer Gedichte, welche in verschiedenen periodischen Blättern erschienen find. Moses war von 1703 Rabbiner in Ansbach und so lange noch die landjudenschaftliche Corporation bestand, zugleich

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