Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1880)
- Date
- 1880-10-12
- Page
- Seite 653 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227327--38410-3307640- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
653 Landrabbiner; er starb im hohen Alter im Jahre 1835. Er' hatte einen einzigen Sohn, Jsak Hochheimer, der das Rabbinat in Jchenhansen von 1828 bis zu seinem 1861 erfolgten Tode bekleidete. Jsak's Sohn ist der mehrerwähnte Rabbiner H. Hochheimer in Baltimore, von dem eine Anzahl Predigten und erst vor einigen Jahren eine Sammlung Tischreden erschien. vr. Kayserling. Act der Abwaschung aussetzte. Die Muselmänner der Türkei und die Persiens, welche zwei entgegengesetzten Riten angehören, befolgen verschiedene Vorschriften beim Waschen. Als sich Henriquez bei den Persern befand, wusch er sich auf türkische Manier; als Ketzer erkannt, entwischte er kaum der Mißhandlung und kam in Egypten an, wo er das Glück hatte, die Bekanntschaft des Marquis Zilta zu machen, der ebenso durch seinen Geist und sein Vermögen wie durch seine _ liberalen Ansichten bekannt war; Henriquez wurde sein Arzt, begleitete ihn als solcher auf seinen weiten Reisen, drang mit lssin adenkenerlicker ürxi 'if,m in ^beregypten ein, besuchte die ältesten Tempel und legte «ornrrurrniyrr Jivp. sich interessante Sammlungen an. Das Jew. Chr. brachte einige Detail» über das . am 5. j 1840 kehrte er nach Egypten zurück und als er erfuhr, Juni in London erfolgte Ableben des Doktor Amon Henri«? daß auf Jamaica eine Arztstelle vacant wäre, zögerte er nicht, quez, im Alter von 68 Jahren: Der Lebenslauf dieses Arztes ist! in seine Heimath zurückzukehren, wo er sieben Jahre mit ein völliger Roman.! großem Erfolge practizirte; aber da ihm fein Wirkungskreis Im Jahre 1812 auf Jamaica geboren, kam er 1830 j zu beschränkt war, kehrte er nach London zurück, um dort zu nach London, um dort Medicin zu studiren; von da ging er! practiziren. 1850 schloß er sich mit großem Eifer der Ho- 1833 nach Paris, um hier feine Studien in der Anatomie! möopathie an, veröffentlichte zahlreiche Werke, namentlich über und Physiologie unter den bedeutenden Profefforen, die diese j die Aetiologie der Cholera im Jahre 184!', deren Ursprung Lehrstühle schmückten, zu vervollkommnen; er hörte die Borj er auf die Atmosphäre zurückführte. lesungen von Cuvier und von Claude Bernard und promovirtc Mit dem türkischen Medjidie und dem spanischen Orden an der Pariser Facultät; doch trotzdem er sich feinen Berufsj von Karl III. von Spanien decorirt, übte Henriquez seine arbeiten widmete, schloß er sich eifrig der revolutionären Be-! Kunst mit selbstloser Hingabe aus: Niemand wandte sich ver« wegung jener Zeit an: man athmet nicht ungestraft die entgeblich an seine Erfahrung, die nur in seiner Uneigennützig« zündete Atmosphäre unserer Hochschulen: als enthusiastischer keit ihres Gleichen hatte: gegen Endeseiner Laufbahn zwang Radikale nahm er mit seinen französischen Kameraden Theil an I ihn seine Krankheit, seine Arbeit zu unterbrechen! Ein den Emeuten gegen die Regierung des Königs Louis Philipp, inhaltS- und ereignißreiches Leben! die übrigens mehr als ein Mal durch die Feuerspritzen des! Marschall Lobau unterdrückt wurden. 1834 verließ er Paris j und ging nach Italien, wo er ebenfalls seine wiffenschaftlichen! , Examina durchmachte; er fühlte sich jetzt reif zur praktischen! Ulifuj« . Ausübung, besuchte Griechenland und began seinen Beruf in I Tie Unkenntniß der Bibel. Athen; aber fein abenteuerlicher Geist, seine sprachlichen Kennt-! Unsre h. Schrift ist gewiß das meistgelesene Buch, und niffe, seine unersättliche Wißbegierde trieben ihn weiter nach dennoch giebt es keines, gegen welches mehr Verstöße vordem Orient und er kam in Konftantinopel an, dem damaligen kommen, und selbst in Kreisen, in denen man es nicht ver- Schauplatz der periodischen Zuckungen des ottomanischen Rei-' muthen sollte. Ein Beispiel hiervon. In den beiden Maiches. Dank seinen hohen Beziehungen, erhielt er bald eine! heften der „Revue des deux Mondes" giebt Herr Eugene- Anstellung von der türkischen Regierung, er wurde beauftragt,! Melchior de Yogüe, der fromme Verfasser einer Reise im das Medicinalwesen der Armee zu organisiren. Ter Sultan j Orient, von der in diesen Blättern wiederholt die Rede war, Mahmud war damals in seinen berühmten Kämpf gegen den! und früherer französischer Gesandter in Wien, eine ausführ- Bicekönig von Egypten verwickelt; die Niederlage der türkischen! liche Abhandlung über „den Sohn Peters des Großen."') Armee bei Nifib im Jahre 1839 machte Henriquep Carriere Bekanntlich hat Peter der Große feinen Sohn Alexei, der in diesem Lande ein Ende; in Folge der Niederlage zum Gefangenen gemacht, fand er Mittel, seinen Wächtern zu entfliehen; er nahm sein Wanderleben wieder auf; aber entblößt an allen Hülfsquellen, brachte ihn die Noth dazu, die türkische Kleidung zu tragen und man hielt ihn für einen Mohamedaner. Er erzählte gern -inpik°».° AneN>°v, di-sich °.s di-G-f°hr bezog, welcher er sich eines Tages durch den so unschuldigen [ Alexen Heidelberg, Winter, 1880. sich empörerischer Anwandelungen schuldig gemacht, von einem durch ihn gewähltes Tribunal verurtheilen, der Tortur unterziehen, und sterben lasten. Auf welche Weise letzteres geschehen, ist ein geschichtliches Räthsel geblieben. Hier sagt