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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-12 · Heft 41 (12.10.1880) · p. Seite 651

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 41 (12.10.1880)
Date
1880-10-12
Page
Seite 651 (sequence 11)
Language
German
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651 Oppenheimer in seiner Hand fast alle Lieferungen an Naturalien und selbst an Munition, welche für die kaiserlichen und die deutschen Reichstruppen auf den Kriegsschauplätzen in Franken, Schwaben, im Brcisgau, Elsaß und in Lothringen sowie in Ungarn bestimmt waren. Ein Bild der umfassenden Thätigkeit nnd Opferwilligkeit Samuel Oppenheimer's und seines Bankhauses entwirft auf Grund urkundlicher Quellenforschungen A. Danzer in „P. L." in einem jüngst veröffentlichen „Capitcl österreichischer Finanzgeschichte." Als der kaiserliche General-Lieutenant Markgraf Ludwig von Baden am 19. August 1691 bei Heer lediglich durch die Vermittelung Oppenheimer's ausgebracht. In dieser trostlosen Zeit, sagt Danzer, erschien der Unternehmungsgeist des kaiserlichen Oberfactors und seiner beiden Söhne Wolf und Emanuel sowie der von ihm in allen großen Handelsplätzen bestellten geschäftsgewandten Agenten als letzter Anker im Sturm, der das lecke Schiff der Finanzverwaltung noch einigermaßen festhielt. Um das Haus Oppenheim gruppirten sich alle größeren Firmen, welche irgendwelche Lieferungen für die in der Lombardei, am Oberrhein, in Tirol, in Baiern, und in Ungarn fechtenden kaiserlichen oder gemiethcten Truppen übernehmen wollten. Wenn die Ge- Slankamen den glänzendsten Sieg seines Feldherrndaseins! schästsleute mit denAssignationen derHoskammer beiden Kassen erfochten und sich in der Ausnützung des Waffenerfolges durch den Mangel materieller Mittel behindert sah, richtete er die dringendsten Vorstellungen an den Vicepräsidenten der Hofkammer, den Grafen Brauner, über den desolaten Zustand der Armee, welche wegen Hungers und Mangels an Schuhen in der Verfolgung ihrer Siege gehindert war. In Wien war man absolut außer Stande, momentan Geld für die Armee aufzubringen. In dieser Bedrängniß war es Oppenheimer, welcher dem Markgrafen mit 600,000, und bald darauf mit weiteren 300,000 Gulden beisprang. Der Markgraf übergab zwar schon im Herbst 1691 das Commando in Ungarn, um jenes am Oberrhein zu übernehmen. Aber die Geldsummen Oppenheimer's befähigten doch den Feldmarschall Grafen Auersperg, wenigstens die Belagerung von Großwardein zu be->nnen und die Armee einigermaßen zu versorgen. Samuel Oppenheimer aber wurde auf die Vorstellungen, welche der Markgraf gelegentlich seiner Durchreise in Wien dem Kaiser Leopold persönlich gemacht, zum kaiserlichen Oberfactor und Hofjuden ernannt. Die Beziehungen zwischen Oppenheimer und den leitenden Persönlichkeiten sowohl in Wien wie auf dem Regensburger Reichstage gestalteten sich von da ab immer vielfältiger und enger. Wenn es dem Prinzen Eugen von Savoyen gelang, einige Ordnung und Regelmäßigkeit in das Vcrpflegssystem zu bringen und damit die Vorbedingungen für den entscheidenden Sieg von Zenta zu schaffen, so haben auch Oppenheimer's Geschästsgewandtheit und Unternehmungsgeist einen redlichen Antheil an dem großen Erfolge, welcher durch erschienen, auf welche ihre Scheine ausgestellt waren, fetzten sie sich höchstens gröblichen Insulten aus. Dem kaiserlichen Oberfactor und Hofjuden Oppenheimer aber, der vom Monarchen sehr oft in Audienz empfangen und der mit Privilegien ausgezeichnet worden, der endlich mit dem Prinzen Eugen, mit dem Markgraf Ludwig von Baden und allen anderen Generalen und General -Kriegscommissären in reger und enger Verbindung stand, wagte man doch nicht in der gewohnten rüden Manier zu begegnen. Wenn es den Kaffen in Wien oder in den Provinzen irgend möglich war, Geld flüssig zu machen, so waren Oppenheimer und seine Bevollmächtigten gewiß die Ersten und oft auch die Einzigen, welche befriedigt wurden. Daher sein Credit und sein allgemeines Ansehen in der Geschäftswelt. Wenn die Hofkammcr sich in der größten Roth befand und ihr selbst die Geldmittel zur Deckung der dringendsten momentanen Bedürfniffe mangelten, so wußte in der letzten Stunde der Hosjude doch immer durch seine weitreichenden Verbindungen neue Hülfsquellcn zu erschließen. Samuel Oppenheimer starb den 2. Mai 1703') in Wien nach kurzem Krankenlager. Eine heftige Lungenentzündung hatte den trotz seines Alters — er stand im 73. Lebensjahre — noch kräftigen und thätigen Mann plötzlich dahingerafft. Aber jetzt erst zeigte sich die Bedeutung Oppenheimer's in ihrer vollen Größe und welche Stütze des Staatskrcdits mit demselben zusammengebrochen. Bei der Kunde vom Tode des kaiserlichen Oberfactors und Hofjuden ergriff die gesammte Geschäftswelt Oesterreich's und des h. römischen den Frieden von Carlowitz gekrönt wurde. Prinz Eugen, Reiches deutscher Nation eine ungeheure Panique. Alle Inder -stets bereit war, die Leistungen und Verdienste seiner tcreffenten, in dem Bewußtsein, daß von der Hofkammcr nichts Mitarbeiter anzuerkennen, ließ es sich daher auch angelegen oder nur in den seltensten Fällen etwas zu erlangen fei, sein, für Oppenheimer das bis dahin unerhörte, noch keinem suchten jetzt in überstürzter Hast an der Berlasfenschafts- Juden gewährte Privilegium zu erwirken, in der inneren maffe, deren Verwaltung Oppenheimer's ältester Sohn Ema- Stadt „am Peter" ein stattliches Bürgerhaus erbauen, be-!nuel (Mendel) übernommen hatte, ihre Forderungen geltend sitzen und mit seiner Familie bewohnen zu dürfen. zu machen. Bon einem Fortgange des Geschäfts, vom Ab- Während des großen spanischen Erbfolgekrieges, der von -- S-it-n Oesterreich« unter völliger finanzieller Erichövfimg begönnen worden, wurden die Erforderniffe für das österreichische 25 angiebt. 40'

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