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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-12 · Heft 41 (12.10.1880) · p. Seite 650

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 41 (12.10.1880)
Date
1880-10-12
Page
Seite 650 (sequence 10)
Language
German
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werden, und man würde sagen: die Juden verdrängen die Christen vom Besitz ihres Bodens! und man würde dies um so mehr als ein Zeichen der Herrschaft ausbeuten, welche die Juden sich aneignen, und wäre der Landbesitz der Juden auch noch so verschwindend klein im Verhältniß zu dem der christlichen Bevölkerung. Als ein Beweis hierfür erinnern wir an das Geschrei der Reactionären und Ultramontanen über den zunehmenden Hänserbesitz der Juden in den Städten und daß jene angefangen haben, die Zahl der Häuser, welche im Besitz der Juden sind, in einer Stadt nach der anderen anzugeben, wobei sie sich den Kniff erlauben, das große Wachsthum der Städte in den letzten Jahrzehnten mit Stillschweigen zu übergehen. Tiefer Umstand, daß die Juden in den Städten Grundbesitz zu erwerben lieben, was neulichsi ein Wiener Statistiker hervorhob, spricht zugleich gegen das ganze Argument des Artikels der Presse; denn da in Deutschland die Juden vorzugsweise in den Städten wohnen, so erweisen sie ja durch das Erbauen und Erwerben von Häusern gerade ihre Tendenz, in der Weise, wie der Artikel es verlangt, sich sessig zu machen und ihre Heimathlichkeit zu bethätigen. In Ungarn wohnt ein großer Theil der Juden auf dem Lande und ist so auf den Landbesitz angewiesen. Der Artikel schließt: „Mit der gestrigen Reichstagsverhandlung wird die Judenhetze in Ungarn wohl für eine gute Zeit begraben sein; in Deutschland kann sie noch Orgien feiern, aber es läßt sich doch nicht denken, daß eine hochgebildete Nation dem Exceß nicht an dem Punkte ein Ende machen wird, da er sie um ihr internationales Ansehen zu bringen geeignet ist. Es fehlt nicht mehr viel dazu, denn bereits schüttelt man im Auslande über diese mittelalterlichen Feldzüge den Kopf, denn man begreift nicht, daß es Hoftheologen gestattet sein kann, die Führung der gemeinen Jnstincte der niedrigen und allzeit gegen jeden Besitzenden leicht aufzureizenden Masten zu übernehmen. Man sagt, der Kaiser und der Kronprinz hätten die Agitation schon ausdrücklich mißbilligt; an der preußischen Regierung wird es sein, sich so correct zu erklären, wie gestern die ungarische, daß sie mit den Wühlern keine Art von Gemeinsamkeit habe. Eine Mittheilung dieser Art fängt an dringend zu werden." Frankreich. Paris, 30. Sept. Zum Unterstaatssecretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten wurde ein Israelit, Herr David Raynal, Deputirter von Bordeaux, ernannt. Sein Bruder, Notar, war lange Zeit Mitglied des Israelitischen Confistoriums der Seine. — Eine vor Kurzem verstorbene Madame Openheimer hat dem Israelitischen Hospital von Paris die Summe von 1170,000 Fc. vermacht. — Der bekannten Einrichtung in Paris, daß die Leichen der Armen, die keine Grabstätte für immer, oder für 10 Jahre bezahlen können, in eine gemeinsame Grube gelegt werden, aus der ihre Reste bald nach allen vier Winden verschwinden, gegenüber, erwirbt der Israelitische Verein Uepos eternel (Ewige Ruhe) dauernde Grabstätten und hat im verflossenen Jahre 177 solcher Bestattungen ausgeführt. > Serbien. Belgrad, 25. September. Offiziös wird noch immer die Einberufung der großen Skupstina wegen Lösung der Juden-Frage für Mitte November in Aussicht gestellt, doch; wird die Einberufung thatsächlich nicht vor dem Jänner erfolgen. Bonn, 3. Oktober. (Notizen.) Mit Bezug auf eine frühere Notiz vom Febr. schreibt man uns aus Naugard, daß die Herren Josef und Hermann Salomon in zweiter Instanz freigesprochen worden. — Feuilleton. Sarnrrrl Oppenheimer vnd Söhne. > Noch alljährlich, wenn die Wiener Gemeinde in der Todenj feier an den hohen Festen der Männer gedenkt, welche sich! um ihre Glaubensgenossen und um die Gemeinde verdient ge-! macht haben, wird in dankbarer Erinnerung der Mann ge-! nannt, der zu den Edelsten seines Jahrhunderts zählte. Bet»! und Lehrhäuser gegründet. Gefangene befreit, überhaupt die j jüdische Wohlthätigkeit im großem Maßstabe geübt hat. Es ist dies Samuel Oppenheimer, einer der ersten Juden, welche sich nach der Vertreibung im Jahre 1670 in Wien wieder niedergelasten, der, seiner Geburt nach ein Frankfurter, I zum „kaiserlichen Oberfactor und Hof-Jud" ernannt wurde. Die Verdienste Samuel Oppenheimer's um den österreichischen Staat, der sich in Folge seiner zerrütteten Finanzen beständig in Geldcalamitaten befand, sind im Allgemeinen bekannt. Er und seine beiden Söhne, Emanuel und Wolf, haben sich während vierundzwanzig Jahren auf verschiedene Weise ausgezeichnet bei den rheinländischen, französischen und türkischen Kriegen mit großen, auf Millionen sich belaufenden Summen für Proviant, Munition und dergleichen Kriegssorten, Herbeischaffung großer Geldsummen zur Auszahlung der Remonten, vieler Subsidiengelder, Leistungen namhafter Cautionen in Holland u. s. w. *) Gleichzeitig in Wien wie in Frankfurt etablirt, vereinigte 1) Wolf, Geschichte der Juden in Wien (Wien 1876) 53.

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