Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1880)
- Date
- 1880-10-05
- Page
- Seite 637 (sequence 13)
- Language
- German
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637 Der Leibarzt -er Königin Elisabeth. Studenten, welche den Cursus der 2 ersten Jahre imb | Alles schien Lopez, der übrigens Iran und Kinder in einen Cursus in Pädagogik und Liturgik gemacht haben, England batte, eine glänzende Zukunft zu versprechen. Zu empfangen ein Zeugniß, welches sie berechtigt, als Religionsseinem Unglück benutzte Elisabeth seine Gewandtheit, seine lehrer und Borbeter zu fnngiren. Kenntnis; in der spanischen und portugiesischen Sprache und seine Vertrautheit mit den Verhältnissen der Pyrenäenhalb- ..— ] insel, um ihn in den Verhandlungen mit dem bekannten Prior! Tom Antonio zu beschäftigen, jenem portugiesischen Thronprätendenten, der von Philipp ll. von Spanien widerrechtlich seiner Krone beraubt worden war und bei der englischen In diesen Blättern ist häufiger von dem jüdischen Leib-- Königin Hülfe und Beistand gesucht hatte. Die politische arzt der Königin Elisabeth von England die Rede gewesen, Wichtigkeit dieser Stellung scheint Lopez geblendet zu haben; jenem Pr. Rodrigo Lopez, der im Jahre 15H4 wegen Ver- und andererseits lag Philipp ll. sehr viel daran, den Jntriraths hingerichtct wurde. Man ist mit Recht etwas arg gueu und Plänen Tom Antonios auf die Spur zu kommen, wöhnisch in Betreff der politischen Prozesse jener Zeit, und Ter spanische Monarch scheint durch Geronimo Lopez, einen das löbliche Interesse für den guten Namen eines Glaubens- Vetter de-? Tociors, mit diesem in Beziehung getreten zu genossen trug vollends dazu bei, das; jüdische Schriftsteller — sein. Sicher ist — denn Rodrigo Lopez hat die-? selbst einunter ihnen Piccivtto, der verdienstvolle Geschichtsschreiber der gestanden — das; letzterer wiederholt Geschenke, darunter einen englischen Juden — den Doetor als ein Svser von Hof- Diamanten von hundert Pfund Sterling, heute an Werth kabalen hingestellt haben. Nur mag so viel richtig sein, das; gleich 0t;0U Mark, vom Könige erhielt; und Philipp schenkte Lopez nicht beabsichtigt hat, die Königin zn vergiften oder nur für wirkt-ch geleistete Dienste! Zwei Edellcute auS der gar, was in der That eine ungereimte Beschuldigung ist, die Umgebung Tom Antoniv's, Manuele Audrada und Bernardino englische Flotte in Brand zu stecken: aber daß er, von Elisabeth de Mendoza, nahmen an diesen vcrrätherischen Verhandlungen mit Wohlthaten überhäuft, sich nicht scheute, als spanischer Aulheil. Man sandte nach Madrid genaue Nachrichten nicht Spion gegen sie zu dienen, läßt sich keineswegs in Abrede allein über die Absichten und Handlungen Toni Antouio's, stellen. Man wird also gut thun, ihn aus der ja leider alb i sondern auch über die militärischen und maritimen Kräfte zu zahlreichen Schaar jüdischer Märtyrer zu streichen.; Englands. Zunächst dachte unser Doetor gar nicht daran, als Jude Des Leibarztes unverantwortliches Benehmen flößte aufzutreten. Er war von jüdischer Abstammung, aber was Philipp die Hoffnung ein, daß man ihn noch zu einem gröauch seine innere Ueberzeugung gewesen sein mag, er trat ßercn und nützlicher!! Verbrechen werde gebrauchen können: durchaus als Christ auf. Um das Jahr 1570 wurde er von nämlich die Königin Elisabeth zu vergiften. Es ist bekannt, englischen Freibeutern auf einer spanischen Besitzung oder daß des Katholischen Königs fanatische Staatskunst die Er- Flotte aufgefangen — nicht auf der Unbezwinglichen Armada, mordung seiner Feinde für ein völlig erlaubtes, ja gottgefälliges die ja erst 1588 in See stach — man weiß aber, daß damals Werk hielt. So kam im Beginne des Jahres 1504 Ton Juden in Spanien nicht geduldet wurden, und gleich so vielen Estevan Ferrcra de Gama nach England, um Lopez für ein anderen Marannen, hat sich Lopez äußerlich als gläubiger so verheißungsvolles Unternehmen zu gewinnen; Manuele Christ benommen. Auch in England, wo sein medicinisches Andrada war im Einverständniß. Tb Lopez sich auf die Schand- Wissen und seine weltmännische Geschicklichkeit ihn bald Ansehen that, die Ermordung seiner Herrin und Wohlthäterin, deren und Einfluß gewinnen ließen, verleugncte er sorgfältig selbst geschworener Leibarzt er war, eingelassen hat, ist allerdings seinen jüdischen Ursprung. Hefters erscheint sein Name in unsicher, und nur wollen annehmcn, das; seine Unbeständigkeit Staatspapieren, niemals wird -- vor seinem Prozesse — die Geldgier und Uuwahrbaftigkeit nicht zu einem io hohen Grade Bezeichnung „Jude" hinzugesetzt, die ihm sicherlich nicht erspart verbrecherischer Gesinnung ausartete. Genug, das Complvtt geblieben wäre, wenn man seine Abstammung gerannt hätte, wurde durch einen englischen Spion auf dem Festlande ent- Er wußte sich zur Stellung eines Leibarztes des berühmten deckt, die Correspondenz der Bctheiligten konnte zum großen Grafen Leicester und im Jahre 1586 durch dessen schwer- Theile aufgefangcn werden. Zunächst wurde Audrada vcr-. wiegenden Einfluß zu der eines Leibarztes der Königin selbst haftet, und dieser gewissenlose Abenteurer rettete sich, indem aufzuschwingen. Elisabeth, zu deren Fehlern eine übermäßige er seine Mitschuldigen angab und mit hoffentlich übertriebenen Freigebigkeit nie gehörte, scheint ihm kein Gehalt bewilligt Beschuldigungen belastete. Tie Sache nahm für Lopez eine zu haben, sondern entschädigte ihn nach dreijährigem Dienste um so üblere Wendung, als Graf Esser, der Nebenbuhler durch Ertheilung eines Monopols für Einführung von Leicester s, sic mit allem Eifer gegen den Doetor, den Günst- Anisett. ling seines Rivalen betrieb. Noch am 25. Januar 1504