Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1880)
- Date
- 1880-10-05
- Page
- Seite 634 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227326--38390-3307619- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
634 schule gegeben worden war und das dessen Vater nun in j legaler Form zurückforderte. Es scheint, daß der Vater, als j er sie in diese Anstalt gab, sich das Recht vorbehielt, sie nach; fünf Jahren zurückzunehmcn, aber sestsetzte, daß er alle durch j sic veranlagten Kosten in dem Falle bezahlen würde, wenn, er sie vor Ablauf jener Zeit wcgnehmen würde. Ter Vater; suchte innerhalb der fünf Jahre sie fortzunehmen, und erbot; sich, die Kosten zu zahlen; aber die Schulbehörden verweigerten, sie herauszugeben und die Folge war, daß der Vater einen Prozeß anstrengte, indem er sein Kind zurückforderte. Tiefe Klage wurde zu Gunsten des Vaters entschieden. Aber die Missionskirche appellirtc an das Obertribunal in Lahore, und dieses sandte die Angelegenheit zurück an den <'>»»- missiomtr, um nach den Verhältnissen des Vaters zu forschen und auch, ob er sich irgendwie seiner väterlichen Rechte zu Gunsten der Missionskirche entäußert habe. Tiefe legere Frage wurde zu feinen Gunsten befunden, aber es wurde fcstgestellt, daß er sich in dürftigen Verhältnissen besinde. Nur auf diesen Bericht hin verweigert das Tribunal, ihm sein Kind zurückzugeben und ging deshalb damit vor, einen Vormund für dieses Kind zu wählen. — Wie die indischen Blätter melden, ist vor wenigen Wochen in der Stadt Balkh, in Afghanistan, eine Karawane aus Bokhara in Central-Asien. cingetroffen, die ausschließlich aus Juden bestand und un- 1 gefähr neunzig Mitglieder mit 200 Kameclen zählte. Sämmt-; lichc Reisenden waren bis an die Zähne bewaffnet, um fief)! gegen die räuberischen Uebcrfälle der Turkmanen schützen zu können. Tie Karawane führte verschiedene Waaren, besonders aber Seidenstoffe und Schmncksachen mit sich, die sie in Balkh gegen europäische Fabrikate Umtauschen wollte. Tiefe Leute waren ungefähr drei Wochen unterwegs und rasteten nur am Samstag. Ein eigenes Zelt diente als Synagoge, worin die Reisenden Morgens und Abends ihre Andacht verrichteten. Sic erzählten, daß sic jetzt in Bokhara, wo cs sot)0 Juden mit ].r> Synagogen geben soll, eine leidliche Stelluug haben, da sie sich des besonderen Schutzes des Chans Mn;zafer Eddiu erfreuen. In Balkh, wo es ebenfalls zahlreiche Juden gibt, verweilte die Karawane 24 Tage. Bonn, 2«;. Sept. (9! otizen. > In der Rede, welche l>r. van Vloten bei der Enthüllung des Spin oza-Teukmals am l-t.d.) im Haag hielt, hob er u. A. hervor, wie sehr sich die Zeiten geändert haben: „Vor hundertfünfzig Jahren noch", sagte er, ..rief der protestantische Pastor Tuinmann von Middelburg aus: „Da liegt Spinoza: Spukt ihm aufs Grab!" Seitdem haben sich die Meinungen gewendet. Aus allen Theilen der Welt, von Moskau bis Newyork, von der Argentinischen Republik bis nach Java sind Beiträge gekommen zur Errichtung dieses Standbildes. „Der Redner hätte zur Bekräftigung seiner These noch einer Zwischenperiode gedenken können. Als im Jahre 1>32 — es war damals die Herrschaft Hegcl's noch unerschüttert — der Redacteur dieser Zeitung -- die letztere existirte damals noch nicht — in einer Schrift, welche das Leben und den Charakter Spinoza's darstellte, zur Feier seines 20«-jährigen Geburtstages am 24. November 1*32 aufforderte, nahmen kaum einige Zeitschriften davon Notiz und jegliche Feier unterblieb. Es mußte erst der 200jährige Sterbetag Spinoz'as lgest. 21. Febr. 1»>77) vorübergehen, bevor ihm ein Denkmal gesetzt ward. — Aus G leiwitz schreibt man: In dem Alter von cinhundertzwölf Jahren verschied Hierselbst Frau Fromctta Singer. Obwohl seit Jahren erblindet, war die Matrone noch immer geistig rege und hatte im vergangenen Jahre dem deutschen Kaiser- Paare am Tage der goldenen Hochzeit, an welchem sie selbst Hundertels Jahre alt geworden, ihre Glückwünsche übermitteln lassen. Nur drei Kinder überleben sie; die älteste Tochter starb vor nicht langer Zeit im Alter von einundachtzig Jahren. — In B. hielt am Sedansfestc bei der Feier, welche die Kriegcrvcreine veranstalteten, ein General a. D. R. eine Rede, darin sagte er n. A.: „Tie Kriegervereine sind confessionslos, heute früh zogen sic zuerst zur katholischen, dann zur protestantischen Kirche, und endlich sogar zur Synagoge." In diesem „sogar" liegt der Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich auf dem Gebiete der Gleichstellung und der religiösen Tuldsamkeit! — Aus Hannover wird uns geschrieben: An Stelle des verstorbenen Prof. Dr. Frensdorfs wurde Oberlehrer lir. Prager mit der Leitung der hiesigen Bildnngsanstalt für jüdische Lehrer betraut. — Ter Banrath E. Oppler, der die prachtvollen Synagogen in : Hannover, Breslau u. a. erbaut, ist am ersten Neujahrstage! hier gestorben. — Mau schreibt uns aus Mainz: Der hiesige Rabbiner Or. I. Fürst ist zum Stiftsrabbincr in Mannheim erwählt worden, welches Amt er den 1;>. Okt. antritt. — Feuilleton. Kaiser Fra«; Iosrph und der Wundrrrabbi . --"dagara. weitst ticutc nach Czcrno- 'fr .. wrtz gekommen war, um den Kaiser zu sehen und zu segnen, Ul hat vorher noch ein Werk der Versöhnung vollbracht. Der Das „Wiener Tagebl." erzählt aus der eben beendigten Wunderrabbi, der von den orthodoxen Juden Polens und Rundreise des Kaisers durch Galizien:; fRuülanb» verehrt wird, hatte vor einigen Monaten einen