Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1880)
- Date
- 1880-10-05
- Page
- Seite 632 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227326--38388-3307617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
r>3-2 derspruch rechts.) Darum frage er den Minister des Innern: „Hat derselbe Kenntniß von der sogenannten anti-semitischen Bewegung, welche gegen die Ge'ctze des Landes über die Gleichberechtigung der Confcssionen verstört? Wurden die Statuten der Liga vorgelegt'? Wurden dieselben gemehmigt oder nicht? Was gedenkt die Regierung überhaupt gegen diese Bewegung zu thuu, welche Zwietracht und Erbitterung bervorruft in der Bevölkerung? Ich empfehle dem Herrn Ministerpräsidenten meine Interpellation." Nach diesen Worten erhob sich Jstoezu von seinem Plane, machte eine abwchrende zürnende Bewegung gegen Miklos und sprach einige Worte, die jedoch ungehvrt im Lärme verhallten. Pest, 25. September. Die Interpellation Stephan Miklos' von der Unabhängigkeitspartei in Betreff der Inden- Agitation von Seiten Jstoczy's machte einiges Aufsehen im Abgeordnetenhause. Tie liberale Partei verwahrt sich sehr energisch gegen die Zumuthung, welche Miklos in seiner Motivirung ansührte, als ob sie mit Jstoczn solidarisch wäre. Aus Ungarn, 24. Sept. (Prioatmitth., Tie deutsche Zeitungsprcssc, auch die fortschrittliche, wie B. die „Boss. Ztg." fällt über die Pester Israeliten her, weil sie das Votum der Pester Gemeinderepräsentanz gegen das deutsche Theater nicht verhindert haben. Tiefe Repräsentanz besteht aus 425 Mitgliedern, worunter ea. Inden: in der betreffeudcn Sitzung waren nur 153 Gemeinderäthe anwesend, und nur eine Stimme Majoritär entschied gegen das deutsche Theater. Mau beschuldigt nun die Juden, daß sie durch ihr Wegbleiben dieses Votum unbehindert ließen. Taß die Sitzung gerade am Jom Kippur siaitfand, und die Inden schon deshalb ausblieben, daß ferner nicht bloß die <>0 Inden, sondern vielmehr 272 abwesend waren, also 2!2 mehr, als Juden überhaupt im Gemeinderäthe sitzen, ihm nicht anwohnten, ohne einen religiösen Grund wie die Israeliten zu haben, dies Alles verfängt bei den deutschen Zeikungsschreibern nicht — die Juden sind nun schuld! Wenn aber von 425 GemeiuderÜthen nur 7«» für das deutsche Theater waren, konnte dies gerettet werden'? Auch nicht durch die Inden. Und hätten die ungarischen Juden ivirklich ein Motiv, sich dem magyarischen Strome für das deutsche Theater entgegen zuwcrsen? Sind es die Zustände in Deutschland gerade hinsichtlich der Juden, die sie veranlassen sollten, sich bei den Magyaren für ein deutsches Theater verhaßt zu machen, und sich dem Sturm ansznsetzen, der gegen sie losgebrochen, wenn es geheißen hätte: die Juden haben wider Willen der Bevölkerung der Reichshauptsiadt ein deutsches Theater ausge drängt? Bon wannen ist denn die Fackel des Judenhasses auch nach Ungarn wieder geschleudert worden, wenn nicht von Teutschlaud? Welche Presse ist es, die unaufhörlich gegen uns schürt, wenn nicht die deutsche ultramontane und reactionäre Presse? Wir sollen uns für ein deutsches Theater opfern, während man in Deutschland auf hundert Altären dem Judenhasse opfert? Nein, die Gegenwart ist traurig genug, wir brauchen nicht erst in.den Annalen der Vergangenheit zu suchen; aber wir wissen recht wohl, was uns in Ungarn gerade die Deutschen angethan; wir erinnern z. B. an Preßbnrg, und wie es die deutschen „Freistädte" in Ungarn waren,'die uns Jahrhunderte lang bis zur Neuzeit ausfchlossen. Fürwahr, wenn das jetzige Geschlecht nachholt, was die Väter verabsäumten, sich;u magyarisiren, so wird man es dafür nur loben müssen, da es hierdurch dem Volke sich amalgamirt, dem es angehört. Lemberg, 22. Sept. (Privatmitth.) Wir leben augenblicklich in einer Zeit, wo das Verhalten hochgestellter und entscheidender Personen zu uns wieder von besonderer Wichtigkeit ist, weil die Meute derer, die gegen uns anklässen, groß genug ist, um erschrecken zu können. Es sei daher auch noch berichtet, daß der Verein Schomer Israel um eine Audienz bei dem Kaiser während seines Aufenthaltes allhier nachsuchte, und dieie von dem Lemberger „Israelit" folgendermaßen beschrieben wird: „Heute um 10 IU)r Morgens wurde eine Deputation unseres Vereines von Seiner Majestät dem Kaiser empfangen. Als Deputations-Mitglieder waren angcmeldet: Vereins-Präsident Dr. Emil Byk als Führer der Deputation, als Mitglieder die Herren Emanuel Frankel, H. Lechner, Ur. Philipp Mansch, T. Z. Menkes, S. Nebcnzahl und Jakob Stroh aus Lemberg: ferner die Herren A. I. Fischler (Eultusvorsteher) ans Slanislau. Joses lüuttyn (Eultusvorsteher) aus Zloczow, Alerander Schorr (Eultusvorsteher) aus Drohobycz. Bernhard Stern (Bürgermeister, aus Buczacz und Salomon Wieselberg , Eultusvorsteher) ans Kolomea. — Trotz des großen Andranges der Deputationen und Eorporationcn, die im Empfangssaale warteten, wurde unsere Deputation bald nach 1<> llhr vom dienstthueuden Kämmerer ausgerusen und in den Empsangssaal des Kaisers geleitet. Tortselbst stand Seine Majestät au den Schreibtisch gelehnt, und es richtete unser Vereins Präsident an Hvchstdenselben nachstehende Ansprache: Ew. Majestät! Der Verein „Schomer Israel", dem es statutenmäßig obliegt, die jüdischen Interessen zu wahren, und der es fick) zur Aufgabe gesetzt hat, die Civilisation und die Bildung unter den Juden dieses Landes zu verbreiten erachtet es für eine heilige Pflicht, Euere Majestät bei der hochersrenlichen Veranlassung des gnädigen Besuches dieses Landes ehrfurchtsvoll zu begrüßen. Euere Majestät zu lntldigcu und im Namen der jüdischen Bevölkerung den I Gefühlen unwandelbarer Treue und unerschütterlicher Ergebenheit für Euere Majestät, das erhabene Kaiserhaus und ^das Reich Ausdruck zu geben.