Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-05 · Heft 40 (5.10.1880) · p. Seite 630

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 40 (5.10.1880)
Date
1880-10-05
Page
Seite 630 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227285-3227326--38386-3307615
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

630 weder gegeben noch verweigert habe; zu letzterem hätte für ihn übrigens keine Veranlassung Vorgelegen, weil der Raum nicht nur kirchlichen, sondern auch profanen Zwecken gedient habe, und mit der Verlegung des Arbeitshauses durch die Entfernung der Embleme und Geräthe des kirchlichen Gottesdienstes auch seines kirchlichen Charakters völlig entkleidet worden sei. Breslau, 8. September (Privatmitth.) „D i e Bestätigung des Statuts der Unterstützungs-Kasse des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen" ist vor wenigen Tagen durch das Kgl. Ministerium des Innern und der geistlichen rc. Angelegenheiten ersolgt. Tie Kasse erhält hierdurch bekanntlich die Rechte einer juristischen Person. Der Vorstand theilt dieses erfreuliche Ereigniß den Mitgliedern des „Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen" soeben durch ein Circular mit, aus welchem wir folgenden Passus hervorheben: „Wir sind zugleich in der Lage, Ihnen über die materielle Lage des jungen Instituts folgende Einzelheiten mitzutheilcn: Am l. Juni d. I. besaß die Kasse ein Gesammt-Permögcn von 7361 Mk. 3<) Pf. Darunter beliefen sich die Einzahlungen zur Erwerbung der Ehrenmitgliedschaft und die einmaligen Spenden und Geschenke auf zusammen 7031 Mk. 75» Ps. Tie festen jährlichen Einnahmen setzen sich nach dem augenblicklichen Stande der Kaffe wie folgt zusammen: 1. Jahresbeiträge der 16 ordentlichen Mitglieder . 125 Mk. 2. do. der 71 Ehrenmitglieder . . . 513 3. Jährliche Geschenke.30 l. Zinsen von dem bish. zinsbar angelegten Capital 312 Mk. Somit betr. das feste Jahreseinkommen augenbl. p. v. 1232 Mk. Ausgaben hat die Kaffe für die nächsten Jahre nicht zu leisten, da nach 41 die Unterstützungsthätigkeir erst mit dem 1. Januar 1864 ihren Anfang nimmt. Bis zu diesem Zeitpunkte fließen sämmtliche Einnahmen in den Capitalsfond, dessenZinsen darin nebst den Jahresbeiträgen der ordentlichen und der Ehrenmitglieder den Unterstützungsfond formiren werden. Wir machen Sie noch besonders auf die Bestimmung des tz 2 des Kassen-Statuts aufmerksam, nach welchem bis zum 1. Januar dcS nächsten Jahres auch denjenigen Lehrern, die bis dahin das siebzigste Lebensjahr noch nicht überschritten haben werden, die Berechtigung zum Beitritt zuerkannt wird. Vom 1. Januar 1880 ab wird das vollendete »0. Lebensjahr als äußerste Altersgrenze für das Recht der Kaffe beizutreten gelten. Zu sonstigen näheren Mirtheilnngen über die Angelegenheiten der Kaffe ist der Vorstand, und insbesondere der Schriftführer (Dr. Braun — Friedrichstr. 06) jederzeit erbötig. Casirl, 13. Sept. (Privatmitth.) Heute hielt die kurheffische Fortschrittspartei eine Parteivcrsammlung, in welcher Eugen Richter eine Rede hielt. Er sagte unter Anderem, daß „die Conservativen den Religionshaß predigen" und fügte hinzu: „Die Judenhetze stellt alle Leistungen der Socialdemokraten in Schatten." Tie erste der angenommenen Resolntioneil lautet: „Der hessische Parteitag der deutschen Fortschrittspartei erklärt: Tic Aufgabe der nächsten Wahlen ist es, dem Reichstage Männer zuzuführen, welche ohne Wanken und Schwanken entschlossen sind, der rückschrittlichen Bewegung kräftigen Widerstand cntgegcnzustellen, der fortgesetzen Vermehrung der Steuerlasten, insbesondere auch der die ärmeren Claffcn bedrückenden Vcrthcncrung der Lebensmittel Einhalt zu thun, der Geschäftswelt wieder Ruhe und Sicherheit gegen die unablässig anftauchenden Projccte von Monopolen, Steuern und anderen wirthschaftlichen Umgestaltungen zurückzugeben, und in Eintracht die gemeinsamen Interessen von Stadt und Land, sowie aller Bernfsklaffeu und Religionsparteien zu fördern." Dresden, 22. Sept. (Privatmitth.) Was die „Deutsche Landesz." in Berlin, das ist die „Deutsche Reform" in Dresden. ein Musterblatt, das Drgan der äußersten Reaction, und darum des blindesten Judenhasses. Am schmerzlichsten kommen ihm die hohen Zahlen der jüdischen Schüler der höheren Lehranstalten in Preußen, und mit Schrecken sieht es die Zeit herannahen, wo „alle Staatsäinter mit Juden besetzt sind." Bon 1868 —1878, rechnet sie aus, ist die katholische Schülerzahl um 3,1 Procent zurückgegangen, wovon den Protestanten 1,8 Proc., den Juden 1,3 Proc. zugefallen. Nun, diese Furcht ist doch nur erheuchelt, und soll nur den leichtgläubigen Lesern eingeflößt werden. Also schon 1868 betrug die jüdische Schülerzahl eine so hohe, und doch damals auch schon viele Jahre, und sieht sich der Leser nun um, so gewahrt er weder in den oberen, noch in den unteren Staatsämtern irgend eine erhebliche Anzahl von Juden. Ein Dutzend Univcrsitätsdocenten, die es mit geringer Ausnahme zur unbesoldeten außerordentlichen Professur bringen, einige Stadtrichter, eine Anzahl Referendare und zwei oder drei Gymnasiallehrer — das ist Alles, und davon dieses Gruseln? Ihr Memmen'. Das kommt aber von dem Kunstgriff der Procentsätze'. Eine große Majorität braucht sich noch lange nicht vor einer kleinen Minorität zu fürchten, auch bei einem großen Procentsatze der Minorität, denn die Masse deckt hinlänglich den nur verhältnißmäßig großen Theil der letzeren. So bilden die jüdischen Schüler der höhren Lehranstalten in Preußen immer erst den 12. Theil der Schülerzahl, und der christliche Theil derselben ist also elsmal größer. Fügt man hinzu, wie gering die Chancen für den Juden sind, wenn er in die Staatscarriere cintritt, und jene Erregung von Furcht würde albern zu nennen sein, wenn sie nicht absichtlich und deßhalb boshaft wäre. München, 15. Sept. Die öffentlichen Blätter belichten > von hier: Tie von einem Theil der conservativen und fast

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.