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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-05 · Heft 40 (5.10.1880) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 40 (5.10.1880)
Date
1880-10-05
Page
Seite 629 (sequence 5)
Language
German
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629 %?ei t'i t w cj m i Deutschland. | Berlin. 19. Sept. Hiesige Blätter berichten: Der hiesige; protestantische Reformverein des I)r. Kalthoff hat sich! am Donnerstag mit der bekannten antijüdischen Petition! befaßt, die dem nächsten Reichstage zugehcn soll. Es wurde folgende Resolution gefaßt: „Tie heute vom protestantischen Reformverein berufene Versammlung erklärt den Versuch, Staatshilfe gegen Staatsbürger, weil sie zufällig als Juden geboren sind, aufzurufcn. für unprotestantisch und unsittlich und warnt alle Staatsangehörigen, gleichviel welcher Evnfession sic angehören, durch solche Bestrebungen sich in Haß und Feindschaft hincintreibcn zu lassen." Tie Vcrtheidigung der Resolution hatte Herr In-. Kalthoff selbst übernommen, der seinen Vortrag mit den Worten schloß, daß ihm ein von echter Religiosität erfüllter Jude viel lieber sei, als ein zelvtischer Priester. — Die hiesige „Germania" nahm sich die Mühe, an den letzten Festtagen in den Straßen Berlins die geschlossenen Läden zu zählen, und fand in der einen Id, in der anderen 31. Tic nichtgeschlossenen Läden dagegen zu zählen, unterließ sie. Am meisten ärgert es sie, daß häufig nur die Worte „des Festes wegen geschlossen", nicht „des jüdischen Festes rc." angeschricben standen, was also voraussetze, daß in Berlin Jedermann weiß, das; ein „jüdisches Fest" sei. Nun wenn die „Germania" sich ärgert, freuen wir uns'. — Berlin, 24. Sept. (Privatmitth.) Es ist gewiß von Interesse, mitzutheilen, daß in diesem Jahre vor dem Neujahrsfeste von den bedeutendsten hiesigen jüdischen Bankfirmen ein Circulär an ihre Kunden verschickt wurde, in welchem diesen angezeigt wurde, daß die Casscn dieser Bankhäuser an den beiden Tagen des Neujahrsfestes und am Versöhnungstagc vollständig geschlossen sein würden. Ta dies früher nicht geschah, so kann man es sicherlich als eine neue Bethätigung des religiösen Sinnes betrachten, der gegenüber den jüngsten Verfolgungen der Juden an Entschiedenheit gewonnen hat. Berlin, 26. Sept. (Privatmitth.) Ter Minister des Innern hat am 31. Juli eine Verfügung erlassen, welche, abgesehen von ihrer allgemeinen Bedeutung auch für uns ein zweifaches Interesse hat, um ihrer hier Erwähnung zu thun. Sie betrifft die Unterbringung sittlich verwahrloster Kinder, und beklagt sich, daß das Gesetz vom 13. März 1878 über diesen Gegenstand von den Behörden nicht genügend zum Vollzug gebracht werde. Der Minister läßt sich zuerst über die erschreckende Zunahme der groben Verbrechen aus. Er sagt: „Die Zahl der wegen Vergehen nnd Verbrechen zur Untersuchung gezogenen Personen jugendlichen Alters ist von Jjcic Jjlevi 66lö im Jahre 1869 auf 13,318 im Jahre 1878, also in 10 Jahren um mehr als 100 pCI. gestiegen. Daneben mehren sich in besonderem Maße diejenigen Uebertretungen der Gesetze, welche in Rohheit der Sitten nnd in Mangel an Achtung vor den Gesetzen und der öffentlichen Ordnung ihren Grund haben. Während der Jahre von 1871 bis 1878 hat die Zahl der strafgerichtlichen Untersuchungen zugcnommcn bei den Verbrechen und Vergehen gegen die Sittlichkeit um!4 8pEt., gegen die öffentliche Ordnung um 67 pCt., gegen das Leben um 45 nnd wegen Körperverletzung um 143 pEt. In einem Gefängniß warcnj von den dort detenirten 836, Sträflingen 364, in einem anderen von 16,71 Sträflingen 707, also über 42 pEt. derGesammtzahl. wegen Körperverletzungen und Brntalitälsvergehen verurtheilt. Die Zahl der Rückfälligen in den Zuchthäusern beträgt gegen 80pEt. der Kopfzahl." — Wenn diese Zahlen ein sprechendes Zengniß für die zunehmende Verwilderung im Volke ist, so glauben wir berechtigt zu sein hervorzuhcben, daß gerade die Verbrechen, die der Minister hier aufsührt, sich Juden gar nicht oder in verschwindend wenigen Fällen zu Schulden kommen lassen. In Deutschland gehören Fälle, wo Juden an Mord, Todtschlag, Körperverletzung und anderen Brntalitäteti verbrecherisch betheiligt sind, zu boxt seltensten Ausnahmen. Wenn also die Judenfeinde über den sittlichen Einfluß der Juden sich schmähend auslassen, so haben sie gerade in den schwersten und unsittlichsten Verbrechen die Wahrheit gegen sich und wir vermöchten den Stiel umzukehren. Es wäre eifrig zu wünschen, daß hinsichtlich aller dieser Verbrechen die sittlichen Eigenschaften der Juden sich im Volke verbreiteten'. Wenir der Minister über den ungenügenden Vollzug des Gesetzes über die verwahrlosten Kinder klagt, da die Zahl der Verbrecher im jugendlichen Alter die Zahl der untergebrachten verwahrlosten Kinder um das Zwanzigfachc übersteige, so können wir darauf Hinweisen, daß verwahrloste Kinder unter den Inden zu den Seltenheiten gehören, da für die Erziehung der Kinder seitens der jüdischen Eltern, Vormünder und Gemeinden mit der größten Opfcrwilligkeit gesorgt wird. Hier ist ein Feld, wo die Juden zur eifrigsten Nachahmung anfsordern können! Berlin, 26. September. Hiesige Blätter berichten: Der Spciscsaal des früheren Arbeitshauses am Alexandcrplatz, woselbst allsonntäglich der Anstaltsgottesdienst abgehalten wurde, ist bekanntlich jept zu einer Synagoge umgcwandelt worden. Das Consistorinm hat hieraus Anlaß genommen,; beim Magistrat anzufragen, wie cs gekommen ist, daß ein dein christlichen Gottesdienst geweihter Raum in eine Synagoge umgewandelt werden konnte. Ter Magistrat erklärte darauf, daß er zu dieser Umwandlung seine Zustimmung

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