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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-10-05 · Heft 40 (5.10.1880) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 40 (5.10.1880)
Date
1880-10-05
Page
Seite 628 (sequence 4)
Language
German
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628 Schulen wurden sie erzogen, durch deutsches Leben und deutsche Literatur herangebildet, Deutschlands Geschick war und ist das ihrige, Deutschlands Interessen waren und sind die ihrigen. Wer hier noch von „Fremdlingen" spricht, schlägt der Wahrheit und dem Recht ins Angesicht, blasphemirt gegen die göttliche Vorsehung. Auch jede Aus- und Einwanderung bestätigt dies. Der Deutsche, der nach Amerika tvandert, bleibt Deutscher sein Leben laug, selbst wenn er sich in Amerika naturalisiren läßt. Seine Enkel, die in Amerika geboren, Amerikanisch-Englisch als Muttersprache reden, dort erzogen und herangebildet worden, sind keine Deutsche mehr, sind Amerikaner. Aus diese Weise wurden alle französischen Refugws in ihren folgenden Geschlechtern Deutsche, und Niemand wird sie noch „Fcmdlinge" heißen. Es hängt dies von dem Willen der Einwanderer gar nicht ab, es ist dies die! nothwendige Bedingung durch Geburt, Erziehung, Leben. Wir! fordern Jedweden aus, diese unsre einfachen Sätze zu widerlegen! (Schluß svlgr.) Daß die obige Gesinnung und Anschauung stets die - unsrige und die unserer Glaubensgenossenschaft gewesen, da-! für diene als Zeugniß das folgende Gedicht, das wir bereits im Jahre 1840 veröffentlichten. Das deutsche Vaterland. Was dir gehört, laß nimmer dir entreißen -- Tein deutsches Vaterland! Ja, heilig ist, wo einst die Ahnen wallten. Wo ihre Schmerzen, ihre Freuden hallten: Doch heilig auch dein eignes Vaterland. Was dir gehört, laß nimmer dir entreißen Dein deutsches Vaterland! Hier war's, wo früh dein kindlich Herz erbebte. Wo es der Jugend Lust und Leid erlebte: Drum ist es wohl dein heilig Vaterland. Was dir gehört, laß nimmer dir entreißen — Dein deutsches Vaterland! Hier war's wo sich, erwacht, dein Geist entfaltet. Im reichen Strom der Sprache sich gestaltet: Drum ist es wohl dein heilig Vaterland. Was dir gehört, laß nimmer dir entreißen — Dein deutsches Vaterland! Hier überkam dich bang der Liebe Wühlen, Hier schmolz dein Herz entzückenden Gefühlen: Trum ist es wohl dein heilig Vaterland. Was dir gehört, laß nimmer dir entreißen — Dein deutsches Vaterland! Hier strittest du des Lebens heilig Streiten, Und mußtest all' das Wechselnde durchschreiten: Drum ist cs wohl dein heilig Vaterland. Was dir gehört, laß nimmer dir entreißen — Dein deutsches Vaterland! Hier stch'n, die alle Schätze überwiegcn, Der Eltern Gräber und der Kindlcin Wiegen: Drum ist cs wohl dein heilig Vaterland. So laß cs nimmer, nimmer dir entreißen — Dein bcu^^^^e» SSaterlaubl Sein Sonnenglühn und seine Eichenschatten, Sein Saatenfeld und seine grünen Matten, Sie sind dein eigen, sind dein Vaterland! Ein Zeugniß aus dem vorigen Iahrhun-ert. Vielen, auch in jüdischen Kreisen, beliebt es, sich die Juden als nützliche Mitglieder der Gesellschaft erst seit der Zeit zu denken, daß sie sich die moderne europäische Kultur angecignct haben. Es ist dies aber durchaus nicht der Fall, da es vielmehr überall darauf ankam, wie weit ihnen eine j freie Bewegung für ihre Thätigkeit gestattet ward. Heute ein kleines, aber sprechendes Zeugniß hierfür. In Pröhle's Zeitschrift für preußische Geschichte ujtd Landeskunde XIV, 17. findet sich ein Aussatz: „Der Dichter Göcking über Berlin und Preußen." Ter Lbersinanzrath Göcking nämlich, der auch als Verfasser lyrischer Gedichte bekannt ist, hatte im Aufträge der Regierung die bei der zweiten Theilung Polens neu erworbenen Provinzen bereist, welche damals Südpreußen genannt wurden und hauptsächlich in der jetzigen Provinz Posen bestanden. Unter dem Juni 1793 schreibt er an Gleim: „Die beste Arbeit »Her Art machen noch die Juden, die i alle Handwerke ohne Ausnahme betreiben, und in manchen > Städten eigene Zünfte haben. Ueberhaupt ist bei dieser Bolksj klaffe, wenn man den Theil des Adels ausnimmt, der Reisen > ins Ausland gemacht hat, die mehrste Cultur." - Es sind dies wenige, aber vielsagende Worte. Die Frei-! zügigkeit innerhalb der polnischen Provinzen und die Freiheit jedwedes Handwerk zu betreiben, welche die Polen den Juden gewährten, hatte die Folge, daß die Mehrzahl der Letzeren den Handwerken oblag, während in Deutschland die ausschlicßendcn Zunstgesetze sie, bis 1812 auch in Preußen, zu keinem Handwerke zuließen.

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