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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-28 · Heft 39 (28.9.1880) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 39 (28.9.1880)
Date
1880-09-28
Page
Seite 616 (sequence 8)
Language
German
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♦>i6 Jrrthümer aus seinen eigenen Tabellen überzeugte. Es geschah dies in der Schrift: „Wie sich der Statistiker Hoffmann verrechnet!" (Leipzig, Baumgärtner 13423 Gr. Strehlitz, 10. Sept. Den jüdischen Lehrern an der hiesigen Simultanschule sind das Jahr 7 Feiertage gestattet, an denen sie durch christliche Lehrer zu vertreten sind; außerdem hat man für nächste Woche den Wochenmarkt von Mittwoch (Jom-Kippur) auf Dienstag verlegt. Darum „Heulen und Zähneklappern" in der „Schles. Volksztg." und ihr nach in allen ultramontanen Blättern. Was Veruünftigen und Gerechtigkeitsfreunden blos billig und ersprießlich, ja nothwendig erscheint, das ist jenen Hetzern nur unleidliche „Judenherrschaft'. Nur zu. Oesterreich-Ungarn. Pest, 7. Sept. Wie der „N. Fr. Pr." von hier gemeldet wird, ist das ungarische Justizministerium gegenwärtig mit der Ausarbeitung eines Gesetzes über die sogenannte Noth Civil-Ehe beschäftigt. Dasselbe soll die Ehe zwischen Christen und Inden für zulässig erklären und zur! Entgegennahme der Erklärung der Eheschließenden die politischen Behörden — in den Städten den Bürgermeister, in den Landgemeinden den Bicegespan. beziehungsweise den Stuhlrichter — designiren. Dieser Gesetzentwurf soll schon in der nächsten Reichstagssession eingebracht werden. — Bemerkenswerth ist, was die ultramontanen Blätter dieser Nachricht hinzufügen, nämlich: „Bestätigt sich diese Meldung, so wird das Ministerium I Tisza einen weiteren Schritt znr Berjudung Ungarns gethan haben." Was will das heißen? Doch nichts anderes, als daß das Judenthum eine solche Anziehungskraft und Energie besitze, daß es in den Mischehen den Sieg davon trägt. Ob sich die Urheber dieser Phrase dieses Sinnes bewußt waren? Pest, 14. (Privatmitth.) Wie schon aus dem in Nr. 35 gegebenen Artikel: „Die Antisemiten in Ungarn" hervorging, ist in Ungarn die Meinung allgemein verbreitet, daß die Statuten der „Antisemiten-Liga" von der ungarischen Regierung genehmigt worden, was natürlich die Ansicht hervorrief, als ob die Regierung den Bestrebungen dieser Liga günstig gestimmt sei. Der „Pester Llnod" sprach dies in einem Leitartikel vom 10. d. in lebhafter Weise aus. Hierauf erfolgte eine Erklärung im „Hon" und „Ellenör," den beiden Organen der Regierung, daß die Statuten der Antisemitenliga der Regierung niemals vorgelegt, also auch von dieser nicht genehmigt worden sind. Es ist nur zu bedauern, daß die Regierung sich zu einer solchen Erklärung nicht früher veranlaßt gesehen, da jene Nachricht in fast allen ungarischen Blättern zu lesen gewesen war und die. Gemüther lebhaft erregt hatte. Hiermit wird wohl der ganze Schwindel zu Ende sein, der bei näherer Prüfung nur in dem Gerede der Zeitungen eine Stütze fand. Denn Thatsache ist es, daß außer einem verkommenen Winkelbuchhändler niemand offen und mit seinem Namen zur Partei des Herrn Jstoczy und zu dessen Antisemitenliga sich gesellt hat. Lemberg, 13. Sept. (Privatmitth.) Der Kaiser besuchte hier nach der griechisch-unirten St. Georgkirche auch zwei Synagogen und hielt der Präses der hiesigen Kultusgemeinde folgende Ansprache an den Kaiser: „Ew. Kaiserliche und Königliche Apostolische Majestät! Allergnädigster Kaiser und Herr! Im Namen der treugehorsamsten Israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg erneuert deren Vertretung an diesem für das Land hochbedeutensten Jubelfeste den Ausdruck unwandelbarer Liebe und Verehrung für ihren allergnädigsten Kaiser und Herrn! In hochherziger Jnitative geruhten Eure Majestät, die Juden Galiziens zu vollberechtigten Bürgern zu erheben. Stets eingedenk dieser unvergänglichen That des erhabenen Monarchen, flehen wir zum Allmächtigen um Schutz und Segen für unseren Kaiser und Herrn, den erlauchten Spender und obersten Schirmherrn unserer Freiheit und Rechte. So gesellte sich zu den von unseren Vätern überkommenen lleberliefcrungen angestammter Treue der üderströmende Erguß dankerfüllter Herzen. Geruhen Eure Majestät, die begeisterten Huldigungen unserer Mandanten allergnädigst entgegenzunehmen". Frankreich. Paris, 16. September. Der Gaulois vom 24. August enthält einen, in mancher Beziehung ausgezeichneten Artikel, welcher zuerst das Erstaunen ausdrückt, welches jeder empffnden müsse, wenn er mit unparteiischem Auge betrachtet, in welcher kurzen Zeit die verachteten und mißhandelten Juden sich der Kulturbewegung angeschlossen, deren Resultate sich angeeignet und eine verhältnißmäßig ausgezeichnete, gesellschaftliche Stellung erlangt haben. Er rühmt dann die Gesinnung der Juden, die aus ihren früheren Bedrückungen kein Rachegcfühl, keinen Verdruß, keine Eingenommenheit herübergenommen haben. Er sagt: „die Israeliten kennen keine Rancüne. Ihre Rache ist, vorangekvmmen zu sein, die Verachtung gezwungen zu haben, sich in Achtung zu verwandeln, sich innerhalb unserer Civilisation auszubreiten und die Humanität durch die Künste und die sociale Oekonomie zu befördern. Dies gilt mehr als der Haß, der unfruchtbar und dürre ist." Der unparteiische Beobachter be-

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