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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-28 · Heft 39 (28.9.1880) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 39 (28.9.1880)
Date
1880-09-28
Page
Seite 615 (sequence 7)
Language
German
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ßis b. dem Israelitischen Studien-Beförderungs-Berein für Ost- und Westpreußen, c. dem Israelitischen Waisenhause für Stadt und Provinz zn Königsberg in Pr. seine fortgesetzte Thätigkeit zuwendcn. Zu diesem Zwecke sind die dem Verbände angehörenden Gemeinden verbunden, mindestens jährlich ein Mal kurzgefaßte Berichte beziehungsweise Notizen über die Resultate ihrer speziellen Wirksamkeit, die Zu- und Abnahme der Mitgliederzahl und sonstige örtliche, das Gemeindeleben wesentlich berührende Verhältnisse an den Verbands-Ausschuß zu erstatten. Letzterer ist verpflichtet, das daraus gewonnene Material, kurz und übersichtlich gefaßt, zu Gesammtberichten zusammen zu stellen, diese Berichte zu vervielfältigen und sämmtlichen Mitgliedern des Verbandes zugehen zu lasten, sofern die Geldmittel dies erlauben" lieber die Mitgliedschaft besagt §. 3. Die Mitgliedschaft im Verbände wird durch Anmeldung beim Verbands-Ausschuß erworben. Gemeinden zahlen einen Jahresbeitrag von einem halben Prozent der directen Gemeindesteuer, mit dem Minimalsatz von 15 Mark pro Jahr." „Privatpersonen können außerordentliche Mitglieder des Verbandes werden, wenn sie sich zur Leistung eines jährlichen Beitrags von mindestens drei Mark pro anno verpflichten. Den außerordentlichen Mitgliedern steht kein Stimmrecht in der General-Versammlung zu. tz. 4. besagt zunächst: Die Verwaltung und Leitung des Verbandes liegt einem aus zwölf Mitgliedern des Vereins bestehenden Ausschuß ob, welcher durch die General-Versammlung auf drei Jahre gewählt wird" und giebt dann besondere Bestimmungen für die Leitung der Verbandsangelegenheiten. Die innige Verbindung des Prov.-Berbandes mit dem Gemeindebunde in Leipzig bekundet die wörtliche Hinübernahme der Hauptaufgaben des Gemeindebundcs in das Statut des Specirlverbandes, das Begrüßungsschreiben des Herrn I. Nachod, sowie das von Insterburg an den Bund abgefandte Telegramm. Diejenigen, die hier eine Secession witterten, mögen sich beruhigen. Der vorgerückten Zeit wegen mußte die Berichterstattung des Herrn Sekretär Klein über die Statistik der Synagogen- Gem. der Provinz unterbleiben. Herr Sekretär Klein theilte uns über die Opferwilligkeit unserer Provinzial-Gemeinden mit, daß 55 Gemeinden (36 im Regierungs-Bezirk Königsberg, 19 im Reg.-Bez. Gumbinnen) bei 3000 Mitgliedern eine directe Gemeindesteuer von 150,000 M. aufbringen, also 50 M. durchschnittlich pro Kopf. Den Berathungen folgte ein solennes Mittagsmahl, bei dem auch die Stifter des Verbandes von verschiedenen Seiten, in längeren und kurzen Reden, getoastet wurden. Herr Prediger Weinberg-Insterburg brachte das Hoch auf den Kaiser aus und gedachte der im Kronprinzen erstandenen echten Hohenzollern-Toleranz. Herr cand. phil. Friedeberg trug ein Festgedicht „Ruf an Juda" vor. Eine Ausfahrt nach Karalene beschloß die Feier. — Als erste Thätigkeit des gewählten Ausschustes ist eine Enquöte über das Religionsfchulwesen der Provinz ins Auge gefaßt, welche die Rabbiner vr. Bamberger-Königsberg, Dr. Friedeberg-Tilsit, Dr. Rülf-Memel im Verein mit geeigneten Fachgenosten unternehmen werden. Dresden, 12. Sept. (Privatmitth.) Mit Recht legen Sie ein Gewicht auf die Wirkung, welche die Reumann sche Brochüre über die Fabelhaftigkeit der jüdischen Masseneinwanderung hervorbringe. Tenn es gilt hier keine Widerlegung durch Vernunftgründe, welche die Gegner durch ihre Scheingründe wieder verdrehen können, sondern durch Thalfachen, die mit Zistern belegt find, und zwar Ziffern, die amtlich gegeben sind. Es gilt aber zugleich auch die inora lische Wirkung, daß das große Publikum sich an diesem Beispiele überzeugt, wie übertrieben und unwahr auch die anderen Behauptungen der Judenhaster sind, z. B. von der Herrschaft der Juden in der Presse und im Handel, so daß dieser fanatischen Verfolgung allmälig die Spitze abgebrochen wird. Auch die „Dresdner Zeitung" vom 11. Sept. läßt der gedachten Schrift volle Gerechtigkeit widerfahren. Sie schließt in folgender Weise: „Wir gestehen gern ein, daß wir durch diese Resultate selbst überrascht worden sind; wir sind gespannt darauf, ob eine ehrliche und unbefangene Kritik an denselben etwas zu ändern findet. Wir unseren Theils haben keine Handhabe gefunden, um daran etwas zu berichtigen. Aber selbst wenn sich Herausstellen sollte, daß die jüdische Einwanderung über die Ostgrenze etwas erheblicher sein sollte, als Neumann sie veranschlagt, von einer Masteneinwanderung, die das deutsche Volksthum bedroht, kann nicht die Rede sein. Merkwürdig ist es, wie die Fabel enstehen konnte; merkwürdiger noch, daß sie Aufnahme fand in ein amtliches Werk des preußischen statistischen Bureaus, aus desten Tabellen die Materialien zu entnehmen sind, um diese Fabel zu widerlegen. Es liegt darin eine bedauerliche Nachgiebigkeit gegen kranke Zeittendenzen. Bor vierzig Jahren schrieb Hoffmann, der damalige Tirector des preußischen statistischen Bureaus: „Die auf einer durchaus hinreichenden und zuverlässigen Grundlage angestellten Betrachtungen sind so wenig geeignet, ungünstige Vorstellungen von dem Zustande der Juden zu unterstützen, daß sie vielmehr ein ausgezeichnet rühmliches Zeugniß für ihre Sittlichkeit ablegen." „Merkwürdig" allerdings, jedoch nicht neu. Denn derselbe Hoffmann hatte sich dennoch zu den nachtheiligsten Aeußerungen über die Juden verleiten lasten, bis der Redacteur dieser Zeitung, in gleicher Weise wie jetzt Neumann, ihn in einer Brochüre über seine

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