Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1880)
- Date
- 1880-09-28
- Page
- Seite 614 (sequence 6)
- Language
- German
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614 Judenfeinden bedeuten sollte. Diese, wie jene, sind wohl beides Kundgebungen ohne weitere Folge. Die Redaktion. Köln, 10. Sept. (Privatmitth.) Herr Jacob de Jon ge, Vorsitzender des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde, wurde in einer stark besuchten Volksversammlung einstimmig in das Festkomite zur Dombauseier gewählt. Tilsit, 13. Sept. (Privatmitth.) Der Verband der Synagogen-Gemcinden Ostpreußens. In den letzten Tagen des alten Jahres ist in unserer Provinz eine Schöpfung ins Leben getreten, die, mit Ausschluß aller religiösen Parteifragen, die Wohlfahrt unserer -gegen andere Provinzen sehr zurückstehendcn Gemeinden ins Auge saßt. Wie der Vorsitzende der constituircnden Generalversammlung in Insterbürg am 24. August im Willkommsgruß an die versammelten Gemcindedelegirten hervorhob, ist es das für uns sehr ernste Gesicht der Zeit, das den Verband hervorgerufen. Tie Agitation gegen uns hat selbst in den Indifferenten die Theilnahmc für die bedrängten Stammesgenossen wachgerusen. Gerade in unserer Provinz, die meist kleine Gemeinden hat, deren höchstes Ziel die Gründung eines Lehrerseminars und die Beseitigung der polnischen Melamdim in den Grenzgemeindcn ist, wird ein Provinzial-Berband viel Segensreiches leisten können. Vertreten waren durch Delegine die Gemeinden Allenstein, Bartcnstcin, Gerdauen, Guttitadt, Heilsberg, Labiau, Landsberg, Mohrungen, Rastenburg, Rössel, Wchlau, Zinten, Tarkehnen, Insterburg, Johannisburg, Loetzen, Lyk, Schirwindt, Stallupoenen, Tilsit und Wartenburg. Von Königsberg waren anwesend die Herren Rabb. I»r. Bambcrger und Gemeindesekretär Klein, im Ganzen hatten sich etwa 40 Personen eingefunden. Ten Vorsitz übernahm Herr Stadtrath Floesier-Jnsterburg, zu Schriftführern waren die Herren Sekretär Klein, Tavidsohn-Loetzen und I)r. Hirsch (Zinten) ernannt.! Herr Rabbiner I)r. Bamberger, der sein hervorragendes organisatorisches Talent bei einer Anzahl Institutionen in Königsberg — wir nennen nur das Provinzial-Waifenhans — in höchster Weise zur Geltung gebracht hat, es ist ihm gelungen, in Königsberg das religiöse Leben wieder zu er wecken, ist auch die Seele des Provinzial-Berbandes. Durch persönliche Rücksprache wie durch Cirkulare gelang es, die Vorversammlung in Insterburg und Bartenstein in die Existenz zu rufen. Bald nahm die anfangs etwas problematische Natur des Verbandes Fleisch und Bein an, und Herr l)r. Bamberger konnte in der General-Versammlung seinem Vortrag über „die Ausgabe der jüdischen Gemeinde in der Gegenwart nach innen und außen" die lebhafte Zustimmung der Versammelten gewinnen. Ein Telegirter erbot sich zur unentgeltlichen Drucklegung der Rede. Für heute heben | wir einige hervorragende Einzelheiten heraus. [ Die jüdische Gemeinde hatte einst die dreifache Gestalt als „politische Gemeinde, als „Ortsgemeinde mit communalen und lokalen Interessen" und als „Cultusgemeinde". Heutzutage hat die Gemeinde ihre Aufgabe auf das letzte allein concentrirt, sie ist ein Zibbur. Tie Kehille-Bestimmungen des Mittelalters sind heute noch in Kraft für jede Gemeinde, die sich nicht als bloße Verwaltungsmaschine betrachtet. Die Hauptaufgabe der Gemeinden richtet sich auf Institutionen, cs sind l. Religionslchre, 2. Gottesdienst, 3. der religiöse Geist in den jüd. Wohlthätigkeitsinstituten. Hier kann der Verband die in einer größeren Gesammtheit schlummernden Gcistcsschätze wecken und namentlich den kleineren Gemeinden zu gute kommen lassen. Nach außen gilt es, mitten in einer Menschheit, die scharf kritisch aus unsere Fehler sieht, jeder Anklage entgcgcuzutreten, jede Anklage mit einem Schein von Berechtigung zu beseitigen. Wir haben einen historischen Berus und mehr kann Niemand von uns verlangen, als daß wir unsere Schuldigkeit thun. Der nächste Punkt der Tagesordnung war die definitive Berathung des Statutenentwurfs. Ter §. 1. lautet: „Behufs wirksamer und einheitlicher Förderung ihrer gemeinsamen Interessen, unter Ausschluß aller religiösen Parteifragen, treten die in der Provinz Ostpreußen constituirten Synagogen - Gemeinden zu einem Provinzial - Verbände zusammen. Ter 2 giebt den Zweck des Verbandes an: „Der Provinzial-Verband stellt sich in Uebcreinstimmung mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde zu Leipzig folgende Ausgaben: 1. Wahrnehmung aller gemeinsamen Angelegenheiten in Bezug auf die rechtliche und sociale Stellung der Bekenner der jüdischen Religion und Abwehr von Angriffen gegen dieselben. 2. Gegenseitigen Austausch von Erfahrungen in der Gemeindeverwaltung. 3. Verbefferung des Armenpslegewesens, namentlich Beseitigung der Wanderbettelei. 4. Anbahnung eines einheitlichen oder doch gleichmäßigen Systems der Altersversorgung von Gemeindebeamtcn und der Fürsorge für deren Hinterbliebene. 5. Unterstützung der Bestrebungen der Allgemeinen Israelitischen Allianz, «i. Fürsorge für Fortbestand der Einzelgemeinden, namentlich für Errichtung und Erhaltung ihrer Religionsschulen und Ausbildung von Religionslehrern. Außerdem wird der Verband auch noch, um den besonderen Bedürfnissen der Provinz zu entsprechen, folgenden Angelegenheiten: a. der Begründung der Institution von Wanderlehrern zwischen benachbarten kleineren Gemeinden,