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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-21 · Heft 38 (21.9.1880) · p. Seite 601

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 38 (21.9.1880)
Date
1880-09-21
Page
Seite 601 (sequence 9)
Language
German
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601 ober Kasten alle staatlichen, gesellschaftlichen und materiellen ' Bortheile zukommen lassen will und Andere, wenn sie etwas leisten und erringen, mit Haß und Verleumdung verfolgt. Wenn sich z. B. in den englischen Juden Geist, Talent und Eifer zeigen, wenn eine Anzahl derselben in der Politik und Literatur sich einigermaßen auszeichnen, so können sie gerechter Anerkennung gewiß sein. Als einen kleinen Beweis führen wir einen Artikel des Londoner Sun über die jüdische Presse an. Er sagt: „Die jüdische Preffe ist gewissermaßen etwas Neues hier: vor fünfzig Jahren waren die englischen Juden in der Preffe nicht vertreten und ihre Klagen wurden nur dann dem großen Publicum vorgeführt, wenn sich zufällig ein christlicher j Zeitungsredacteur ihnen geneigt zeigte; die Juden hatten einen breiten Rücken, und Jeder, der die Feder führen konnte, machte sich kein Gewiffen daraus, diese gegen sie zu spitzen: die Zeitungspreffe, die man für den Advocaten des Rechtes gegen den Mißbrauch der Gewalt ansieht, hat immer die Tendenz gezeigt, den Charakter der Abkömmlinge Israels anzuschwärzen. . . Jndeffen allmälig enthüllte sich die wahre Natur der Israeliten ihren Tadlern: man bemerkte, daß sie, wie die übrige Menschheit, Gefühl, Geschmack und Streben besitzen. Nun, nach unserer Meinung hat der jüdische Journalismus am meisten dazu beigetragen, den Keim der Brüderlichkeit zu säen, die jetzt zwischen Juden und Christen besteht, denn durch die jüdischen Blatter, die aus der Mitte der jüdischen * 1 Gemeinden veröffentlicht werden, konnte das Publicum sich eine annähernd richtige Borstellung von dem wirklichen Charakter des jüdischen Volkes bilden." Rußland. Bom Don, 5. September. Ein gerechtes Aufsehen hat der Befehl der russischen Regierung gemacht, durch welchen die Juden aus dem Gebiete der dänischen Kosaken vertrieben worden sind. Daß die Regierung hierzu durch die Forderungen der Kosaken bestimmt worden ist, versteht sich von selbst, aber eben so gewiß ist, daß die Regierung hierin eben nur wieder einmal den eigennützigen Plänen der Kosaken nachgegeben hat, und die Juden hier abermals nur den Prügelknaben abgegeben haben, weil man nicht weiß, was man überhaupt im Kosakenlande thun soll, das grenzenloser Verwirrung anheimgefallen ist, und man doch irgend Etwas thun wollte. Eine Eorrespondenz der Köln. Z. Nr. 247 vom 7. Sept. giebt darüber Aufschluß. Man hat den Kosaken große Vergünstigungen an Rechten und Privilegien im Vergleich zu den übrigen Gouvernements verliehen, und dennoch haben sie keine Fortschritte gemacht. Es heißt in der Eorrespondenz: Im Gegentheil, sie haben alle diese Bedingungen, welche ihren Wohlstand zu fördern berufen waren, nicht auszunutzen verstanden, und wir finden für die gegenwärtig in ihrem Gebiete herrschenden Zustände keinen bezeichnenderen Ausdruck, als wenn wir sie „echt kosakisch" nennen. Der sieggekrönte ofsicielle Feldzug gegen die Juden, deffen Resultat einer thaffächlichen Vertreibung derselben aus dem donischen Gebiete so ziemlich gleichkommt, mag als Charakteristik der Bewohner bezeichnend sein, bei weitem mehr ist dies jedoch die Thatsache, daß die Kosaken sich gegen die Selbstverwaltung des Semstwo erklärt und bei der Regierung um Aufhebung dieser erst vor Kurzem eingeführten Einrichtung nachgesucht haben. Infolge dieses Maffengesuches der Kosaken ist eine Commission zur Prüfung der Sachen des Semstwo im Gebiete ernannt worden. Die Commission hat ihre Arbeit bis auf den heutigen Tag nicht beendigt, und mittlerweile herrschen im Kosakengebiete chaotische Zustände. Die frühere administrative Organisation hat dem Semstwo Platz gemacht und; ist begraben; das Semstwo ist aber völlig ohnmächtig und hat; nicht nur mit der Abneigung, sondern mit der offenen Wider- : setzlichkeit der Kosaken zu kämpfen. Infolge solcher Zustände : geräth das öffentliche Leben in Verfall; Schulen bestehen nur wenige und die find ohne Lehrer; einige Hospitäler haben zwar Apotheken, aber keine Aerzte, bei anderen fehlt es nicht an Aerzten, aber an Geld, um Arzneien zu kaufen. Mit einem Worte: die frühere Organisation ist aufgehoben, die neue, d. h. das Semstwo, künstlich paralysirt — und die Kosaken zahlen weder die laufenden Abgaben noch die Rückstände. Wie lange diese Zustände noch dauern sollen, das weiß überhaupt niemand." — Doch die Commission mußte Etwas thun und dies war denn: die Vertreibung der Juden! Rumänien. Bukarest, im September. (Privatmitth.) Es ist gewiß nicht ohne Interesse zu bemerken, daß der neue Unterrichts¬ und Cultusminister Conta einer derjenigen war, welche in der letzten Kammersesfion am heftigsten gegen die Gleichstellung der Israeliten geschrien hat. Jndeß besitzen die rumänischen Staatsmänner so viel Bersalität, daß der Mann unter günstigen Umständen auch wohl anderer Meinung werden könnte. Als ein günstiges Symptom sieht man an, daß der Stadt- , rath von Jassy durch Beschluß vom 26. August 3 naturalisirte Israeliten, Meyerhofer, Liebowitz und Wortmann auf die Liste der Richter am Handelstribunal von Jaffy gesetzt hat. Bonn, 12. September (Notizen.) Man schreibt uns zaus Tauberbischofsheim: Am 27. August wurde unser hochverdienter Lehrer Max Meier unter allgemeiner Trauer! zu Grabe getragen. Im Jahre 1633 in Baierthal geboren, absolvirte er den Cursus im Lehrerseminar zu Karlsruhe, versah dann die Religionslehrerstelle in Wiesloch, Hegenheim i und Neufchätel, bis er im April 1860 als Lehrer und Vor- | jünger hierher berufen wurde, wo er sowohl durch sein Lehrlatent, (er unterrichtete auch in modernen Sprachen u, s. w. ss

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