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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-21 · Heft 38 (21.9.1880) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 38 (21.9.1880)
Date
1880-09-21
Page
Seite 600 (sequence 8)
Language
German
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600 Wenn wir Eintracht und Treue bewahren, dann können wir vertrauensvoll und zuversichtlich rufen: „Der Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenzen hat! Ein dreifaches Hoch dem Rhein!" Oesterreich-Ungarn. Pest, 5. September. (Privatmitth.) Tie Leser werden sich erinnern, wie vor einem Jahre in Pest eine bedeutende Aufregung entstand, als man erfuhr, daß eine große Zahl Knaben jüdischer Religion bei der "Anmeldung in die Gymnasien (Mittelschulen) abgewiesen wurden, weil die Schulen bereits zu überfüllt seien, und daß der Unterrichtsminister mit dem Plane umgehe, ein ausschließlich jüdisches Gymnasium zu gründen, wogegen alsbald lebhafter Protest erhoben wurde. Einstweilen wurde eine Untere Gymnasialclassc in einem Saale des Landesrabbinerseminars eröffnet, welche jedoch nicht ausschließlich von jüdischen Schülern, sondern auch von christlichen besucht wurde. In diesem Jahre hat sich nun gedachte Calamität wiederholt und in bemerkenswerther Weise hat die Zurückweisung vornehmlich jüdische Knaben betroffen. In einem gründlich und klar abgefaßten Arrikel setzt der „Pester Lloyd" auseinander, daß das Uebel eigentlich in dem Umstande liege, daß die Volksschule der oberen Claffen entbehre, wofür er darin den Beweis findet, daß eben nur die beiden untersten Claffen der Gymnasien überfüllt, die oberen leer seien. Der Artikel schließt „Einen Punkt müssen wir zum Schluffe — so schwer es uns fällt — noch besonders erwähnen, das ist die Behandlung unserer jüdischen Mitbürger in dieser Schul-Affaire. Niemand, der vorurtheilslos uriheilt, kann es wünschen, daß die Juden ein eignes Gymnasium errichten, — die Gebildeten unter den Juden wünschen es am allerwenigsten. Die Geldfrage spielt hier durchaus keine Rolle. Wollte Gott, unsere christlichen Mitbürger opferten mit solchem Eifer und so selbstloser Freude für die Erziehung ihrer Kinder wie die Juden! Das evangelische Gymnasium hat das Schulgeld für die Schüler anderer Confessionen verdoppelt und doch suchen die Juden gerade diese Schule mit Vorliebe auf, weil sie sich mit Recht eines vorzüglichen Rufes erfreut. Aber man will keine jüdische Mittelschule, weil man keine Separation der Confesfionen tviü, — darin sind Juden und Christen einig. Was hat es nun für einen Sinn, die jüdischen Schüler und Eltern bei den Einschreibungen so zu behandeln, wie es seit zwei Jahren geschieht '? Sind sie weniger Staatsbürger als wir Christen? Zahlen sie weniger Steuern, weniger Schulgeld als wir? Man sagt die hauptstädischen nicht-protestantischen Gymnasien seien aus dem Studienfond erhalten — wohl; doch wer hat bewiesen, daß der Studienfvnd rein katholisch und strikte zur Erziehung katholischer Kinder bestimmt ist? Und wenn das bewiesen würde, tritt nicht an den Staat die Pflicht heran, für die Heranbildung seiner Bürger, ohne Rücksicht auf deren Bekenntniß, zu sorgen? Es widersteht unserem Geschmack, diese Angelegenheit, welche uns im Jnlande soviel Hader und im Auslande so wenig Ehre einträgt, des Weiteren zu behandeln. Es wäre auch schon genug geklagt, nun heißt es schließlich handeln, und zwar nach einer doppelten Richtung hin. Bor allem muß dem augenblicklichen Schulbedürfnisse Rechnung getragen werden, — dann aber muß in energischester Weise dafür gesorgt werden, und zwar bei Zeiten dafür gesorgt werden, daß sich nicht nächstes Jahr abermals Zustände wiederholen, die eines modernen Staates einfach nicht würdig sind und nur dazu dienen können, die Gemüther zu erbittern. Bor Allem aber müssen wir energisch wünschen, daß die Regierung sich genau über die Lage der Tinge unterrichte und einen statistischen "Ausweis über die Zahl der aufgenommeneu und der vorläufig zurückgewiesenen Kinder verfertige. Erst auf dieser Grundlage wird sich objectiv entscheiden lassen, ob die eventuelle Errichtung eines Unteri Gymnasiums nothwendig sei." In Groß-Kikinda (Ungarn) wurde am 2. d. M. die neue Synagoge und das Schulhaus durch Herrn Oberrabbiner Eh-. Jmanuel Löw aus Szegedin eingeweiht. Die Glocken sämmtlicher Kirchen wurden geläutet, die Geistlichen aller Confessionen und sämmtliche Behörden wohnten der Feier bei. Die Pester isr. Kultusgemeinde verweigerte, wegen Unterlaffung der Circumcision, die Jmmatriculirung des neugeborenen Sohnes eines hiesigen Bürgers mosaischer Religion, wogegen dieser an den Kultusminister rekurrirte. — In Erledigung dieses Rekurses hat der Minister in Hinblick darauf, daß die Circumeision ein religiöser Akt sei, der außer dem Wirkungskreise der politischen Behörde liege, den Magistrat einfür allemal dahin verständigt, den Vater des betreffenden Kindes zu verhalten, daß er die Geburt desselben bei der Stadtbehörde anmelde und daß diese das Duplikat des über diesen Akt aufgenommenen Porotokolls wegen Evidenzhaltung, beziehungsweise Jmmatrikulirung an die betreffende Kultusgemeinde zu senden habe. Großbritannien. London, im September. Wenn man den Ursachen nachforscht, durch welche die englische Nation eine, ihren numerischen Verhältnissen nach so überragende Stellung in der Völkerfamilie erlangt hat, so wird man die Tendenz derselben hervorheben müffen. Alles zu würdigen und anzunehmen, was an intelligenten und materiellen Kräften sich in ihrem Schoße oder von Außen her darbot. Bei ihr findet nicht jener Neid, jene Mißgunst statt, welche nur gewiffen Claffen

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