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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-21 · Heft 38 (21.9.1880) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 38 (21.9.1880)
Date
1880-09-21
Page
Seite 599 (sequence 7)
Language
German
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59H zu lautem, kräftigem Ausdruck. Da jauchzen die Herzen voll Freude und Dank, gedenken sie des ehrwürdigen Geistes der Familie, des greisen Vaters, der schirmend und schützend waltet ob des Hauses Ehre und Wohl." „Ein solch schönes Fest feiert heute die Familie des deutschen Volkes in allen Gauen des Vaterlandes; und freudig ertönte aus unseren Herzenstiesen das Hoch aus unseren Kaiser, den Vater des Vaterlandes, der im Kampfe und im Frieden des Reiches Wohlfahrt uud Ehre wahret und fördert; und freudig ertönte unser Hoch aus unseren Großherzog, der so wesentlich zu dem Ruhmestage der deutschen Nation mitgewirkt." „Aber bei solchen Familienfesten gedenkt man auch desjenigen theuren Familiengliedes, das mit Liebreiz und Anmuth geschmückt, durch tüchtige Leistungen hervorragend, dennoch den Familiengliedern vielfach schwere Sorge, tiefes Leid verursucht hatte, da es oft in Gefahr gewesen, dem Familienkreise für immer entrissen zu werden." „Welches deutsche Herz schlägt nicht höher in Freude und seliger Wonne bei dem Gedanken an das kräftige Alpenkind, den schönen, herrlichen Rhein, schön durch den Fleiß und die Tüchtigkeit seiner Anwohner, durch deren Leistungen in Kunst und in Dichtung, in Betriebsamkeit und Wissenschaft, wie in Behauptung der Bürgersreiheit. Unser ganzes Herz- und Gemüthsleben ist mit diesem Strom auf's Innigste verwachsen; von ihm singen des Volkes uralte Lieder, Zeugniß gebend von der Tiefe deutschen Gemüthes in Liebe und Treue, kundgebend, daß die werthvollsten Schätze nicht die sind, um welche man die Reinheit des Herzens aufgibt, Schätze, um welche wohl Riesen und Dämonen ringen mögen mit List und Betrug, daß der wahre Nibelungenschatz ist die Innigkeit der Liebe und Treue in den Familienbanden, die Innigkeit und Treue zwischen Fürsten und Volk, kundgebend, wie der geringste Bruch der Treue das tragische Geschick des sonst edlen Helden herbeiführt" „Aber wie oft war dieser liebliche Rheinstrom ein Gegenstand der Sorge, des Kummers und Schmerzes für den Baterlandssteund". - „Als der deutsche Kaiser am Rheine die Brunnen gebrauchte, da brach plötzlich der französische Herrscher den Frieden, um das Kind dem Vaterhause zu rauben. Aber mit Einmuth und Kraft scharten sich um den deutschen Herrscher die Fürsten und Völker Deutschlands und jagten den Feind in seine Hauptstadt zurück. Haben wir es nicht selber erlebt? Und doch ist es eine alte, eine uralte Geschichte. Neunhundert Jahre sind's, da pflegte der jugendliche Kaiser Otto II. in Aachen der Erholung, als Lothar IV von Frankreich mit Bruch des Friedensvertrages den Ueberfall wagte. Und nach neunhundert Jahren wiederholt sich, fast bis auf die Einzelheiten, das Gleiche; nur daß diesmal. an der Spitze der deutschen Völker ein Greis in Jugendfrische einherzog, die heimischen Fluren vor dem Feinde wahrend, und was in unheilvoller Zeit verloren gegangen, dem Vaterhause wieder zuführend. Ihr habt ihn ja damals jubelnd begrüßt, den Heldengreis, unseren jetzigen Kaiser, als er hier im Schlöffe unseres Großherzogs, im deutschen Hause, den Bewohnern von Mainz sich gezeigt. Wie war der Anfang des Kampfes schon so erhebend; da nicht mehr, wie sonst, der Feind verheerend den deutschen Boden betrat, sondern der deutsche Herrscher, mild und wohlwollend, auch im besetzten Feindeslande für Ordnung und Sicherheit sorgte". „Und wodurch wurden so schöne Ergebnisse erzielt, wie sie der Ausgang des Kampfes uns brachte? Durch die Einigkeit und Treue der deutschen Fürsten, des deutschen Volkes. Zu Schanden ward des Feindes Rechnung aus Zwietracht im deutschen Volke; nur in dem Streben eines Jeden, durch tüchtige Leistungen sich des Anderen würdig zu Zeigen, bestand der edle Wetteifer". „Und Einigkeit und Treue wollen wir auch fernerhin bewahren. Die wirken nicht zum Wohl des Volkes, welche Haß und Zwietracht säen zwischen den verschiedenen Classen des Volkes, zwischen den Bekennern verschiedener Religionen". „Als man zum Befreiungskämpfe ausgezogen, als man vor zehn Jahren zur Bertheidigung des Vaterlandes die Waffen ergriffen; da fühlte jeder der Kämpfenden sich als Deutschen, gewillt, seine Pflicht im vollsten Maße zu erfüllen. Ob Protestant, Katholik, Jude, Jeder fühlte sich von Religion und Pflicht getrieben, als verantwortliches Glied des großen Ganzen. Da hörte man nicht jene schrillen Töne der Zwietracht und des Haffes. Da sagte man nicht zu Jenen, deren Väter vor 200 Jahren aus Frankreich getrieben, für die freie Uebung ihres Glaubens am Rhein, in Franken, in Hessen, in Preußen gastliche Aufnahme gefunden; da sagtes man nicht zu deren Enkel: ihr seid Fremde, träger fremländische Namen. Menschen, die für ihre Ueberzeugung Haus und Acker und Alles hingeben, woran die Seele hängt, geben wesentliche Stärkung und Kräftigung dem Staate, der sie aufnimmt; wie viele dieser fremdländischen Namen haben dem deutschen Volke Ruhm und Ehre gebracht. Jene fremdklingenden Namen sind unter den schönsten Ruhmesdenkmalen, dem deutschen Volke errichtet. Weisen wir daher energisch die Versuche ab, die Glieder einer Nation, deren gemeinsames Wirken dem Vaterland Noth thut, in ihrem Heiligsten, in ihrer Religion zu kränken, oder ihre Gesinnungen zu verdächtigen. Im Frieden gilt es, die Eintracht zu pflegen, die Zwietracht zu bannen, damit die Zeit der Gefahr uns einig finde. „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen und Gefahr".

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