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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-21 · Heft 38 (21.9.1880) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 38 (21.9.1880)
Date
1880-09-21
Page
Seite 598 (sequence 6)
Language
German
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ch aft und der Landrath des Kreises Niederbarnim, Herr Scharnweber. In der Bethalle geschah die Weihe. Der stimmungsvolle Raum, dessen Wände noch der malerischen Ausschmückung harren, wies in seiner Apsis den ernsten Schmuck von Palmen und Cyprefsen auf, in deren Mitte ein Predigerpult aus Ebenholz sich erhob. Das dichte Laub der Pflanzen entzog den Sängerchor und die kleine Orgel den Blicken der Versammelten. Justizrath Meyer eröffnete den feierlichen Act durch eine längere Ansprache, in welcher er der Verdienste aller an der neuen Friedhofsanlagc Betbeiligten in warmen Worten gedachte, insbesondere der hervorragenden Thätigkeit des Baumeisters Licht, der die Pläne geliefert hatte. Der Redner legte Zeugniß ab von dem Geiste der Einmüthigkeit und des Friedens, der die Gemeinde beseele, er habe das Werk fördern helfen, das heut seinen äußeren Abschluß finde. Er gab der Hoffnung Ausdruck, das in Zukunft die Mehrzahl der Begräbnißfeierlichkeiten, anstatt wie bisher in den Trauer- Häusern, in dem feierlichen Raume sich vollziehen werde, der die heutige Versammlung vereinigte. Und so möge denn — so ungefähr schloß derselbe — dieser Friedhof, den wir heute zu weihen gesonnen sind, nicht nur als eine Stätte der Trauer angesehen werden, sondern er möge auch unter der Gemeinde das Gefühl des Friedens verbreiten und die Hände Aller über den künftigen Gräbern zur Eintracht vereinen." An die Worte des Vorsitzenden schloß sich der Weihgefang. Tie ausgezeichnete Akustik der Halle erhöhte die ergreifende Wirkung der schwermüthigen Klänge. Nachdem diese verhallt waren, betrat Rabbinats-Affesfor Dr. Frankl die kleine Kanzel zur eigentlichen Weihrede. Die von philosophischen Geist durchdrungene Ansprache, welcher die Sätze zu Grunde lagen: „Das Geschlecht ehrt sich selbst, das feine Todten ehrt," und „Tie geboren werden, ihrer harret der Tod, und welche sterben, derer harret das Leben," machte auf alle Anwesenden einen bedeutenden Eindruck. Ihr folgte ein Chor in deutscher Sprache und diesem ein feierliches Gebet des Rabbinatsassessors Dr. Ungerleider, der den Segen des Himmels auf den Kaiser, sein Haus, auf das Reich und die Stadt, und auf Alle, welche das geweihte Werk gefördert haben, herabflehtc. Damit hatte die Feier ihr Ende erreicht. Tic sodann erfolgte Besichtigung des Friedhofes ließ allseitig das Ergebniß gewinnen, daß die Anlagen, wie wir sie bereits ausführlich geschildert haben, in ihrer Art mustergiltig find. Stöcker begann schon wieder feine jndcineindlichen Reden in seiner „christlich-socialen Arbeiterpartei". Es wurden aber nur Mitglieder und von diesen eingeiührte Gäste zugelaffen. Es wä'.e gut, wenn die Zeitungen gar keine Notiz von ihm nähmen. Die Broschüre des Dr. S. Neumann, welche die „Maffeneinwanderung der Juden von Osten" als eine böswillig erfundenen Fabel erweist, (s. Leitart.) — macht überall den besten Eindruck. Ihr widmet auch die „Nat. Ztg." Nr. 418. einen eingehenden Leitartikel. Bonn, den 8. Sept. (Privatmitth.) Unser Leitartikel in Nr. 29 über das nordamerikanische Judenthum hat dort einige Erregung hcrvorgebracht, und die jüdische Presse zögerte nicht, diese in lebhafter Weise auszusprechen. Gern bemerken wir, daß was uns von diesen Entgegnungen zugekommen, wie im Jewish Advance, „Zeitgeist", der Form nach durchaus anständig und höflich gehalten ist. Hingegen dem Inhalte nach vcrräth sich eine Bitterkeit, eine Schärfe des Uriheils über die dcuffchen Juden, die zu ganz ungerechtfertigten Urtheilen verleitet. Hierbei kommt den Abfassern nicht die gewöhnliche Entschuldigung zu Gute, daß sie in dem betr. Lande fremd feien, also die wirklichen Verhältnisse nicht aus eigener Anschauung kennen. Wir selbst müssen diese Entschuldigung, die uns in den Erwiderungen entgegnet wird, für den gedachten Leitartikel ablehnen, da derselbe zu einem großen Theile, wie ausdrücklich bemerkt worden, aus der Feder eines amerikanischen Rabbiners, eines Mitgliedes der Versammlung zu Detroit, geflossen ist, der also mit den thatsächlichen Zuständen sehr wohl bekannt ist. Wir wollen aber in einen weiteren Streit über diesen Gegenstand uns nicht einlassen, da ein solcher völlig zwecklos ist und zuletzt nur zu Persönlichkeiten führen könnte. Thut doch z. B. der Vers, der einen Erwiderung, als ob in Deutschland nur das eine Rabbiner-Seminar in Breslau bestände, das von dem eben begründeten zu Cincinnati bereits überflügelt wäre; ein anderer Art. zeiht die deutschen Gemeinden und Rabbiner der religiösen „Heuchelei", und beide machen der deutschen Judenheit Vorwürfe, wie man sie nur dem amerikanischen Humbug Nachsehen kann. Wir machen diese Bemerkungen nur, damit unsere amerikauischen Glaubensgenossen nicht meinen sollen, wir antworteten nicht, weil wir es nicht könnten. Möge der edelste Wettstreit, der lauterste Eifer hüben und drüben wirksam fein und die günstigsten Resultate zeitigen. Die Redaktion. Mainz, 3. September. (Privatmitth.) Bei der diesmaligen Feier des Sedantages in hiesiger Stadt ersuchte das bezw. Eomite auch den Rabbiner Dr. Fürst eine Rede zu halten und zwar mit einem Toaste auf den Rhein. Das Wesentliche dieser Rede brachte die „Mainzer Zeitung" vom 4. Sept. in ihrem Berichte über das Fest. Gerade einige recht bezeichnende und für die Gegenwart heilsame Sätze ließ sie aus. Da die ganze Rede, wie sie von einem Rabbiner gehalten, ein echtes Zeugniß deussch nationaler Gesinnung ist, sind wir Herrn Dr. Fürst dankbar, daß er uns in den Stand gefetzt, feine Worte hier vollständig wiederzugeben.! „Geehrte Festversammlung'. Wenn die Glieder einer Familie sich zu fröhlichem Feste vereinen, so kommen die Empfindungeu, die sonst ruhig und still die Herzen durchströmen.

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