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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-14 · Heft 37 (14.9.1880) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 37 (14.9.1880)
Date
1880-09-14
Page
Seite 587 (sequence 11)
Language
German
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587 Israel Levi erlitten, der, ein Helfer der Armen und Nothleidenden, lange Zeit, als Mohel unentgeltlich fungirte und jetzt der Gemeinde ein Stück Feld zur Erweiterung des Friedhofes im Werthe von 5C0 M. geschenkt hatte. Dagegen! müssen wir mit hartem Tadel bemerken, das; das Borsteheramt beschlossen hat, der Wittwe des hochverdienten Rabbinen > Hilb keine Pension zu zahlen, weil sie 3000 M. von der Lebensversicherung erhalten hat; als ob diese Frau von dem geringen Zinserträge dieser Summe leben könnte. Möge das Borsteheramt sich bald eines Anderen besinnen! Bonn, 2‘J August. ^Literariche Notizen.) Tie Gesellschaft für jüdische „Studien", die sich, wie wir bereits wiederholt berichtet haben, in Paris gebildet hat, hat nunmehr ihren Berwaltungsrath aus t'l Mitgliedern gebildet und zu ihren Vorsitzenden den Baron James Eduard von Rothschild gewählt. Ihre Vierteljahrschrist wird am I. Setober d. I. zum ersten Male erscheinen. Birnbaum, im Sept. (Literarische Notizen.) Es dürste gewiß mißlich, ja, sonderbar erscheinen, wenn man sich bemüßigt sieht, in einer den jüdischen Ritus betreffenden Frage einen christlichen Laien gegen einen jüdischen Fachmann in Schntz zu nehmen. Und doch ist dies heute der Fall. Ter königlich-sächsische Hofkircheumnsik-Tireetor Hr. Prof. Emil Naumann in Dresden äußert sich in seiner „Jllnstrirten Musikgeschichte", die altjüdischen musikalischen Jnnrninente besprechend, über den Schofar: „Seine am Neujahrslage und Bersöhnungstage ertönenden Signale pflegt man nach bestimmten Porschristen auszusühren." In seiner Besprechung dieses Werkes in Nr. 3.5 Ihres gesch. Blattes lneint der Recensent, daß das Wort „BersöhnungStag" irrthüm lich hier hinzugefügt wäre. Uild doch hat Prof. N. Recht. Er meint nämlich die "T“, welche am Schluß des Neilah-Gebete» in allen Synagogen ertönt, woran der H. Recensent vergessen zu haben scheint. Dm. D. D.1) 0 Der betreffende Recen'eut ist einer unsrer gelehrtesten Rabbiner, und kann schwerlich bei seiner Bemerkung jener Thetiah nach dein Schlußgebcl des Bersöhnungsrages vergessen haben. Aber sie findet eben nicht am BersöhnungSlagc selbst, sondern nach dessen 3d)Inf; statt. ' ' Redner. Keuilleton. Die Juden in Bagdad. Bon Morris tzohea.! Schluß. In diesem Jahre war die Armuth in Bagdad ungeheuer. groß. In jedem Stadttheil sah man Menschen, die nach; Brod schrieen. Tann und wann wurde an die Thür ge-; klopft, es war ein armer Mann oder eine Frau, die um . Brod baten. Wenn ein Bettler auf seinen Rundgängeu eine Thür offen findet, tritt er hinein, setzt sich in den Durchgang oder sogar aus den Hof und verweigert, nach Haus! zu gehen, bis ihm eine Unterstützung gegeben ist. Bettler erhalten zuweilen ein ganzes oder halbes Stück Brod. manchmal einen Farthing oder Halfpenny. Ihre Zahl ist jedoch so groß und ihre zudringlichen Forderungen sind so häufig, daß s die Leute ganz gleichgültig gegen ihre Klagen werden. Ein! großer Zustuß von Armen kommt aus Persien und Kur-! distan. Augenblicklich scheinen die Armen schnell zuzunehmcn, da durch das Ausbleiben des Regens viele Nahrungsgcgenstände um 500 Procent gestiegen sind. Es ist wahr, daß jene ungeheuren Subscriptionen, die bei Gelegenheit in Europa für die Armen veranstaltet werden, hier nicht erhoben werden können; aber ebenso ist es wahr, daß das Mitgefühl nur einen sehr geringen Antheil bei der Ausübung der Barmherzigkeit hat. Ein Theil des Geldes, das aus der Steuer auf das jüdische Fleisch fließt, zusammen mit einigen Subscriptionen, bilden den Fond, aus welchem die Annen unterstützt werden. Ein Comitä aus zwölf jüdischen Städten hat die Verpflichtung, Fonds zu erheben, um Juden vom Militärdienst zu befreien. Daffelbe Comitebesaßt sich in Etwas mit den Angelegenheiten der Armen. Gewöhnlich genügt das Einkommen von der Fleischsteucr zusammen mit einigen Privatbeiträgen, die dringendsten Bedürfnisse der Armen zu befriedigen, da man für einen Halfpenny schon für einen Tag Brod kaufen kann. Dieses Jahr jedoch, in Folge der großen Dürre, wurde es nothwendig, dringende Ausrufe an die Wohlhabenderen ergehen zu lasten. Tie zwölf Mitglieder des Comitä's, von welchen man voraussetzt, daß sie die bezüglichen Verhältnisse der jüdischen Städtebewoyner aus persönlicher Kcnntniß oder anderweitig kennen, schätzten die Hiöthigen Beiträge ein. So wurde eine Summe von lioo! L. Sterling gesammelt, welche in kleinen Portionen veribeilr wurde. Einer der Städter, welcher verweigerte, die Höbe des Betrages, zu dein er eingeschätzt worden, zu zahlen, wurde vor die „Zwölfe" gebracht und schließlich erconimnnicirr; doch da eine Exeommunicatiou sehr gefurchter wird, braucht sie selten ausgesprochen zu werden. Tie Ursache . des oftmaligen Verweigern» kommt von der Ungerechtigkeit! her, mit der die Steuer erhoben wird. Viele reiche ttauf-! teilte, welche Freunde unter den „Zwölfen" haben, erlangen j zu ihren Gunsten eine Reduction, während Andere für wohli habender angesehen werden als sic wirklich sind und über ihre Mittel besteuert werden. Ans diese Weise wird eine 1 Summe Geldes gesammelt und jede» Mitglied der Zwölf kommt au die Reihe, einige Halfpenny'» unter die Armen! zu vertheilen, welche sich in einem bestimmten Medrasch an

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