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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-14 · Heft 37 (14.9.1880) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 37 (14.9.1880)
Date
1880-09-14
Page
Seite 584 (sequence 8)
Language
German
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584 wirkten erbauend und begeisternd. Abends war Feftbanket, bei dem es an Toasten nicht fehlte. Aus Ungarn, im September. In Baja (Ungarn) wurde nach einer sechsjährigen Amtsperiode unser Glaubensgenosse Herr Dr. Hauser zum Bürgermeister einstimmig wiedergewählt. — Die „N. Araber Ztg." berichtet: Dem in Arad in ärmlichen Verhältnissen lebenden Israeliten Jakob W olstor wurde am 18. August ein Knäblein geboren und benützte der erfreute Vater den Umstand dazu, um stch an Se. Majestät den König mit der Bitte zu wenden, Allerhöchstderselbe möge geruhen, bei dem am fünfzigsten Geburtssest des Monarchen erschienenen neuen Weltbürger die Pathenstelle zu übernehmen. Und der Mann hatte auf das gute Herz des Landesvaters richtig speculirt, denn gestern erhielt er aus dem Bürgermeister Amt im Aufträge der Cabinetskanzlei als Zuschuß zur Erhaltung des kleinen isr. Franz Josef 30 fl. ausgezohlt. Die Freude und der Dank des armen Mannes, der sich nur mittelst Gehörrohres verständigen kann, waren groß. Belgien. Brussel, 2. Sept. (Privatmitth.) Unter den vielen „internationalen Congresten" welche hier bei Gelegenheit der Nationalfeste getagt, fand auch eine Versammlung der Freidenker (lidres - penseurs) statt. Im westlichen Europa versteht man darunter etwas ganz Verschiedenes, als wir in Deutschland unter „freisinnig" begreifen, und diesen Unterschied darf man sich von den „frommen" Blättern nicht escamotiren lasten. In Deutschland ist der gottgläubige Denker „freisinnig" : der libre-penseur hingegen ist ein ausgesprochener entschiedener Atheist, und zwar ein unduldsamer, meist von demselben Fanatismus für feine Ansichten beseelter, und darum der eifrige Feind aller Gotteserkenntniß und Religion. Als daher in einer der Sitzungen dieses Congrestes ein deutscher Redner meinte: die Religion habe doch auch manches Gute geschaffen, fiel er damit völlig durch und rief einen Sturm der Entrüstung hervor. Um so mehr Beifall erntete, wer sich so recht in Blasphemien erging. Dies ist es aber auch, was der Versammlung den Charakter des Ernstes und der Würde völlig entzog, so daß man mehr in ihr die Zusammenkunft radicaler und wohl auch politischer Streber erkennen mußte, als eine Versammlung von Denkern und Forschern. Eine gewiste Befriedigung bereitete es uns, daß unter den Mitgliedern dieses Congrestes keine Juden sich befanden; unter den Rednern gewiß nicht. Diese Thalsache kommt freilich den Ultramontanen nicht gelegen, ihnen, die in Deutschland den antireligiösen Geist in frechster Weise den Juden zuschreiben. Sie werden sicherlich dieses Factum verschweigen. Frankreich. Paris, 26. Aug. Bekanntlich waren jüngst die ftanzösischen Generalräthe versammelt. Im Generalrath der Rhonemündung wurde Bedarride und in H^rault wurde Lisbonne zum Präsidenten gewählt — also zwei Israeliten. — Der Kriegsminister hat auf Wunsch des Großrabbinen an alle commandirende Generäle ein Circulär erlasten, in welchem er ihnen die Beachtung des Circulärs vom 10. Oct. 1874 befiehlt, nach dem den Soldaten protestantischen und jüdischen Glaubens an ihren religiösen Festtagen die Erlaubnis gegeben werden soll, dem Gottesdienste ihrer Confession beizuwohnen, und daß sich die Generäle von den Pastoren und Rabbinen die bez. Tage anzeigen lasten sollen. Allen Offizieren soll bekannt gegeben werden, daß sie die geforderte Dienstbefteiung an den gedachten Tagen zu ertheilen haben. — Baron James v. Rothschild hat in Lerelc-sur Mer ein neues Landhaus erbaut. Bevor er es mit seiner Familie bezog, ließ er darin vom Großrabb. Zadoc Kahn eine gottesdienstliche Feier abhalten. Nach den Schluß derselben erschienen der Maire, die Lehrer und Lehrerinnen, Laien und Congregationisten, mit ihren Schülern und Schülerinnen, um Herrn und Frau Baron Rothschild für die Wohlthaten zu danken, die sie ihnen seit langer Zeit gewähren. Nußland. Petersburg, im August. Die Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung und Wiffenschaft unter den russischen Juden, deren Vorsitzender Baron Horaz Günzburg ist, hat ihren Bericht über die Jahre l878 und 1879 veröffentlicht. Ihr wesentliches Mittel ist die Gratisvertheilung von hebräischen Zeitschriften und russischen Büchern an die Schulen, Bibliotheken, Rabbiner und Lehrer, um auf diese Weise die Aneignung von Kenntnisten und Bildung zu erleichtern und zu gleicher Zeit dazu anzureizen. Die Gesellschaft zählt jetzt 349 Mitglieder, und wo die Mittel nicht ausreichen, hilft die Freigebigkeit des Präsidenten nach. Tuckuur (Kurland), 8. August. (Privatmitth.) Anbei übersende ich Ihnen Nr. 175 und 176 der in Riga erscheinenden „Zeitung für Stadt und Land", in welcher ich einen Artikel zur Abwehr gegen einen Bericht im (officiösen) „Bereg", den auch die gedachte Zeitung wiedergegeben, veröffentlicht habe, und von dem Sie vielleicht in der A. Z. d. Jud. Notiz nehmen, da derselbe in kurzen Zügen unsre Lage in Rußland darstellt. Schulvorsteher I. Levinsohn. Der Correspondent des „Bereg" weiß aus „denjenigen Gegenden Rußlands, wo die Juden am dichtesten zusammcnsitzen, wie namentlich im südwestlichen Gebiet" detaillirt zu erzählen, wie die dortigen Juden durch Verstümmelungen, Bestechungen rc. sich der Militärpflicht entziehen.

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