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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-14 · Heft 37 (14.9.1880) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 37 (14.9.1880)
Date
1880-09-14
Page
Seite 583 (sequence 7)
Language
German
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583 den eingeräumt. Alljährlich findet in Gegenwart -es Kreisschulinspectors und der städt. Schul-Deputation eine öffentliche Prüfung in den jüd. Religionsfächern statt. — Bon der von Ihnen erwähnten staatl. Beihülfe von 3ü00 Mark, werden 1000 Mark der städt. Bolksschulkasse zugeführt. Die jüd. Gemeinde zählt 60 Familien. Stern, Lehrer. Bayreuth, l. September. (Privatmitth.) Die „Germania" vom 30. August enthält einen Artikel den sie „Zur Fudenherrschaft" betitelt. Man erwartet natürlich irgend etwas Schreckliches, das die Herrschaft der Juden über das deutsche Reich documentirt. Es ist übrigens weiter nichts, als daß der Magistrat zu Bayreuth den Viehmarkt vom 6. September, dem jüdischen Neujahrsfeste, auf den 8. auf Gesuch einiger israelitischer Handelsleute verlegt hat. Ist dies nicht eine unerträgliche Judenherrschaft?! Schade nur, daß die Juden diese Herrschaft bereits vor 100 und 200 Jahren ausübten, ohne daß daraus der geringste Schade entstand. Tie Sache liegt nämlich ebenso im Bortheil der christlichen Viehbesitzer, wie der jüdischen Viehhändler. Bekanntlich hat der deutsche Reichstag etwas mehr Bedeutung als der Bayreuther Viehmärkt, und Niemand findet, wenn der Reichstag an einem katholischen Feiertage keine Sitzung hält, hierin eine „Katholikenherrschaft," sondern nur eine natürliche Billigkeit und Rücksichtnahme. Wir würden hiervon gar keine Erwähnung thun, wenn es nicht zu charakteristisch wäre, wie weit der Fanatismus die Verblendung bis ins Kleinste treibt! Oesterreich-Ungarn. Wien, im August. Die Israelitische Allianz zu Wien beabsichtigt, mit dem Beginne des neuen Schuljahres eine Lehranstalt zur Ausbildung von jüdischen Religionslehrern zu eröffnen. An derselben sollen wöchentlich während 10 bis 12 Stunden Borträge gehalten werden über Religionslehre, Bibel-Exegese, hebräische Sprache, Mischna, Talmud, jüdische Geschichte und Religions-Philosophie. Ter vollständige Lehrcursus ist auf vier Jahre berechnet. Als ordentliche Hörer können nur ordentlich immatriculirtc Hörer der Universität, der Präparandie und des Pädagogiums zugelaffen werden, jedoch können mit besonderer Bewilligung des für die Ueberwachung der Anstalt eingesetzten Curatoriums auch Mittelschüler der siebenten und achten Claffe an dem Unterrichte theilnehmen. Mittellosen, mit guten Zeugnissen ausgestatteten Hörern der Anstalt werden nach Thunlichkeit und nach Verdienst Stipendien ertheilt werden. Aspiranten, welche einer der bezeichneten Kategorien angehören, werden aufgefordert unter Beibringung ihres Maturitäts-Zeugniffes, respective eines Zeugniffes über den Besuch der Universität, der Präparandie, des Pädagogiums, der siebenten oder achten Elasse einer Mittelschule, sowie eines Zeugnisses über ihren religiösen und sittlichen Lebenswandel ihre schriftliche Meldung unter Angabe ihrer Adresse bei dem Präsidium (I. Himmelpfortgaffe 17) bis zum 1. September d.J. einzureichen. Aus Galizien, im August. Die Gemeinde zu Lemberg hat einen schweren Verlust durch den Tod des Dr. Emanuel Blumenfeld, K. Raths, Landes- und Gerichtsadvokats erlitten, der lange Zeit Vorsteher der israelitischen Gemeinde und Jnspector der israelitischen Volksschulen in Lemberg gewesen. Bor zwei Jahren hatte er unter allgemeiner Theilnahme fein 50jähriges Doctorjubiläum gefeiert. Ein Vorbild in seinem Berufe, ein Führer der fortschrittlichen Partei, war er zugleich ausgezeichnet durch seine schlichte und aufrichtige Frömmigkeit. — Am 25. Juli brannte das ausschließlich von Juden bewohnte Städtchen Klasno bei Wiliczka gänzlich ab, wodurch 83 Familien völlig an den Bettelstab und in das größte Elend gekommen. In hohem Grade wird das wohlthätige Benehmen des Vorstehers I. S. Perlberger, der, soweit es seine Mittel erlaubten, Brod, Kleider und Geld austheilte, gerühmt. Unter deffen Vorsitz hat sich ein Eomit.- gebildet, um Spenden in Empfang zu nehmen. Aus Galizien, im September. Der Vorstand der israelitischen Culrusgemeinde von Stanislau in Galizien hat einstimmigbeschloffen, an dem Empfangedcs Kaisers Franz Joseph am Bersöhnungstage sich corporativ zu betheiligen und die israelitische Bevölkerung durch Plakate aufzufordern, die Morgengebete um 7 Uhr früh zu beendigen und im Bahnhofe zahlreich zu erscheinen, wo der Rabbiner mit der Thora an der Spitze der Cultusvorsteher den Kaiser begrüßen wird. Agram, 1. September. (Privatmitth.) Zum ersten Male wurde in Kroatien ein Jude als Abgeordneter gewählt! In Rasca, in der Belovarer Gespanschaft, fannämlich vorgestern die Wahl eines Abgeordneten statt. Die Einwohner des Bezirkes zählen ihrer Mehrheit nach zum griechisch-orientalischen Glauben; trotzdem war er bisher durch einen katholischen Pfarrer vertreten, der vor einigen Monaten starb. Ein neues Zeichen seiner Borurtheilslosigkeit gab der Bezirk, indem er den Kaufmann und gewesenen Gemeinde- Vorstand Hrn. Josef Singer, einen Juden, zum Deputirten wählte. Hr. Singer nahm heute seinen Platz auf der äußersten Linken ein. Stcinamanger, 30. August. (Privatmitth.) Die hiesige Eongreß - Gemeinde beging heute das schöne Fest der Einweihung ihres neuerbauten Tempels. Bischof Szab", viele Ordenspriester, sämmtliche Notabilitäten der Stadt und viele Gemeinde-Deputationen wohnten der Feier bei. Die ungarische Festpredigt hielt Hr. Dr. Jmanuel Löw aus Szegedin; außer ihm sprachen noch der hiesige Rabbiner 1>r. Stier ungarisch und Oberrabbiner Löwi deutsch. Sämmtliche Reden waren von glühendstem Patriotismus durchweht und

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