Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1880)
- Date
- 1880-09-14
- Page
- Seite 582 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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582 macht 4,74 pCt. aus. Da die Israeliten zu der Bevölkerung des Reiches 1875 nur 1,2 pCt. stellten, so ist der Procentsatz der in Leipzig studirenden Juden ein außerordentlich hoher. In diesem Sommer studiren in Leipzig vier Mal mehr Israeliten, als jenes allgemeine Berhältniß erfordern würde". Es versteht sich, daß unter den 135 des Sommers die Mehrzahl auch zu den 133 des Winters gehörten. Immerhin kommt 1 Jude erst auf 24 Christen. Wer das geistige Kapital und die Bildung der Nation von wahrhaft menschlichem und patriotischem Standpunkte zu würdigen befähigt ist, der wird eine aufrichtige Freude darüber empfinden, daß aus einem, anderthalb Jahrtausende mit Gewalt brachgehaltenen Acker so viele geistcstüchtige Pflanzen erwachsen, und dadurch das geistige Leben der Nation bereichert wird. Aber zu diesem natürlichen Gesichtspunkte kann sich der nltramontane Correspondent nicht erheben; das Bewußtsein daß auf diesem Gebiete die katholische Bevölkerung so weit hinter der protestantischen und jüdischen zurückbleibt, läßt ihn in der vorliegenden Erscheinung nichts als eine Gefahr für die Katholiken erblicken. Würde man nämlich das Berhältniß der protestantischen Studirenden in Leipzig zu den katholischen eruiren, so würde sich ein viel' höherer Prozentsatz der Protestanten gegen die Katholiken ergeben, als die 4 Prozent, die man für die Inden herausbringt. Würde man von ultramontancr Seite einwenden: Ja, die katholische Jugend geht viel weniger nach Leipzig, als z. B. nach Münster und Bonn — so würde man antworten können: die Juden gehen vielmehr nach Leipzig als nach Münster, wo wahrscheinlich gar kein Jude, und Bonn, wo nur wenige Inden studiren. — Gestatten Sie mir nur noch eine Bemerkung, dieselbe „Germania" betreffend — denn es ist wohl jetzt eine Zeit, in welcher man die Schritte unsrer Feinde genau beobachten muß. Bei der großen Niederlage, welche gegenwärtig der Ultramontanismus in Frankreich erfährt, in demselben Frankreich, in welchem er die ersten Jahre nach 1871 seinen Hort erblickte, von dem er auf das deutsche Reich anstürmen können werde, ist es kein geringer Thcil seines Schmerzes, daß er die Urheberschaft dieser Niederlage nicht den Juden zuzuschreiben vermöge. Sowohl die Prostctanten als die Juden sind in Frankreich in so geringer Zahl vorhanden, daß es geradezu an Blödsinn grenzen würde, die Wahlen des französischen Volkes, die Boten seiner Vertreter und die Maßnahmen seiner Regierung jenen zuschreiben zu wollen. Dennoch macht die „Germania" neuerdings schwache Versuche, bei denen sie wohl aus die Unkenntniß und Leichtgläubigkeit ihrer Leser zählt. Mit ihrem gewohnten Kunstgriff macht sie die große liberale französische Preffe, gegen welche dort die klerikale zu einem verschwindenden Bruchtheil wird, zur „Judenpreffe", welche „wohl auf Anweisung der bei dem Kulturkampf sehr intcressirten Alliance israelite gegen das Ende des französischen Kulturkampfes" protestire. (Nr. vom 3. Sept.) lieber diesen Unsinn ist kein weiteres Wort zu verlieren. Hörde, den 2!). August. (Privatmitth.) Ihr Bericht von Hörde in Nr. 31 d. Blattes bedarf wohl nachstehender Ergänzung. Im Jahre 1875 hatten die hies. städtischen Behörden (in denen alle Confessionen vertreten sind) einstimmig den Beschluß gefaßt: die confessioncllen Volksschulen in Communal- (Simultan-) Schulen umzuwandeln. Diesem Beschluß war die Synagogcngemeinde einstimmig und die ev. Schulsocietät mit überwiegender Majorität bcigetretcn. Nur die Vertreter der kath. Schulsocietät hatten ihre Zustimmung entschieden abgelehnt. Während der vorerwähnte Beschluß der Königl. Regierung zur Genehmigung vorlag, war auch in der Synagogenvertrctung für eine andere Ansicht Propaganda gemacht worden, die dahin führte, daß die Majorität den einstimmig gefaßten Zustimmungsbeschluß widerrief. Magistrat und Stadtv. beschloffen nun, die Kosten für die kath. und jüd. Schule (welche bis dahin für alle consessionellcn Schulen aus der Kämmerei-Caffe bestritten wurden) vom Communaletat abzusetzen. Gegen diesen Beschluß hatten die Katholiken und die Juden bei der Königl. Reg. Protest erhoben und dadurch der Königl. Reg. Anlaß gegeben, einen Commiffar mit dem endlichen Abschluß dieser Angelegenheit zu betrauen. Nach kurzer Discussion wurde einstimmig beschloffen (ich gebe hier nur die Punkte an, welche speciell für die Leser d. Ztg. Jntereffe haben): Die Stadt Hörde errichtet Communal Bolksschulen ohne confessioncllen Charakter und übernimmt das gesammte Activ- und Paffiv-Bermögen derjenigen Schulsocietäten. welche sich zur Uebertragung desselben an die Stadt und zur freiwilligen Auflösung bereit erklären. Die Lehrer und Schüler sind von den gebotenen Sonn- und Feiertagen ihrer betreffenden Confessionen vom Unterricht dispensirt; dem jüdischen Lehrer soll außerdem die Ausübung seiner Pflichten als Cultusbeamter gestattet sein. Zur Schul-Teputation muß je ein Mitglied den der Communalschule beigetretenen Confessionen angehören. Bei der dann folgenden Verhandlung mit den Schulgemeinden erklärten sich von den erschienenen H) Mitgliedern der jüd. Gemeinde 15 derselben mit den obigen Beschlüssen der städt. Collegicn einverstanden. Die Vertreter der kath. Schulsocietät stimmten sämmtlich gegen die Auflösung. So war denn endlich, nach langen Kämpfen, die Communalschule ohne confessionellen Charakter gesichert. - Daß confessionslos nicht gleichbedeutend ist mit religionslos und daß keine Confession in ihrem Religionsunterrichte gestört oder beschränkt wird, das hat die Simultanschule schon erwiesen. Dem jüd. Religionsunterrichte sind wöchentlich 5 Stun-