Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1880)
- Date
- 1880-09-14
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
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581 Hinderung weiterer Vergiftung der öffentlichen Moral und zur Verhinderung der revolutionären Aufhetzung der verschiedenen Bevölkerungsklaffen gegen einander, dem hohen Reichstage eine Vorlage machen wollen, durch welches das Vorgehen der ultramontanen und pietistischen Judenhetzer dem staatSzerstörendcn Treiben der Socialdemokratic gleichgestellt wird und die gesetzlichen Schutzmittel gegen diese auch auf diese Störer des consessionellen und bürgerlichen Friedens ausgedehnt werden. Genehmigen Ew. Durchlaucht. Leipzig, 1. September. (Privatmitth.) Die hier erder Unaussührbarkeit von vorn herein an sich. Zuletzt giebt die „Luth. Kztg.* zu erkennen, was sie eigentlich will: nicht die Juden, sondern alle Nichtchristen sollen von obrigkeitlichen Aemtern ausgeschloffen werden, nicht das Judenthum, sondern das „Widerchristenthum" ist ihnen ein Greul. Ta es formell außer den Juden keine Nichtchristen im Deutschen Reiche giebt, so versteht die „Luth. Kztg." unter „Nichtchristcn" alle Personen, die sich nicht zum orthodox-christlichen Kirchenthume bekennen, also gegenwärtig die große Mehrzahl der Protcsian« ten. Alle diese sollen von obrigkeitlichen Aemtern ausgeschlossen scheinende „Lutherische Kirchenzeitung" läßt sich über die von j werden, alle diese sollen von irgend welcher Bctheiligung am ihr zuerst angekündigte und mitgetheilte „Petition gegen die Juden" (s. Nr. 35.) folgendermaßen aus: „Es versteht sich für uns von selbst, daß dieses Unternehmen nicht von den Führern der vorjährigen Bewegung, sondern im Wesentlichen von den conservativen Männern geleitet wird, die sich durch die neueste Machtentfaltung des Judenthums ebenso wenig schrecken lasten, als sie sich ehedem vor dem „Humanitätsideal" des Lcssing'schen „Nathan" gebeugt haben. Wenn wir auf den Inhalt jener neulich von uns mitgetheilten Petition näher eingehen sollen, so können wir nicht sagen, daß dieselbe etwas Neues bietet. Mit der hier entwickelten Grundanschauung können wir uns einverstanden erklären. Die Formin welcher die berechtigten Forderungen der christlich-conservativen Partei in der Petition auftreten, scheint uns dagegen nicht eben glücklich gewählt zu sein. Abgesehen davon, daß Artikel 3 und 4 in einem inneren Widerspruche zu einander stehen, den sich die Gegner ohne Zweifel nicht entgehen lasten werden, möchten wir von unserem Standpunkt auch daraus halten, daß nicht die Juden von obrigkeitlichen Aemtern ausgcschlosten werden, sondern die Nichtchristen; denn der Gegensatz gegen das Judenthum tritt uns vor dem gegen das Widcrchristenthum zurück, wie es in den Gedanken des confessionslosen Staats zur Geltung gelangt." Man sieht hieraus, daß die Urheber dieses Machwerks selbst den Unsinn, der in den aufgestellten Anträgen enthalten ist, einschen. Bei einer Petition sind aber die Petenda die Hauptsache, und beim besten Willen können diejenigen, welche über eine Petition zu entscheiden haben, sie nicht an« nehmen, wenn die Forderungen widersinnig sind. Aber nicht allein Nr. 3 und 4, sondern auch in Nr. 2 über die Controle und Besteuerung des Zeitungswesens enthält einen colostalen Unsinn. Wir haben immer gesagt, daß unsere Gegner es bei dem sittlichen Standpunkt, den sie, besonders was die Wahrhaftigkeit betrifft, einnehmen, leicht haben auf uns zu schmähen und solche „Grundanschauungen" auszusprechen, mit denen sich die „Luth. Kztg." einverstanden erklärt. Sollen sie aber nun aussprechen, was sie eigentlich wollen, sollen sie dem Ge setzgeber sagen, was sie fordern: so sind sie in der größten Verlegenheit, und was sie formulieren, trägt den Stempel Zeitungswesen ferngehalten werden! Tie „Petition gegen die Juden" ist also nur ein Aushängeschild; gegen diese glaubt man am ehesten etwas ausrichten, gegen diese eine Anzahl Personen mehr ins Feld führen, gegen diese die Bolksleideuscha't am ehesten aufrcizen zu können. Hat man dies erst fertig bekommen, so wird sich schon weiteres ergeben, meinen sie. Andererseits mögen sie auch ihrem Indenhaste ein Mäntelchen umhängen wollen, und diesen als einen Streit für das gefammte Christcnthum zu bezeichnen suchen. Jedenfalls wird durch solcheExpectorationendoch auchdaS I größere Publicum sich bewußt werden, daß es sich nicht um die Juden allein handelt, sondern um das ganze moderne staatliche und gesellschaftliche Leben, um die Grundsätze des Rechtsstaates! Leipzig, 4. Sept. (Privatmitth.) Die „Germania" läßt sich von hieraus schreiben: „Nach einer amtlichen Zusammenstellung haben in den sieben Studienhalbjahren vom Sommer 1877 bis zum gegenwärtigen Sommer einschließlich im Ganzen 1>80 Juden als Studircnde die Leipziger Universität besucht. Dies ergicbt einen Semestcrdurchschnitt von 140." ES wäre, wenn es wirklich eine „amtliche Zusamn'.enstcllung" wäre, eine Eigenthümlichkeit der Leipziger Universität, die sich nirgends wiedersindct, wenn sie ihre Studircnden nach den Confessionen classifizirtc und das Ergcbniß veröffentlichte. Das preußische Unterrichtsministerium z. B. publizirt regelmäßig Tabellen über die Zahl der Studirenden im Ganzen und nach Fakultäten, aber die Confession giebt es nur bei den beiden theologischen Fakultäten an. Bei der obigen Zusammenstellung ist cs aber offenbar zunächst auf einen Schreckschuß abgesehen, nämlich eine recht hohe Ziffer herauszubringen. Denn wenn die Zahl aus einem Semester gegen die Gesammtzahl ein gewistes Berhältniß angiebt, so thut dies eine Zahl aus sieben Semestern nicht, weil dieselbe Person 2, 3, und 4 Semester auf derselben Universität studirt, folglich für die 7 Semester zusammen nicht 1)80 Juden, sondern höchstens zwischen 3—400 herauskommen. Es heißt weiter: „Im letzten Winter studirten im Ganzen 21)14 Angehörige des! Deutschen Reiches in Leipzig, darunter 133 Israeliten. Im Sommer waren unter 2843 Reichsangehörigen 135Juden. Dies