Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1880)
- Date
- 1880-09-14
- Page
- Seite 580 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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580 %<z\X\AVl<fy'y\A,<XC fj fe w. Deutschland. Erfurt, 3. Sept. (Privatmitth.) Bon dem Rabbiner Dr. Caro in Erfurt wird beabsichtigt, gleichzeitig mit der in Nummer 35 abgedruckten Petition der deutschen Judenfeinde nachfolgende, jenes saubere Elaborat paraphrasirende Eingabe dem deutschen Reichskanzler Fürsten Bismarck zugehen zu lassen. „Durchlauchtigster Fürst, hochgebietender Herr Reichskanzler und Ministerpräsident. Seit längerer Zeit schon sind die Gemüther ernster Vater- Beschämung von hochstehenden Gelehrten und Hofpredigern gefördert sieht und von einer erleuchteten Regierung Schutz und Abhilfe in dieser Nothlage erwartet. Fußend auf theils gänzlich erlogene, theils absichtlich entstellte und tausendmal gründlich widerlegte Angaben haben jene Männer die Frechheit, die Gesetze des deutschen Reiches als unter jüdischem Einfluß entstanden zu bezeichnen. Trotz der Betheiligung fast aller Kreise der Bevölkerung an dem Taumel vergangener Jahre mit ihrem Wucher- und Börsenspiel, trotz jener betrügerischen Gründungen, die von kirchlichen Organen beschützt landsliebender Männer aller Stände und Parteien durch * wurden, trotz der bis aus den heutigen Tag fortgesetzten Ausdas Ueberwuchern der unwürdigsten Judenhetze in tiefe Be-! beutung der Menge durch Wunderthaten und Etablirung von sorgniß versetzt. Die früher von Bielen gehegte Erwartung,! Wallfahrtsorten, entblöden sich jene vaterlandslosen Zeloten daß die Aufklärung des 19. Jahrhunderts auch in den Köpfen nicht, ihre eigenen Vergehen den Juden zur Last zu legen, ultramontaner und jesuitisch-protestantischer Finsterlinge etwas Vermittelst einer Preffe, deren Schamlosigkeit bis zur Ber- Licht verbreiten würde, hat sich trotz der gesetzlichen Gleichleugnung aller glorreichen Errungenschasten der Jahre stellung aller deutschen Bürger als eine trügerische erwiesen.! 1870—71 ging, suchen sie die verderblichsten Leidenschaften Es handelt sich jetzt nicht mehr darum, jene Gleichstellung zu entsesieln, um im Umsturz alles Bestehenden für ihre zu schützen, vielmehr um die Schändung des deutschen Namens! eigenen Jnteresien Bortheile zu erringen; der Wohlstand des durch das kulturfeindliche Gebühren jener Männer zu ver-! deutschen Volkes, seine Kultur und seine echte Religiosität, hüten, die sich der Stiftung des deutschen Reiches bis zum! sie gelten ihnen Nichts, wo das Interesse ihres ausländischen heutigen Tage feindselig entgegengestellt und die kein Mittel! Oberen und ihrer Herrschsucht in Betracht kömmt. Die Gescheuen, die Machtstellung derselben und den nationalen l fahren für das sittliche Bewußtsein der deutschen Nation Ruhm Deutschlands im Auslande zu untergraben. Tie durch > müssen sich naturgemäß steigern, je mehr der Staat solchen jene Finsterlinge heraufbeschworene Gefahr ist deutlich er- * zerstörenden Elementen Einfluß auf die Gesetzgebung einkennbar. Schon beginnt das deutsche Mittelalter mit seinen > räumt, je mehr er gestattet, daß die Auktorität der Gesetze Glaubenskämpfen, Hexenprozesseu, Ketzerverbrennungen, Judeni durch die gehässigsten Umtriebe in ihren Fundamenten unterverfolgungen, Raubritterthum in den Vorstellungen der Gegen-: graben wird. Mit protestirenden Klagen jedoch ist es so wart wieder aufzuleben und wenn historisch nachgewiesen , finsteren Mächten gegenüber nicht gethan. Bon jeher mußte die ist, daß zu keiner Zeit gewaltigere Schandthaten, grausamere Mach: der Finsterlinge und Ketzerrichter mit reellen Machtmitteln Rechtsverletzungen vorkamen, zu keiner Zeit mehr Mord, bekämpft werden. Hierzu gehört vor Allem, daß die staat- Todtschlag, Unzucht, Raub und Gewaltthat ungestraft verübt; lichen Organe angewiesen werden, von confessionellen Rückwurde, als in jenen von den modernen Judenfeinden gepriesenen sichten abzusehen und gegen die Friedensstörer, gegen die Jahrhunderten, so finden wir das Ideale der Gegenwart, Erreger von Haß und Zwietracht zwischen den verschiedeneu die echte und wahrhafte Menschenliebe, in ernstester Weise Classen der Bevölkerung nach dem Buchstaben und dem Geiste bedroht. Wenngleich wir nun vertrauen, daß diese Schäden der Gesetze mit uncrbitterlicher Strenge vorzugehen. Deutsche Ew. Durchlaucht scharfem staatsmännischen Blicke nicht ent- Juden sind nichts anderes als Deutsche, sie haben für Kaiser gangen sind, wenngleich wir aus Ew. Durchlaucht bisherigem und Reich geblutet, sie tragen alle Lasten des Staates und segensreichen Wirken erfahren haben, daß jene jesuitische, um betrachten den Genuß aller Rechte eines Staatsbürgers nicht kirchliche Bortheile schachernde, um Regierungsgunst buhlende als ein Gnadengeschenk, sondern alsein unveräußerliches Recht, und die verwerflichsten Mittel zur Erreichung ihrer Zwecke das ihnen die rohe Gewalt vergangener Zeiten verkümmert hat, nicht scheuende Bereinigung ultramontaner und pietistischer das ihnen auch nur die rohe Gewalt verkümmern kann. Bolksaufwiegler von Ew. Durchlaucht lange schon erkannt Fremdlinge sind nicht wir, sondern Jene, die dem Befehl und mit gebührender Verachtung gewürdigt wird, so glauben fremder ausländischer Oberen gehorchen und die ihrer Feindwir doch auch unsererseits noch ausdrücklich Zeugniß abschast gegen das deutsche Reich lange Zeit offenen unverlegen zu müssen, daß die deutsche Nation das Wachsen dieses, hüllten Ausdruck gegeben haben. Es ist Gefahr im Verzüge; den innern Frieden schwer bedrohenden und den deutschen deshalb gestatten wir uns, Ew. Durchlaucht mit der ehr- Namen in aller Welt schändenden Treibens mit steigender furchtsvollen Bitte zu nahen: daß Hochdieselben zur Ver-