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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-14 · Heft 37 (14.9.1880) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 37 (14.9.1880)
Date
1880-09-14
Page
Seite 578 (sequence 2)
Language
German
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578 Verlockung nachgebend festzuhalten, dem, was für das Judenthum heidnisch ist, den Eingang unentwegt zu verwehren und uns nicht von dem falschen Lockrufe bethören zu lasten, daß das Judenthum mit Allem, was momentan die Wissenschaft oder die Philosophie oder ein aufgeklärtes Kirchenthum bietet, vereinbar sei. Wir haben erst vor Kurzem nachgewiesen, wie das Judenthum mit einer setzt weitverbreiteten Anschauung in vollem Gegensätze steht. Wir dürfen nicht scheuen, diesen Gegensatz offen anzuerkennen und zu bekennen, mag man uns immerhin von der anderen Seite für „veraltet, zurückgeblieben" erklären. Es war dies das Schicksal des Judenthums in seiner Festigkeit und Treue zu allen Zeiten. Der heidnische Römer, der christliche Kirchenvater, Mohamed, die Theologen des Mittelalters wie der neueren Zeit haben uns stets diese Bezeichnung an den Kops geworfen, wenn sie uns nicht zu überwinden und doch unser Dasein nicht zu leugnen vermochten. Wir waren eines Anderen überzeugt und der Verlaus der Geschichte hat uns ° recht gegeben. Wenn wir mit Erfolg den zersetzenden Einwirkungen der unsre Zeit beherrschenden Geistesströmung, der stärkeren oder schwächeren Neigung zum Heidenthume zu unsrem und der kommenden Geschlechter Heile widerstehen wollen, so dürfen wir niemals aus dem Bewußtsein verlieren, daß unsre Religion eine positve ist und daß deshalb unsre Ueberzeugungen und Lehren den positiven Charakter niemals verlieren dürfen. Es ist dies gerade für das Judenthum um so mehr Bedürsniß, als seine Lehren mit dem Verstände und dem Herzen in keinem Widerspruche stehen, deshalb der Reflexion und der Philosophie zugänglich sind, und, wenn diese irregehen, um so leichter gefälscht oder verdrängt werden können. Vermag man doch selbst den Gottesbegriff, wenn er nicht positiv jüdisch festgehalten wird, in der mannichfaltigsten Weise zu entstellen, wie dies z. B. bei den Alexandrinern und Kabbalisten geschehen. Positiv aber heißt im Sinne des Judenthums die ununterbrochene Ueberlieserung, die große geschichtliche Entfaltung, die Einheit des Bekenntnistes ohne alle Sectirerei und die Ursprünglichkeit nach dem heiligen Schriftthum, das die Basis unseres ganzen historischen Lebens bildet. Dies sind die eigenthümlichen Momente und Merkmale unsrer Positivität, welche die jüdische Gotteslehre als ein großes Product der Geschichte, der Geistesarbeit aller Geschlechter und der hierin waltenden göttlichen Vorsehung und Veranstaltung weithin vom Deismus des Tages und des Individuums unterscheidet. Zu diesem Zwecke müsten wir aber zweierlei pslichtgetreu beachten. Zuerst: daß wir uns nicht jener ebenso ersolgwie nutzlosen, von hypothetischen Voraussetzungen ausgehenden und zu nichts als Hypothesen gelangenden Kritik der Thora überlasten. Allerdings hat dieselbe auch innerhalb unsres Kreises bereits ihre Anhänger gesunden, und, während sie weder zum Verständniß des Ganzen noch zu richtigerer Aus fastung des Einzelnen irgend etwas Wesentliches beigettagen, dient sie nur dazu, Verwirrung und Mißachtung besten, was das Fundament unsrer Religion und Geschichte bildet, herbeizuführen. Bietet sie doch, bis jetzt wenigstens, nur das Bild von „Rittern der ttaurigen Gestalt", welche Riesen zu bekämpfen glauben und nur auf Windmühlen losstürmen. Wir wollen hier übergehen, was in den letzten Jahren auch von den Unsrigen aus diesem Gebiete geleistet worden, und das, kaum geboren, wieder verschwindet. Tenn die Widerlegung aller dieser Ausgeburten einer in ihren Prämissen stets willkürlichen Kritik liegt in ihr selbst, da sie sich fortwährend in Widersprüchen bewegt und ihre Resultate sich einander aufheben. Sie beweist hierdurch, daß es ihr unmöglich ist, einen unbestteitbar sichern Punkt aufzufinden, von welchem sie die Auflösung, Zertheilung und Zersetzung vornehmen kann, ein bestimmtes Kriterium, das auch eine gesicherte Auseinandersetzung bietet. Hierin liegt aber wiederum der Beweis, daß die Thora eine feste Einheit, eine in sich übereinstimmende, zusammenhängende Gliederung besitzt, die allen Versuchen der Minirer widersteht. Unsre Ausgabe ist vielmehr, dieser unfruchtbaren, aber verheerenden Kritik aus zweifachen Wegen entgegenzutreten. Wir haben einerseits, wie wir dies in einer Reihe von Artikeln, die bald fortgesetzt werden sollen, begonnen haben, die Einheit des Geistes, der Principien, der Lehren und Gedanken, der gesammten Anschauung wie der einzelnen Ausdrucksweise, die durch die ganze h. Schrift geht und sie zu einer höheren Einheit macht, zu eruiren und nachzuweisen. Daß dies mit überraschendem Erfolge begleitet ist, glauben wir in den gedachten Arttkeln bewiesen zu haben, und ist uns dafür die von vielen Seiten uns zugekommene Beistimmung eine willkommene Bürgschaft. Wenn unsre Väter ihr Bestteben dahin gerichtet hatten, an jedes einzelne Wort, ja jeden Buchstaben der Schrift einen Gedanken, eine Folgerung anzuknüpfen: so haben wir gegenwärtig in umgekehrter Weise das Einzelne zusammenzusasten und daraus den Gedanken, das Princip, den ideellen Zweck zu ziehen, worin sich dann die Einheit und Uebereinstimmung aller Grundgedanken ergiebt. Es kann sich dabei eben nicht um die unbedingte oder bedingte Geltung des Gesetzes in seinen einzelnen Besttmmungen handeln, eines Gesetzes, dem durch den geschichtlichen Verlauf ein Stück des Bodens nach dem andern, ein Material seiner Verwirklichung nach dem andern, zuletzt und nicht am wenigsten durch die Neustellung der Juden innerhalb der Völker und Staaten entzogen worden, sondern eben um die Principien, um die ewig geltenden dogmatischen, ethischen und socialen Gedanken, die in diesem grundlegenden Gesetze enthalten sind, und die unerschütterlichen Elemente unsrer Religionslehre, unsrer religiösen und sittlichen Anschauung

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