Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1880)
- Date
- 1880-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 dis 2*/» Bogen. Preis Vierteljährig »Mark. Inserate werden! mit 2t> Pf. für die Petitzeile oder deren I Raum berechnet. 1 Alle Postämter (Postzeitungsliste Rr. »5>) und Buchhandlungen nehmen j Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Baumgärtaer's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten > wende man sich an vr. f. Vhilippson in Bonn: hinsichtlich der Inserate an 9t.! I Moffe in Leipzig und dessen Filialen > : in Berlin, Breslau;c. I | Zaleralr, welche bis >«uaer»log eingehen, I I sinden in der darauffolgenden Stummer > Berücksichtigung. Beilagen werden mit 12 Mark berechnet. 44. Zahrgaug. Leipzig, den 14. September 1860. ^te>. 37. Inhalt. Leitende Artikel: Wohin haben wir unsere Aufmerksamkeit zu richten? Zu den Festtagen. Hl. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Erfurt, Leipzig, Hörde, Bayreuth. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Aus Galizien, Agram, Steinamanger, Aus Ungarn. — Belgien: Brüssel. — Frankreich: Paris. — Rußla.nd: Petersburg, Tuckum. — Rumänien: Paris. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Birnbaum: Literarische Notizen. - Feuilleton: Die Juden in Bagdad. (Schluß.) — Der feierliche Aufzug der Juden zu Prag im Jahre 1876. Älrtitrei. Bonn, 8. September. Wohin haben wir unsre Aufmerksamkeit zu richten? Zu den Festtagen. 111. Wird uns die Festfreude in diesem Jahre durch den von Neuem losbrechenden Ansturm unsrer Gegner in etwas getrübt: so haben wir um so mehr zu bedenken, wie wir uns von innen her stärken, denn nur dadurch wird unsre Widerstandskraft mächtig genug sein, all' das Unrecht abzuwehren, das man gegen uns übt oder plant. Dies erreichen wir, wie schon gesagt, vor Allem durch das entschiedene Festhalten an der Gotteslehre, an der reinen Lehre, wie sie uns durch die ganze Vergangenheit des Judenthums dargeboten wird. Wie zu den Zeiten des Elijah ist alles „Hinken auf zweien Fersen* ebenso gefährlich wie schwachgeistig. Wo man die Marksteine aushebt und die Grenzgräben füllt, da weiß am Ende Niemand, was sein Eigenthum ist und worauf er ein Anrecht hat. Fürwahr, es ist kein Absonderungsgelüste, wenn wir jene Bermittelungsversuche zwischen bestehenden Gegensätzen ablehnen, welche zuletzt jede Festigkeit der Erkenntniß, jede Sicherheit der Ueberzeugung verwischen und die Begriffe fälschen, die wir mit den Worten und Aussprüchen verbinden. Man vergeffe nicht: das Judenthum hat niemals den specinschen Proselytismus betrieben; es hat zu aller Zeit die Bekehrung der Menschenwelt in dem Sinne verstanden, daß sich dieselbe der Anerkennung und Anbetung des einig-einzigen Gottes, des Schöpfers der Welt und der Wesen, und den intellectuellen und sittlichen Lehren, die unmittelbar und consequent daraus folgen, zuwende; es hat deshalb seine Mission darin gefunden, diese Lehren und Vorschriften in allem Wechsel der Zeiten, in allem Wandel der Geistesrichtungen, auf allen Stufen der Culturentwickelung, unter allen geschichtlichen Bedingungen rein und fest zu bewahren für seine Bekenner und für die ganze Menschheit, mag diese schneller oder langsamer ihnen zureifen. Diesen Standpunkt müffen wir unerschütterlich einhalten, wollen wir uns, unsrer eingewurzelten Ueberzeugung, unsrer Bestimmung und Pflicht treubleiben. Wir können uns also weder den herrschenden Religionen noch den erstehenden, wechselnd in den Zeiten geltenden Philosophemen durch Abschwächung unsrer Lehren und Annahme fremder Vorstellungen, in welcher Form man sie auch anbietet und genießbar macht, annähern, um einen scheinbaren Frieden herzustellen. Schließlich hätten wir doch nur das Wesentlichste ausgegeben, um ein unhaltbares Machwerk dafür einzutauschen. Auch das Judenthum ist eine Religion der Maffe, wenn auch einer an Zahl geringeren; die Maffe aber wird niemals von Subtilitäten, von feingesponnenen Definitionen und daraus gezogenen Folgerungen eingenommen und geleitet, sondern nur von klaren und kräftigen Begriffen, von ganz bestimmten Lehren und Vorstellungen. Es ist demnach eine unsrer ersten Aufgaben und Pflichten, hieran gewiffenhaft und keiner 37