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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-07 · Heft 36 (7.9.1880) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 36 (7.9.1880)
Date
1880-09-07
Page
Seite 571 (sequence 11)
Language
German
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571 über eine Reise, die er nach dem Norden Afrika's gemacht,' befindet sich Folgendes: „Die Muselmänner überlassen sich vollständig dem Nichtsthun oder der Trägheit, die Juden sind fast die Einzigen, welche Kunst und Gewerbe ausüben und fast der ganze Handel liegt in ihren Händen. Ihnen ist es zu verdanken, daß die Beschaffenheit der Verhältnisse in Marokko nicht so traurig ist, als sie es sonst sein würde. Und doch betrachten die Muselmänner die Israeliten wie niedrige Hunde, die keinerlei Recht auf Achtung besitzen und nicht einmal Werth seien, zu leben. Man sagt, daß einige unter ihnen, die reichsten und einflußvollsten, den Schutz der ausländischen Gesandten erhalten. Aber dieses Vorrecht, das dem internationalen Rechte nicht entspricht, erregt den Neid und erweckt Repreffalien, so daß die Lage der jüdischen Masse, welche nicht beschützt wird, immer schlimmer wird auf Grund der Bortheile, die einigen Einzelnen gewahrt werden. Könnten die Bereinigten Staaten nicht etwas für diesen Theil der Bevölkerung thun? Ich habe Ursache anzunehmen, daß diese Frage jüngst die französischen, englischen, italienischen und spanischen Cabincte beschäftigt hat; aber ich weiß nicht, ob Etwas entschieden worden ist. Im Interesse der Humanität wäre es gut, wenn die christlichen Nationen intervenirten, sei es vermittelst einer gemischten Commission, oder durch irgend ein anderes Mittel, um in Marokko eine größere Rechtsgleichheit und ein unparteiischeres Gerichtsverfahren herzustellen." — Die „Monatsberichte" der Alliance isr. univ. bringen authentische Listen der in Marokko von den Einwohnern seit IS65 ermordeten Israeliten, und die Zahl beträgt 245 und die der Wittwen und Waisen 509. Alle diese Verbrechen sind ungestraft geblieben! Bonn, 29. August (Notizen) Der Bey von Tunis hat dem Obersten Moch vom 130. französischen Infanterieregiment das Commandeurkreuz seines Ordens Nischan und. Gr. Jstikhar verliehen. — Die „Germania" hebt einen Artikel der „Voss. Ztg." über Thomas von Aquin gegenüber, dessen Philosophie jüngst der Papst als Norm für die Katholiken aufgestellt hat, hervor, daß Thomas von Aquin „ein Gönner und ein Beschützer der Juden war." Es heißt weiter: „Der jüdische Geschichtsschreiber Salomo J'bn Berga (p. 18) erwähnt der Unterredungen, die zwischen Alphonso, dem Könige von Spanien und dem großen Philosophen Thomas stattgefunden. Alphonso freute sich, diesen berühmten Mann in seinem Lande zu sehen, zu einer Zeit, wo die Gemüthcr sehr aufgeregt waren. Es liefen „Gerüchte" um, daß die Juden an ihrem Passahfeste Christenblut brauchen, wodurch das Volk mit Ungestüm die Vertreibung der Juden verlangte. Der König befragte den h. Thomas von Aquin darüber, und dieser widerlegte diese Beschuldigungen gegen sie und sagte, daß Vieles nur aus Neid wegen ihres Reichthums erfunden sei. worauf der König sie in Ruhe leben ließ. Thomas „Didymus". Möchte die „Germania" sich hieran ein Muster nehmen. Bonn, 22. Aug. (Literarische Notizen.) Bon ProfessorEmilNaumann: Jllustrirte Musik-Geschichte (Stuttgart, Verlag von W. Spemann) liegt die 4. Lieferung vor. Dieselbe bringt das dritte Capitel „Musik der Israeliten" zum Abschluß. Der Verfasser weist darin nach, daß mit der Zerstörung des zweiten Tempels durch Titus nnd der Zerstreuung des Volkes Israel über den ganzen Erdboden auch die nationale und selbständige hebräische Musik so gut wie vernichtet wurde und sich die Zerstreuten den Einflüssen fremder Cultur in den verschiedensten Ländern und Klimaten; nicht entziehen konnten. So erklärt es sich, daß im Allge-! meinen die heutigen portugiesischen Juden eine andere Tempelmusik besitzen, als ihre Glaubensbrüder in Frankreich und Italien, daß in den polnischen Synagogen andere Weisen erklingen, als in den deutschen und englischen. Nur Reste sind vorhanden, eine Anzahl höchst charakteristischer, meist; nur auf ein paar Tacte beschränkter Weisen, die entweder ganz unverändert oder doch in Form unverkennbar deutlicher Anklänge überall noch gehört werden, gleichviel, ob es sich um die Synagogen in Lissabon oder Amsterdam, Wien oder Warschau, Berlin oder London handelt. Ter Vers, führt eine Anzahl solcher kleinen Reste, die wohl uralt sein dürften, ' in Notenbcispiclen vor. — Herr Elias Schwartz in Straßburg hat in einer Broschüre „Le peuple de Dieu en Chine* alles literarische Material über die früheren und jetzigen Zustände der Israeliten in China gesammelt und will damit von Neuem die Aufmerksamkeit der Glaubensgenossen auf diesen fast verlorenen Posten lenken. Die Sammlung der Berichte der Missionäre, der Abhandlung Sylvestre de Sacy's und neuerer Nachrichten ist mit Fleiß ausgeführt und giebt ein recht ausführliches Bild. Pest, 28. Juli. (Literarische Notizen.) In Nr. 29 vor. Jahrg. brachten wir 2 geschichtliche Monographien von ungleichem Werthe zur Anzeige. Während der Autor der einen derselben es für gut hielt, auf die ihm von mir — und später auch von dem sel. Wiener — gemachten Ausstellungen in seinerWeise zu erwidern, benutzte der Verfasser der anderen Schrift, Hr. Abr. Pesaro in Ferrara, die verschiedenen Andeutungen zu weiteren Forschungen und Ergänzungen; dieselben liegen; in dem „Appendice alle memorie storiche sulla comunitä; israeliticaFerrarese* (Ferrara 1880) nunmehr gedruckt vor. In! diesem Nachtrag beschränkt sich der gewissenhafte Vers, meistens auf Personen und Familien, welche in dem „Meinorie“ übergangen sind, und auch einzelne historische Facta. Für die Geschichte der Juden in Ferrara bleibt nur noch wenig zu thun übrig. Einzelnes läßt sich noch immer Nachträgen. Wir möchten die Aufmerksamkeit des gcsch. Verfassers auf die vielen Abschreiber hebräischer Werke lenken, welche vom 13. 36*

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