Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1880)
- Date
- 1880-09-07
- Page
- Seite 570 (sequence 10)
- Language
- German
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570 seiner Regierung autorisirt, wenn die russische Regierung den scheizerischen Nnterthanen nicht im vollen Umfange Schutz gewähren würde, innerhalb 24 Stunden sämmtliche Russen aus der Schweiz ausgewiesen würden. Ein solches bestimmtes Borgehen half, und seit dieser Zeit hat man nicht wieder einen schweizerischen Juden aus Rußland ausgewiesen. Auch hütet man sich in Rußland wohl, einen englischen Juden auszuweisen, wogegen der mosaische Bürger des mächtigen deutschen Reiches vergebens Schutz sucht. Bemerken will ich nebenbei, daß Baron Rothschild und Erlanger, von denen doch weltbekannt ist, daß sie Juden find, zu gleicher Zeit mit mir in Petersburg waren; an diese Juden wagten sich die russischen Behörden allerdings nicht heran. Da ich mein Hauptgeschäft nach Rußland mache, so erwächst mir, wie erklärlich, durch diese persönliche Sperre ein sehr erheblicher Nachtheil." So weit der Berichterstatter der V. Z. Es bleibt bei diesen und ähnlichen Vorgängen räthselhaft, was eigentlich die russische Regierung dazu bewegt und damit bezweckt? Eon einer Einwanderung ausländischer Juden ist hier nicht die Rede, denn es betrifft Reisende, deren Aufenthalt nach Tagen zählt. Auch scheint die widerwärtige Maßregel sich nur auf Petersburg zu beschränken, da der Betreffende in Moskau unbehelligt geblieben. Auch die Verhinderung, daß Juden in Rußland Geschäfte betreiben, kann kein Motiv sein, denn, abgesehen vom brieflichen Verkehr, können sich die Juden leicht durch christliche Agenten vertreten lasten. Daß es sich endlich auch nicht um politisch Verdächtige handelt, ist klar, da es Geschäftsmänncr sind, die verjagt werden, deren Reisezwecke sehr durchsichtig sind. Wir können also nur eine despotische Polizeilaune darin finden, in welcher sich ein Judenhaß ausspricht, der wahrlich einer großen Negierung unwürdig ist! Serbien. Belgrad, im August. Im Aufträge seiner Regierung hat der englische Vertreter dem Fürsten Milan eine Note überreicht, in welcher die endliche Feststellung der Verhältnisse der Israeliten in Serbien nach den Bestimmungen des Berliner Vertrages gefordert wird. Milan versprach, das schon längst verheißene Gesetz endlich der Skuptschina vorzulegen. Amerika. Cincinnati, 5. Aug. (Privatmitth.) «Vorbemerkung der Redaction: Wir erhalten über die erste Versammlung der Rabbinical Literarv Association of America in Detroit, über welche wir in Nr. 33 zwei Berichte gegeben, noch einen dritten und zwar von dem Präsidenten des Vereins, Herrn Dr. M. Lilienthal selbst. Wir können jedoch, um Wiederholungen zu vermeiden, diesen dritten Bericht nicht in seiner ganzen Ausdehnung geben, und lassen deshalb aus ihm nur das folgen, was die ersteren ergänzt und die persönliche Ansicht des Herrn Lilienthal ausspricht). Für die Versammlung im nächsten Jahre wurden von einem besonders dazu ernannten Comite die folgenden Sujets zur Bearbeitung aufgegeben: 1) Ist cs rathsam, eine Synode zu berufen? 2) Geschichtliche Entwickelung der jüdischen Speisegesetze. 3) Verhältniß des jüdischen Ehegesetzes zum Staatsgesetze; 4) Pflichten und Stellung des Rabbiners in der Gemeinde; 5) Soll neben dem Sabbath - Gottesdienste noch ein anderer, mit Predigt und Gesang an einem Wochentage abgehalten werden? <>) Auf Antrag der jüngeren Mitglieder Eine vollständige Agende bei Begräbnissen. 7) Hebung der Sabbathschulen. Alle diese Gegenstände sind besonders ernannten Comitcn zur Ausarbeitung übergeben worden, mit dem Rechte, sowohl mit amerikanischen, als europäischen Rabbinen und Gelehrten sich zu verständigen. Dabei ist es natürlich den Mitgliedern nicht benommen, selbständig andere Sujets zum Vortrage bei der nächstjährigen Versammlung vorzubereiten. Diese verspricht, höchst interessant und belehrend zu werden; es gilt über practische Lebensfragen ins Reine zu kommen. Der Verein denkt natürlich nicht daran, der Autonomie der Gemeinde zunahe zu treten. Als wissenschaftlicher Verein sucht er vorerst, nur Licht in das bestehende Chaos zu bringen und unter den Rabbinen Harmonie der Ansichten und des Wirkens zu erzielen. Die Zukunft ist in Gottes Hand. Die Vierteljahrs-Schrift ist im Drucke und wird binnen sechs Wochen an die Mitglieder und Ehrenmitglieder des Vereins versendet werden. Wir bitten nun unsere Collegen in Europa, durch literarische Beiträge unser Werk zu unterstützen. Mögen sie uns auch ihre Ansichten über die Lebensftagen, die das moderne Judenthum so tief bewegen, mittheilen. Die Verhältnisse in Amerika drängen auf wissenschaftliche Forschung und practische Lösung. Wir geben uns der fteudigen Hoffnung hin, daß die geistlichen Führer, diesseits und jenseits des Oceans, brüderlich zusammen arbeiten werden, zur Ehre Gottes, unserer Religion und Mission! Dr. M. Lilienthal, Präsident der Rabbinical Literary Association von Amerika Marokko. Paris, im August. In einem Berichte des Generals Noyes, des Gesandten der Vereinigten Staaten iu Paris,