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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-07 · Heft 36 (7.9.1880) · p. Seite 569

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 36 (7.9.1880)
Date
1880-09-07
Page
Seite 569 (sequence 9)
Language
German
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569 Belgien.! schieden und dort befragt zu welcher Religion ich mich bekenne; auf die Antwort, daß mein Paß und die von meiner Regierung er- Brüffel, 29. August. (Privatmitth.) Es braucht kaum theilte Legitimation, resp. Personalbeschreibung jeder Auswärgesagt zu werden, wie mit ganzer Seele auch die Belgier tigen Regierung genügen müsse, bedeutete man mir, daß wenn israelitischer Religion die herrlichen patriotischen Feste feiern, j ich nicht meinen Glauben angeben würde, man mich sofort die jetzt, unter günstigstem Wetter, von uns begangen werden, aus Rußland verweisen müsse. Ick erklärte hieraus ohne Hatte doch der belgiscke Staat bei seinem Entstehen (1830)'^Rückhalt, daß ich mosaischen Glaubens sei. Nunmehr nicht erst mit reactionären Gelüsten zu kämpfen, nahm nicht wurde ein Protocoll ausgefertigt, welches die Copie des Passes bloß die ihm von den Holländern überlieferte Gleichstellung unbedingt an, sondern stellte auch das Judenthum der katholischen und protestanttschen Kirche in allen Punkten gleich, und dotirte die Synagoge gleich den Kirchen aus Staats-, Provinzial- und städtischen Mitteln. Dies hat denn auch seine Früchte gettagen, und wohl in keinem Lande der Welt ist aus dem wirklichen Leben, namentlich auch aus dem geselligen Verkehr jede Unterscheidung nach Confessionen so enthielt, und es wurde von mir verlangt, daß ich dieses unterschreiben solle mit 'der hinzufügenden Erklärung, daß ich Jude fei. Nachdem die russische Behörde dieses Protokoll unterschrieben in Händen hatte, wurde in meinen Paß in russischer Sprache folgende Bemerkung geschrieben: Inhaber dieses Passes, dem Juden Hermann Ebenstein, ist der fernere Aufenthalt in Petersburg untersagt." Nachdem man mir den Paß mit dieser liebenswürdigen Bemerkung übergeben geschwunden, und die Gleichberechtigung so zum unmittelhatte, wurde mir erklärt, daß ich diesen Paß sofort der Polizei baren Instinkte geworden, wie in Belgien. Deshalb haben auszuhändigen hätte. Empört darüber, daß ein deutscher hier selbst die Ulttamontanen keine Art von Wühlerei gegen | Unterthan, ausgestattet mit einem deutschen Paß, solchen undie Juden auch nur versucht. Sie haben hier einen anderen; gerechten Unbilden ausgesetzt sei, eilte ich siegesgewiß, mein Sündenbock, die Freimaurer. Recht zu finden, nach der deutschen Botschaft. Was hatte .! man indefien dort für mich? Nur ein Achselzucken mit der Frankreich. lakonischen Bemerkung: „Wir können Sie nicht schützen, Paris, 15 August. Die Subscription zur Errichtung wir werden Ihnen gleich den Paß visiren", wofür eines Monuments auf dem Grabe Cremieux' beläuft fick man _1,50 Mark Gebühren =75 Kopeken einforderte, was bereits auf 45,658 Frcs. —Die neue Synagoge in Sedan wird am 25. August eingeweiht werden; am 1. September findet die Einweihung der neuen Synagoge von St. Etienne statt. Am 30. August wird der Großrabbiner Alfred Levy in Lyon feierlich in sein Amt eingeführt werden. — Die nebenbei bemerkt den Cours 200 repräsentirt, während sich der Cours vom Januar bis heute zwischen 218 — 214 bewegt und von den Bahnen der Cours noch immer mit 220 calkulirt wird. Ich schickte den Paß durch den Bruder meines Geschäftsfreundes sofort zur Polizei und man glaubte daselbst Gemeinde zu Sedan erbat von der Stadt die Kosten zur , in diesem Herrn meine Person zu haben und machte Anstal- Bollendung der Synagoge, nämlich 3000 Frcs. für dienten, ihn sofort unter Escorte zur Bahn zu bringen. Da die- Mauern und 8000 Frcs. für die Grille. Der Municipalj ser aber versicherte, daß er nicht identisch sei mit der Person rath beschloß aber nur die Hälfte zu ttagen, während die ^des Paß-Inhabers, was ja auch aus der Legitimation hervorjüdische Gemeinde, die allerdings durch den Neubau der gehen müfie, nahm man ihm den Paß ab und erklärte ihm, daß Synagoge sehr belastet worden, die andere Hälfte zu zahlen j man den Paß sofort an die dienstthuende Polizei am Bahnhabe. Zugleich bestimmte der Municipalrath das Maximum; Hofe abgeben würde; an welchem Orte ich mich zum nächstdieser Hälfte auf 6000 Frcs. -; abgehenden Zuge, also ungefähr eine Stunde vor diesem Bor- , fall, einzufinden habe, damit man mir den Paß dort über- ^UsZlttNd. : geben könne. Da ich durch diesen Zwischenfall mitten in Berlin, im August. Ueber seine Erfahrungen in Pemeiner geschäftlichen Thätigkeit gestört worden wäre, so erbot tersburg schreibt der „Bofi. Z." der Inhaber einer Berliner sich mein Geschäftsfreund mit der Bemerkung: „da Sie Ihr achtbaren Firma: Botschafter nicht schützen kann, so werde ich Sie als russischer „Am 2. August begab ich mich, von meiner Geschäftstour Bürger schützen," mir noch einen Aufenthalt von zwei Tagen von Moskau kommend, nach Petersburg und stieg dort in auszuwirken, was ihm auch auszuführen gelang. Als im dem allbekannten Hotel de l’Europe ab. Bei der Ankunft Jahre 1869 einem Schweizer Bürger mosaischen Glaubens wurde mir nach russischer polizeilicher Vorschrift sofort der der Aufenthalt in St. Petersburg verboten wurde und derselbe Paß abgefordert, damit dieser der Polizei-Behörde zur Untersich dieferhalb bei seiner Gesandtschaft beschwerte, machte der suchung unterbreitet werden konnte. Zwei Tage später wurde j schweizerische Gesandte bei der russischen Regierung geltend, ich nach dem Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten bej daß es in der Schweiz nur Bürger gebe und erklärte, von 36

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