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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-07 · Heft 36 (7.9.1880) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 36 (7.9.1880)
Date
1880-09-07
Page
Seite 568 (sequence 8)
Language
German
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Lehranstalten durch die jüdische Jugend ist es ein zweiter Umstand, den die ultramontane Presse in extravagantester Weise jetzt verwendet, um im Volke den Haß zu schüren, nämlich daß, wie es doch ganz natürlich ist, die Juden in den Städten auch einige Häuser besitzen. Als man sie noch in besondere Stadtviertel verbannt hatte, war es selbstverständlich, daß sie in diesen die vorhandenen Häuser besaßen. Jetzt, wo dies nicht mehr der Fall ist, wohnen sie natürlich in der Stadt selbst, und wer das Vermögen dazu hat, erwirbt ein Haus, noch dazu, da sie auf dem Lande keinen Besitz haben. Wenn nun z. B. in Jicin 1820 die Juden 0 1880 24 Häuser besitzen, so erhebt die ultramontane Presie einen Wehcruf durch ganz Oesterreich, und so sammelt diese dergleichen Beispiele, z. B. aus Städten, wo bis 1830 Juden nicht wohnen durften, jetzt aber eine Anzahl natürlich aus dem Lande selbst sich angefiedelt hat, um ein recht lautes Geschrei über die Ueberwucherung seitens der Juden zu erheben. Die liberalen Blätter laffen sich aber dermaßen ins Boxhorn jagen, daß sie diese, in schlauester Weise erdachten Anschuldigungen mit keinen Worte beleuchten und den Krebsschaden ungehindert weiter sresien lassen. Wie es übrigens in unserem Reiche aussieht, und zwar innerlich, unterhalb der Oberfläche, davon zeugt die Mittheilung der „Neuen Ferien Presse" aus Laibach von der Mißhandlung einer deutschen Liedertafel, die einen Ausflug dahin gemacht, durch die Slovenen, die sie als „deutsche Fremdlinge und Eindringlinge" beschimpften. Die Deutschen nehmen aber von solchen Vorgängen keine Warnung an, in ihrem eigenen Lande ähnliches, z. B. an den Juden nicht zu verüben! Pest, 25. August. (Privatmitth.) Der Ungarischisraelitische Landes-LehrerBerein hielt den 22. und 23. d. M. unter Borsitz des Präsidenten E. Seligmann, Director der hiesigen Gemeinde-Knabenschule, seine diesjährige Generalversammlung. Nach Vornahme der Neuwahlen und Ernennung eines Rechnungs-Revifions-Comitös erstattete vr. Wilhelm Roth Bericht über die Art und Weise, wie er dem Aufträge der letzten Generalversammlung, ein Lesebuch zu redigiren, nachgekommen sei; das Lesebuch sei bereits ganz fertig, der Stoff desselben zumeist aus der Bibel genommen, doch habe auch die patriotische Richtung in demselben gebührende Berücksichtigung gefunden. Nach diesem mit lebhaften Eljenrufen aufgenommenen Berichte drückt der Raaber Lehrer Schön seine Zustimmung zu den von Roth dargelegten Principien, sowie seine Ueberzeugung aus, die Bemühungen des Letztern um die Förderung des israelitischen Unterrichtswesens werden vom besten Erfolge begleitet sein. Doch dürfe man sich nicht damit begnügen, für die israelitischen Schulen gute Bücher zu schaffen, sondern es müsse auch dahin gestrebt werden, daß aus den Schulbüchern der übrigen Confessionen jene Stellen eliminirt werden, welche die Juden zum Gegenstände des Hasses machen; er beantragt daher, der Verein möge bei der h. Regierung diesbezüglich Schritte thun und zugleich dahin wirken, daß das Roth'sche Lesebuch vom Ministerium den israelitischen Schulen zum Gebrauche empfohlen werde. Nach längerer Debatte wurden beide Anträge angenommen. Die Revision der Bereinsstatuten gab zu längern, mitunter erregten Debatten Anlaß. Nach dreistündiger Berathung wurden die vom Central-Ausschuß vorgeschlagenen Modificationen angenommen, der Bericht des zur Prüfung der Vereinsbücher entsendeten Subcomitös verlesen und dem Vereinsvorstande das Absolutorium ertheilt. Nunmehr schritt man zur Neuwahl. Unter Vorsitz des Alterspräsidenten Steinhardt aus Makö wurde beschlossen, Herrn Seligmann für sein rastloses Streben, die Interessen des Vereins zu fördern, eine Dankadresse in prächtiger Ausstattung und versehen mit den Unterschriften sämmtlicher Vereinsmitglieder zukommen zu lassen und ihn zu bitten, daß er nach wie vor dem Vereine lebe. Gewählt wurde zum Präsidenten: Director Eleafar Seligmann; zu Vice-Präsidenten: Moritz Stern und Ludwig Mendl; zum Casfirer: Sigmund Ozer; zu Controleuren: Julius Kornfeld und Jakob Reif. Die nächste Generalversammlung der ungarischen israelittschen Lehrer wird auf Einladung der Bajaer israelittschen Religionsgemeinde in Baja abgehalten werden. Von der Donau, 24. August. (Privatmitth.) In Ada und Palanka haben die „antisemitischen" Wühler sich Dinge erlaubt, die endlich die Aufmerksamkeit der Regierung, die durch ihre Indolenz in dieser Angelegenheit die Hetzer ermuthigt hat, doch wecken mußten. Man schreitet stuhlrichterlich ein. Prag, 25. August. Man schreibt von hier: „Eine nicht geringe Aufregung unter den Prager israelittschen Fleischbeschauern bewirkte eine vom 20. d. dattrte Bekanntmachung des Prager Oberrabbinates, nach welcher das Fleisch von jenen Thieren, welche nicht von einem vom Oberrabbinate für befähigt erkannten Schlächter geschlachtet sind, als rituell ungenießbar erklärt wird. Zugleich werden in dieser Bekanntmachung zwei Firmen genannt, welche bis jetzt allein vorschriftsmäßig geschlachtetes Fleisch verkaufen und anderen Fleischhauern für den Fall, als sie sich den Weisungen des Oberrabbinates fügen, die Beröffenttichung ihrer Namen versprochen. Diese Kundmachung wurde bei allen Synagogen affichirt und hatte zur Folge, daß schon am nächsten Tage alle Fleischhauer, außer den zweien, welche auf der Kundmachung als solche genannt sind, welche vorschriftsmäßig geschlachtetes Fleisch verkaufen, einen viel geringeren Absatz hatten als sonst. Wie die „Bohemia" vernimmt, beabsichtigt die israelitische Fleischhauergenossenschaft wegen dieser Bekanntmachung des Oberrabbinates eine Beschwerde an die competente Behörde zu richten."

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