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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-09-07 · Heft 36 (7.9.1880) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 36 (7.9.1880)
Date
1880-09-07
Page
Seite 567 (sequence 7)
Language
German
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567 Anfangs 1880 nur 25 Mitglieder zählen, von denen, wie oben ersichtlich, bereits 4 unterstützungsbedürftig sind und daher nicht mehr beitragen. Auch die Zahl der Synagogengemeinden, welche jährliche Beiträge zahlen, hat in bedauerlicher Weise abgenommen, so daß pro 1879 von allen Gemeinden der Provinz, außer Hannover, nur fünf geblieben sind und nur die eine Synagog.-Gemeinde Emden neu zugekommen ist." — Möge diese Mahnung recht williges Gehör finden. Stuttgart, II. August. (Privatmitth.) Die heute hier stattgefundene Plenarversammlung des israel. Lehrerunterstützungsvereins und der freiwilligen Conferenz der israel. Lehrer Würtembergs, vereinigte nahezu die Hälfte der 58 Vereinsmilglieder aus allen Theilen des Landes. Bon Seiten der K. Israel. Oberkirchenbehörde nahmen die Herren Kirchenrath vr. Wasiermann und Hofrath Dr. Levi an der Versammlung Theil. Der Ausschuß des Unterstützungsvereins hatte in der vorangegangenen Ausschuß-Sitzung in 10 Portionen 1035 M. Unterstützungen verwilligt. In seiner Begrüßungsrede hob der Vereins»orstand Liebmann von Stuttgart die erfreulichen Resultate der 18jährigen Wirksamkeit des Vereins hervor. Der Verein wurde im Jahre 1862 von neun Lehrern begründet. 9 fl. 30 kr. war ihr erstes Capital, und nun beträgt das Vermögen 18,000 M. und können jährlich ca. loOO M. den edlen Bereinszwecken zugewendet werden. In der letzten 3jährigen Etatsperiode konnten in 32 Gaben 2640 M. Unterstützungen gegeben und noch 3469 M. dem Grundstück zugewendet werden. Doch ist leider eine fortwährende Zunahme der Verarmung auch bei dem Lehrer- und Vorsängerslande wahrzunehmen, weßhalb bedauert wurde, daß noch manche größere Gemeinde sich diesem philanthropischen Vereine gegenüber indifferent verhalte. In einer längeren Debatte wurde nun über mehrere Anträge berathen, wie in diesen Gemeinden, besonders wo die Lehrer sich selber indolent verhalten, die Jntereffen des Vereins gefördert werden können. Nach den abgewickelten Verhandlungen des Unterstützungsvereins constituirte sich dieser zur freiwilligen Lehrerconferenz. Ein für diese bestimmter Vortrag des Lehrers Elsäßer in Laupheim konnte von diesem wegen Augenleidens nicht gehalten werden. Derselbe legte dafür der Versammlung das von den Leipziger Cantoren Liebling-Jacobson herausgegebene Gesangbuch für Synagoge und Schule empfehlend vor. Die Versammlung sprach sich gegen eine ofsicielle Empfehlung durch die Conferenz ans. Die vorjährige Versammlung hatte eine Commission mit der Entwerfung von Statuten behufs Gründung eines „Vereins israel. Lehrer Württ." betraut. Das vorgelegte Statut veranlaßte schon in den zwei ersten Paragraphen eine längere Debatte, so daß das Statut der Commission zur nochmaligen Prüfung und Vorlage für die nächste Versammlung wieder übergeben wurde. Das gemeinsame Mahl vereinigte sämmt. liche Mitglieder, und der erste Toast galt unserm Königshause, das auch unserm Vereine seine stete Huld zuwendet. O esterreich-Ungarn. Wien, im August. (Privatmitt.) Es ist wohl zu beachten, daß unsere galizischen Glaubensgenoffen in jüngster Zeit sich in ihrer Mehrheit der polnischen Partei zugewandt haben. Sie haben das Bedürfniß erkannt, sich mit der Mehrheit der das Kronland bewohnenden Bevölkerung zu amalgamiren, und nicht wenig trug dazu bei der judenfeindliche Geist, der gegenwärtig aus Deutschland herüberweht. Es ist eigentümlich zu sehen, wie ein in deutscher Sprache abgefaßtes Blatt, der Lemberger „Israelit", das Organ des Vereins Schomer Israel, gegen die Stadt Brody und die Brodyer Israeliten polemisirt, weil sie in ihren Schulen die deutsche Unterichtssprache aufrecht erhalten und dies durch eine richterliche Entscheidung erkämpft haben. Wir sind weit entfernt von hier aus diese neue politische und nationale Richtung beurtheilen zu wollen; aber es scheint uns doch etwas gekünstelt, wenn man von einer völlig deutschen Bevölkerung — wenigstens was die Sprache betrifft — verlangt, daß sie mit einen Male die polnische Sprache annehme, wie wenn dies nur ein Kleid wäre, das man umwenden könne. Hierbei ist doch auch nicht zu vergeffen, daß die Polen streng ultramontan sind, und daß deshalb die Juden bei ihnen schwerlich Heil zu erwarten haben. Die ultramontane Preffe ist es, welche mit möglichster Anstrengung die Judenhetze, die sie in Deutschland und Ungarn angefacht hat, auch nach Cisleithanien zu verpflanzen sucht, und Tag für Tag die aufwieglerischesten Artikel bringt. Sie ist außer sich über die statistischen Ergebniffe an den Mittelschulen (Gymnasien), wonach auf rund 7000 Schüler rund 2000 jüdische kommen. Jeder vorurtheilslose Volksfreund würde es als ein Gewinn für die Volksbildung ansehen, das aus einem so viele Jahrhunderte hindurch brach gehaltenen Boden ein so beträchtlicher Theil der höheren all gemeinen Bildung zugeführt wird. Die ultramontane Preffe nennt dies „eine horrende Ziffer, wenn man bedenkt, daß alle diese studirenden Juden mit der Zeit ihr an den Mittelschulen erworbenes Wissen zur Ausbeutung der Christen verwerthen." Man muß die Entrüstung, die man bei der Lesung solcher Ausdrücke empfindet, mit Gewalt zurückhalten, um nicht daran zu erinnern, wer es ist, der das arme Volk am meisten ausbeutet und ihn zu bestimmten Zwecken seine letzten Sparpfennige ausprefft! Uebersetzt man die Phrase ins Deutsche, so besagt sie nichts Anderes als: Das Stückchen Brod, das ein Jude durch materielle oder geistige Arbeit sich erwirbt und verzehrt, müßte von einem Christen verzehrt werden und ist also ein Raub an diesem'. Solche Gesinnung ist allerdings nicht zu heilen: aber sie hat das Gefährliche, daß sie sich dem Volke allzuleicht insinuiren läßt. Neben der Frequenz der höheren

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