Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1880)
- Date
- 1880-09-07
- Page
- Seite 565 (sequence 5)
- Language
- German
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565 concentrirt wiedergiebt, was der Judenhaß an Gift und' Galle producirt hat. Die je 83 Christen sollen von dem einen Juden ihres Wohlstandes beraubt, und ihres „germanischen Ideals der Ritterlichkeit, Geradheit und echter Religiosität" verlustig gemacht werden! Wie oberflächlich und schwach müßte dieses Ideal, müßten diese Characterzüge im Geiste und Herzen der deutschen Nation wurzeln, wenn sie binnen eines Jahrzehnts durch einen so geringen Bruchtheil der Bevölkerung verdrängt und beseitigt werden könnten! Diese Nation, welche seit zwei Jahrtausenden aus ihren eigenen Füßen steht, von dem Einbruch der Römer bis zu dem der Napoleoniden widerstand, alle Einflüße fremden von einem Häuflein durch ihre, der Deutschen, Cultur herangebildeter Menschen in die größte Gefahr gebracht werden! So ist Alles in diesem Schriftstück nichts als Phrasen, giftige Pilze, die soeben unter dem Einflusie ungünstiger Witterungsverhältniffe aus der Erde schaffen. Naiv ist darin nur, daß dem Fürsten Bismarck gesagt wird: die ganze, durch ihn zu Stande gekommene Gesetzgebung des deutschen Reiches sei „unter jüdischer Einwirkung entstanden" und schädige das deutsche Volk, so daß sie eben völlig umgeändert werden müsse! Man wird um so mehr abzuwarten haben, was für eine Gestalt dieses Product des bittersten Hasses und der reactionärsten Jntrigue annehmen wird, um ihr entschieden Geistes aus seiner Mitte immer wieder zurückwies, soll jetzt | entgegen zu treten. >vv<xc fj l'ovu Deutschland. Berlin, 29 August. Unter der Anklage der Beleidigung des Hofpredigers Stöcker hatten sich am Freitag die Redacteure des „Berl. Börs.Courier" Georg und RobertDavidfohn vorder zweiten Ferienstrafkammer des Landgerichts I. zu verantworten. Außerdem find gegen beide Angeschuldigte noch drei andere Anklagen wegen Beleidigung mittels der Presie erhoben, und werden durch Beschluß des Gerichts alle vier mit einander verbunden. 1) Jncriminirt ist ein „offener Brief" des Angeklagten Robert Tavidsohn an Stöcker, in welchem demselben u. A. der Vorwurf gemacht war, daß er, „um Leidenschaften zu entfesseln und Haß Zu predigen, der Wahrheit einen Schlag ins Gesicht versetzt habe." — 2) In dem Conkurse der Centralstraßen-Gesellschaft wurde im „B. B.-C." das Verfahren des Handelsrichters Amtsgerichtsraths Miehla einer Kritik unterzogen und ihm darin Mangel an Engerie vorgeworfen und der Wunsch ausgesprochen, daß er eine größere Schneidigkeit an den Tag legen möge. — hat. — Der Staatsanwalt erachtet die Beleidigung in allen vier Artikeln für unzweifelhaft dargethan und beantragt mit Rücksicht darauf, daß in den Spalten des von den Angeklagten vertretenen Blattes ein gehässiger Ton üblich sei, gegen Georg D. zwei Monate und gegen Robert D. einen Monat Gefängniß. Der Angeklagte Robert Tavidsohn nahm in Bezug auf den Centralstraßen-Artikel den Schutz des §. 193. Str.-G.-B. — Wahrnehmung berechtichter Interessen — in Anspruch, indem der „B. B. C." die Jntereffen der Actionäre zu schützen habe. Was den offenen Brief gegen Stöcker anlange, so mache er darauf aufmerksam, daß der erste Staatsanwalt auf einen früher von Stöcker gestellten Antrag, ihn wegen Beleidigung zu verfolgen, das Einschreiten mit der Motivirung abgelehnt hatte, daß, wenn er ein öffentliches Jntereffe für sein Einschreiten annehmen sollte, er zunächst gegen Stöcker selbst wegen der in seinen Agitationen in den Volksversammlungen gegen andere Personen und ganze Gesellschaftsklaffen geschleuderten Beleidigungen Vorgehen würde. Eine solche Person verliere das Recht, sich durch eine Zei- 3) In einem in No. 180. vom 15. April cr. veröffentlichten i tungsnotiz beleidigt zu fühlen, die er gar nicht gekannt habe, Artikel wird die scharfe Beurtheilung des Senats der Akadej von der er Unwahres behauptet, resp. die Thatsachen wiffentmie der Künste bei der Concurrenz der Schülerarbeiten über j lich falsch entstellt habe. Der Strafantrag eines Mannes, angeblich immer mehr sinkende Leistungsfähigkeit auf eine! der fortwährend Beleidigungen der schwersten Natur ohne Persönliche Animosität gegen den Direktor v. Werner zurück- Ansehen der Personen umherschleudere, sei geradezu übergeführt und behauptet, daß das Lebensglück junger Leute raschend. Die Feinfühligkeit Stöckers über die der Abwehr aus einem erbärmlichen Jntriguenspiel untergraben werde. — i gewidmeten Artikel, in denen dem verständigen Publicum über 4) Eine Säbelaffaire in Cüstrin war in No. 138. vom 16.! den Werth der Stöcker'schen Angriffe ein Licht aufgesteckt wor- März cr. mitgetheilt und daran die Bemerkung geknüpft, daß! den, sei durchaus nicht am Platze, und paffe die Miene des der Fleck des scandalösen Benehmens so lange auf dem Ofsi-' Gekränkten sehr wenig, wenn man ihm grobe Entstellungen ziercorps hafte, bis die Untersuchung den Thäter festgestellt habe. Der Angeklagte Georg Davidsohn wird als Redacteur verantwortlich gemacht, während der Angeklagte Robert D. Nachweise. Die Eigenschaft des Stöcker als Hofprediger könne bei Beurtheilung des Falles nicht in die Wagschale fallen, denn er habe sich nur gegen den Agitator Stöcker gefich als Berfaffer der beiden ersten Artikel zu verantworten i gewandt, der vor den Ohren eines weniger als halbgebildeten