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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-06 · Heft 120 (6.10.1838) · p. Seite 485

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 120 (6.10.1838)
Date
1838-10-06
Page
Seite 485 (sequence 3)
Language
German
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485 läßt sich auf seinen kritischen Asmodi. O, deutsche Kritik, wie dumm bist du geworden! Wir Juden wollen wahrlich nicht vergöttert fein, wir wollen nicht als Tugendhelden die Parade machen, ja man soll in Gottes Namen viele Fehler an uns entdecken, vieler Schwachen uns zeihen — wer aber uns verteuflicht, wer in uns nur Eventualitatsmannec und materialistische Wichte erblickt, wer auf die liebloseste Weise, und selbst der Liebe bar, uns stets des Mangels an Liebe bezüchtkgt, wer das kräftige und schwungreiche Streben, das sich seit einem halben Jahrhundert der Juden in Europa bemächtigt hat, und das sie auf das Niveau gehoben, verkennet und leugnet, und dabei noch behauptet, er vertheidige unsre Emancipation — den können wir doch wol für einen öffentlichen Lügner und Falschmünzer erklären! — Wir wissen recht wohl, daß unter den deutschen Staatsmännern ein Achtel unser Recht anerkennen, zwei Achtel uns erziehen und vorbereiten, fünf Achtel uns in den alten Stand zurückdrängen, und acht Achtel uns los sein wollen. Gutzkow aber will die Juden emancipiren, nachdem erste öffentlich gebcandmarkt. Doch zittert nicht, seine Macht und Waffe ist nur ein Telegraph, der noch dazu nicht einmal für die Weite schreibt. Das Judenthum enthalt: „die Selbstständigkeit des Menschen auf dem Grunde der Offenbarung." Das Judenthum giebt dem Menschen den Beruf, das Göttliche in seiner Natur im Leben frei zu machen und immer freier. Es laßt ihm aber dieses Freiwerden nicht aus seinem menschlichen, sondern aus dem Boden der Göttlichkeit, nämlich der göttlichen Offenbarung herauswachsen. Auf diesem Gebiete der Offenbarung bewahrt es ihm aber seine ganze Selbstständigkeit, indem jene ihm zwar die geoffenbarte Lehre als Leuchte, das geoffenbarte Gesetz als Stab in die Hand giebt, als Mittel, um zu dem Ziele der Vereinigung mit Gott, zu gelangen, aber gerade dadurch voraussetzt, daß der Weg eigenwillig beschritten wird, und ihn durch eigene Gesinnung und That fallen, und durch eigene Gesinnung und That sich erheben, und das Heil innerhalb der Offenbarung durch seine Kraft erreichen läßt. Daß viele täppische Hände in dieses Judenthum gegriffen, und es verunstaltet und seine Prinzipien verkleidet und mit den Lappen ihrer Gedanken verhängt haben — wo ist nicht Aehnliches geschehen? Was hat aber der „neue rein praktische und polizeilich die Religion administrirende Deismus" hiermit gemein? Dieser ist ebenso ein Apostat des Judenthums, wie des Christenthums, dieser ist ein neues Heidenthum, das anstatt viele Götter dem Menschen nur zwei giebt, Gott und sich selbst. Wenn übrigens Dr. G. glaubte, wir würden über seinen Ahasver lächeln, so hat er ganz Unrecht. Er ist eine Fiction von recht schöner Tendenz, und wenn er ihn gut ausführt, soll er uns recht angenehm sein —* warum sollten wir ihm seine Träume verargen? Er vergesse aber nicht, daß er innerhalb der Fiction, wir innerhalb des Lebens stehen, und so lange das Leben noch keine Fiction, oder seine Fiction das Leben geworden, kann er zürnen und schimpfen, er wird uns nicht zur Fiction bringen.. Genug. Gutzkow hat sich der Gesellschaft des Herrn Joel Jacoby und Dr. Fischer angeschlossen. Er hat sich eine Brücke zu ihnen geschlagen, Sympathien mit ihnen angeknüpft, ehe wir uns versehen — ist er drüben. WaS Gutzkow wider uns persönlich vorbrkngt, das haben wir schon einmal erklärt, berühren wir nicht mehr. Gutzkow zeigt hierin eine Beschränktheit, die ihm nur Leidenschaft und Gereiztheit schaffen konnten. Das Publikum hat durch sein faktisches Urtheil uns längst dagegen sicher gestellt. Sollten sich aber hierin, wir sagen hierin, Juden für ihn als Satelliten finden, so kennen wir freilich schon längst das bettelhafte Wesen derer, welche Juden sein wollen, und sich schämen, Juden zu sein und zu heißen. Correspondenzeu, Auszüge, Repliken, Aus Baiern, August, lieber das Rabbinatswesen in Baiern. (Fortsetzung.) II. lieber Rabbinatsdistrikte. Es ist in der That kein angenehmes Geschäft, in Sachen, die die wichtigsten und heiligsten Jnrereffen vieler Menschen berühren, immer tadeln zu wüsten. Allein es soll hier ein treulicher Bericht von der Sachlage gegeben werden, und da wüsten wir gleich von vorn herein bekennen, daß bei uns hinsichtlich der Rabbinatsdistrikre ein heilloser Wirrwarr bestehe. Da giebt es auch nicht eine gesetzliche Vorschrift über Familienzahl, Größe und Umfang j der Distrikte, so daß man Distriktsrabbinate mit vierzig Ortschaften und sechs hundert Familienvätern neben Distrikten von vier Ortschaften mit kaum hundert Familien trifft. Eine Ausnahme hievon macht der Kreis Obersranken, dessen erleuchtete Regierung die jüdischen Cultusverhaltniffe sehr richtig und angelegentlich benutzt, wo aber auch eine ziemlich gleichmäßige Norm für die Distriköbildung statt findet, indem 200 bis 250 immatrikulirte Familienväter einen Rabbinatsdistrikt bilden; in allen andern Kreisen herrscht die größte Anomalie in dieser Beziehung. Was mag man im Auslände denken, wenn man weiß, daß der Kreis Unter, franken 3473 jüdische Familien zählt und zur Zeit nur zwei Distriktsrabbinate bildet! Das von dem Rabbinate Würzburg losgeriffene, aus Befehl der Kreisregierung sich eben jetzt bildende Rabbinat Burgpreppach ist ebenfalls von ziemlicher Größe; es zählt ungefähr '400 Familienväter; eS ist ein Riesenkind, und doch

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