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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-06 · Heft 120 (6.10.1838) · p. Seite 484

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 120 (6.10.1838)
Date
1838-10-06
Page
Seite 484 (sequence 2)
Language
German
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434 ral-Consul Hr. A. de Laurkn 'in Alexandria durch den Hm. A. Lapi, Referendar der europäischen Angelegenheiten in Syrien und k. k. 2. Konsulats-Dragoman, datirt Seyde den 9. Juli 1838. — „In Folge des Gerüchts und aus Acre eingetroffener Privatnachrichten vom vorigen Freitag, daß eine Bande Drusen nach Saffet gedrungen sei, wo ft'e das Judenviertel ausgeplündert hatten, wobei viele unglückliche Israeliten ermordet worden seien, habe ich sofort bewaffnete Leute m’6 Lager des Scheik Abd el Hadgi, der sich in Tebnin, 5 Stunden von Saffet befand, abgeschickt, um sichere Nachrichten über dieses Ereigniß zu erhalten, und nöthigenfalls den bedrängten Israeliten zur Hülfe zu eilen. — Die von mir abgesandten Leute hatten sich in's Lager des Scheik Abd el Hadgi begeben, und sowol bei ihm als bei den Bewohnern der Umgegend alle möglichen Erkundigungen eingezogen, und sind in diesem Augenblick (8 Uhr Morgens) wieder hier eingetroffen. Dieselben berichten mir, daß die Drusen, 300 an der Zahl, in Saffet eingedrungen seien, und die dortigen Israeliten gezwungen hatten, ihnen eine Summe von 120 Beuteln zu bezahlen, und daß sie, nachdem sie ihnen dieses Geld nebst anderen Effecten abgepreßt hatten, ohne ferneren Schaden zu stiften, abgezogen seien. Auch Scheik Abd e( Hadgi, dem ich privatim geschrieben hatte, und ihn bat, mich au fait des Borgefallenen zu setzen, hat mir ähnliche Nachricht ertheilt, und aus seinem desfalisigen -Briefe erhellet, daß nach dem Raube der 120 Beutel, die Insurgenten das Judenquartier geplündert haben, und daß die Israeliten von Saffet fast sammtlich nach Acre und anderen umliegenden Städten geflüchtet seien. Die muselmännischen Bewohner von Saffet haben nicht die geringste Antastung erlitten; wie gewöhnlich plünderten die Drusen nur die unglücklichen Israeliten, die noch nicht einmal für ihre Verluste bei der Plünderung im Jahre 183-1 entschädigt worden sind, und nun von Neuem im äußersten Elende schmachten. Bis jetzt sind mir von Seiten der Israeliten keine Reklamen zugekommen, aber pflichtgemäß beeile ich mich, Ew. Gnaden diesen gehorsamen Bericht zu erstatten, und um Verhaltungsbefehle nachzusuchen. Inzwischen verharre ich in tiefster Ehrfurcht k. rc. rc. rc." (gez.) A. Lapi. Möge diese Veröffentlichung der edlen Gesinnungen dieser hohen Beamten ihnen als Huldigung dienen, und dazu beitragen, die Aufmerksamkeit wohlthätiger Israeliten auf ihre bedrängten Brüder im heiligen Lande rege zu erhalten Ahasver, Gutzkow und Juden. (Schluß.) III. Gutzkow ist ein schönes Antlitz, das durch die Leidenschaft zum Zerrbilde, fast schon zur Karrikatur geworden. *) Mit diesen! Schreiben sind auch mehre gedruckte Schriften cingelaufen, aus denen bald interessante Auszüge erfolgen sollen. R e d a c t. Als Zerrbild zeigt es sich wie so Vielen, auch neuerdings den Juden gegenüber. Ob wol noch Hoffnung vorhanden, daß es je wieder zur Ruhe kommen, die Spuren der darüber gegangenen wilden Stürme je wieder ausgeglättet werden können? — Darum können wir auch nicht darauf zurücksehen, daß und wie er ehemals die Emancipation vertheidigte, wir haben es nur mir seiner jetzigen Gestalt zu thun, und Gott sei Dank! trotz seiner 'Anstrengung ist er noch lange kein Medusenhaupt, dessen Blick versteinere. Gutzkow will uns emancipiren, zuvor aber uns vernichten und zerreißen. Er meint nicht, daß wir rticht emanckpirt werden sollen, ja, ec verlangt dies, vorher aber sollen wir alle dahingefahren sein. Er stößt uns den Dolch in's Herz, macht uns zu wesenlosen Schemen, tödtet all' unser Thun und Wollen, schlägt alle unsere Bestrebungen mit einem Male nieder, und spricht dabei: ich emancipire Euch! O, Herr Gutzkow ist kein Tyrann, kein Despot, er will uns gnädig in sein Reich aufnehmen, darin wir emancipirt feien; wir sollen aber zuvor unsre Synagogen niederreißen, unsre Tora's zu Riemen zerschneiden, alle Besitzthümer unsrer Väter vergraben, und die Schellenkappen und Uniformen seiner Unterthanen anlegen, die wir umsonst haben sollen. Dann will er uns nennen seine lieben Kinder.— Was, ihr greisen jüdischen Häupter, die ihr in eurer Jugend noch euren Leib verzolltet, ihr schüttelt eure Silberlocken, über die derStürme manche hinweggegangen, ihr wollet nicht? Was, ihr jüdischen Männer, die ihr euer Lebensschifflein durch so viele Klippen und Schranken hindurchbugsiren müsset, ihr verschmähet diesen Lootsen, der von euch verlangt, ihr sollet euer Fahrzeug mit eignen Händen in den Grund bohren? Was, ihr jüdischen Jünglinge, die ihr mit so vielen Mühen und Täuschungen ringet, euch freudig an die Brust der Welt werfet, und immer wieder zurückgestoßen werdet, weil ihr euer Lebensbtut nicht der Lanzette der Lehrlinge verkaufen wollet, ihr wollet nicht? — so saget euch Gutzkow, daß euer Judenthum „eine taube Nuß" sei, weil es nicht Gutzkow's Judenthum ist. Freilich weiß G. vom Judenthume gerade so viel, wie man gerade der Schabbeslampe eines Juden absehen kann; er hat in Berlin und Frankfurt und Hamburg die Juden manchmal in die Synagoge gehen und auf der Zeil und unter den Linden spazieren gehen sehen; freilich! hat er nie von einem Maimonides, Nachmanides, Aldo, Vidat, Bechai, Ben Israel, Esra, Abarbanel, Gabirol, Halevy, Alcharizi, Wessely und der langen Reihe unsrer Gepanzerten Notiz genommen, und wie sollte er auch Zeit dazu haben — aber er weiß es doch, daß das Judenthum aller Dieser „eine taube Nuß" ist, denn er ver-

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