Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1880)
- Date
- 1880-08-31
- Page
- Seite 556 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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556 bei den höchst spärlichen Andeutungen über die Musik bei den alten Hebräern durch seine tiefe Erfassung der isr. Religion und des israelitischen Bolksgeistes, wie er sich in der Bibel kundgiebt, zu sehr wahrscheinlichen Resultaten in Bezug auf Tonleiter und Harmonie in der Musik der alten Hebräer gelangt ist, wenn auch das Endurtheil den Fachmännern überlassen bleiben muß. Nur sei noch bemerkt, daß der Hr. Vers, auch eingehend die neuere Spnagogen- Musik berücksichtigt. Als Beleg aber, mit welcher Unparteilichkeit und Anerkennung der Hr. Vers, über Judentbum und das jüdische Volk urtheilt, sei aus vielen Stellen nur der Anfang und Schluß der Abhandlung angeführt. Die Abhandlung beginnt S. 54 mit den Worten: „Tie Israeliten besitzen keine geringere Bedeutung für die Cultur der gerammten civilisirten Welt, als die Griechen. Waren diese das bevorzugte Volk der Kunst,.so sind die Israeliten das prädestinirte Volk der Religion, und zwar eines so reinen und tiefen Gvttesbewußtseins, wie cs uns weder das vorclassische, noch auch das clafsische Alterthum, zum zweiten Male gewahren läßt. In dieser Beziehung durften sich die Hebräer mit Recht „das auserwählteVolk", das „Volk Gottes" nennen und sie behalten diese Bedeutung selbst für die moderne Menschheit, wenn wir bedenken, daß Israel der Gottesgarten werden sollte, auf dessen von Alters her vorbereitendem Boden endlich das Christenthum erblühen sollte." Am Schlüsse der Abhandlung heißt es: „Jedenfalls zeigt uns die Geschichte der Tonkunst in den Israeliten zum ersten Mal ein Volk, dem die bloße Naturgewalt und der nur sinnliche Zauber des Tones — Reize, die für die Musik fast aller übrigen Nationen des Alterthums bestimmend waren — hinter feinem idealen Bedürfen: dem tiefsten Fühlen und Empsinden der Seele Ausdruck zu leihen, zurückstauden. So wurde diesem Volke Musik und Poesie in ihrer engsten, untrennbarsten Verbindung, zu einer erhöheten Sprache, zur Sprache, die es mit Jehovah redete, sei es in Jubelklängen des Preises, die dem einen ewigen Gott galten, den Israel unter allen Völkern der Erde zuerst erkannte, sei es in Herz erschütternden Klagegesängen der Reue über seinen Abfall vom Allerhöchsten und die Leiden des Volkes in fremden Landen. Auf solchen Grundlagen und Anfängen eines tiefen Begreifens der idealen Aufgabe der Musik durfte die Tonkunst getrost weiter fortbauen, um den Weg zu den höchsten Gipfeln zu finden, die ihr dereinst zu ersteigen Vorbehalten waren." Bemcrkenswerth ist, daß auch der Hr. Vers., S. 73, wie viele Sachkundige, sich dahin äußert, daß die Melo-' dik bei den Israeliten weniger dein christlichen Choralgesang ähnlich war, als vielmehr in einem Gesänge bestand, der, wenn auch nicht bis zu einer eintönigen musikalischen Recitation herabsank, doch dem wechselnden Wortausdruck des Textes sich eng anschloß. Kleine Ungenauigkeiten in Bezug auf Ritus, wie I. 53: „Seine (des Schofar's) am Neujahrs¬ und Vcrföhnungstage ertönende Signale pflegt man nach bestimmten Vorschriften... auszuführen, wo Versöhnungstag irrthümlich hinzugefügt, S. 77 Rabbiner wahrscheinlich statt Priester steht und S. 7l>, wo irrthümlich von einem Wechselgesang zwischen Rabbiner und Borbeter die Rede, sind natürlich sehr zu entschuldigen. L. Ieuilleton. Correspon!len).! eitler, leerer Drang sei, welche die Menschen der Jetztzeit nach Aus Hessen, im August. (Verspätet).! Stand und Beruf sich zusammensinden lasse. Er verthcidigt . .. . . ' überhaupt die Jetztzeit (im Hinblick auf die sich jetzt auf D,° Jahresversammlung der „raclit,,chen ^-n Gebiete» breitmachende Reaetian), indem er den Feinden Zehrer ur-Hc>sens. der Errungenschaften der Neuzeit zurust: .Sage nicht die Die Confercnz der israelitischen Lehrer Hessens hielt früheren Tage waren bester als diese, denn nicht aus Weisam 5. Juli ihre 12. Jahresversammlung ab. Anwesend heit verlangst du darnach." z*:cx-:-i c’cvtr rc -dnha waren 54. Mitglieder, eine Zahl, die bisher noch feine Sßer--i :r;: b'j nKsr rozna xb *d rbnd czro vn Sodann ergriff sammlung erreicht hatte und ca. aller israelitischen Lehrer Herr Dr. Adler-Cassel das Wort und gab zunächst in einer ge- Heffens in sich schließt. — Außerdem wurde die Bersamm- ‘ diegenen und herzlichen Ansprache seiner Freude, der Berlung durch die Anwesenheit dreier gefeierter Gäste beehrt,: sammlung beiwohnen zu können, beredten Ausdruck und bedurch die Herren: Landrabbiner vr. Adler-Cassel, Landrabbincr tonte, daß die Verbrüderung, welche heute alle Stände durch- Dr. Kroner - Stadtlengsfeld und Jacob Nachod, Präsident des dringe, von besonders hoher Tragweite für den Lehrerstand „Deutsch-Israelitischen Gcmeindebundes" in Leipzig. Nach , sei. Redner hob sodann die segensreiche Wirksamkeit des seit dem Absingen eines Chorales („O Gottes Geist, kehr bei uns! fast sechs Decennien bestehenden Casteler Seminars hervor, ein") begrüßte der langjährige Vorsitzende des Vereins, Herr! aus dem fast sämmtliche israelitischen Lehrer Hessens hervor - Seminarlehrer vr. Stein-Cassel, die Versammlung in einer gegangen seien, dessen Zöglinge jedoch weit über die Grentrefflichen Eröffnungsrede, welche darin gipfelte, daß cs kein :;en unseres engen Vaterlandes hinaus, ja selbst jenseits der