Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1880)
- Date
- 1880-08-31
- Page
- Seite 547 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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547 erscheinen solche Bücher, wie das hier genannte, auf Kosten des Staates, — so wenig denkt Jemand daran, in denselben etwas Staatsgefährliches zu entdecken. Allein, selbst wenn all' der Unsinn in jenen vielhundertjährigen Folianten wirklich geschrieben stünde, den man ihnen andichtet, was wäre damit bewiesen? Kann man nicht etwa ebensoviel Schlechtigkeit und Unsinn ans den jesuitischen Kasuisten zusammenstellen, ohne daß es darum Jemandem einfiele, den Katholizismus dafür verantwortlich zu machen'? In der That sind im Lause des letzten Culturkampses in Belgien, in Frankreich und in Deutschland von Seite der Feinde der katholischen Kirche Blumenlesen dieser Art znsammengestellt worden, noch die Anmuth seines geschriebenen Wortes übertrifft. Als er geendet, eilte Alles auf den Redner zu, um ihn zu beglückwünschen, unter Anderen auch ein Senator der ehrsamen Stadt Frankfurt, der, ihm lebhaft die Hand schüttelnd, ausrief: — £(), Herr Auerbach, wenn alle Juden wären wie Sie! Worauf Auerbach in demselben Tone schlagfertig erwiderte : - Th, Herr Senator, wenn alle — Christen wären wie ich!" „Cs giebt in diesem Lande sehr viele Juden, die das welche so haarsträubende und widerwärtige Dinge enthalten, Wort Anerbach's citiren dürften, und wer einmal Gelegen daß man Ausland nehmen muß. daraus auch nur eine Zeile wiederzugeben. Aber auch für die Autoren dieser, gegen heit gehabt hat, auf dem Lande zu sehen, wie die armen bedrängten Bauern händeringend zu dem jungen jüdischen die katholische Kirche gerichteten Schriften hat cs sich nicht! Gutsbesitzer eilen und ihn um Rettung bitten gegen den um religiöse Motive gehandelt, sondern theils um sehr ge-! gut christlich-katholischen Advokaten, der die Halste des meine buchhändlerische Speculativnen, theils um politische!,Dorfes schon verspeist hat und sich anschickt, die andere Hälfte Parteizwecke." k aufzuspciscn, — wer einer solchen Scene einmal zugeschant „Und das macht die gegen das Judenthum gerichtete! hat, der wird ihnen auch nicht Unrecht geben!" Hetze jetzt so verächtlich; — um so vieles verächtlicher. als das Aergste, was frühere Jahrhunderte in ähnlichen Ausschreitungen geleistet haben, daß die Leute vergangener Zeiten sich immerhin einbilden konnten, einen Glaubenskrieg zu führen, während jetzt in dem ganzen Kampfe auch nicht ein Funke von Gläubigkeit vorhanden ist und man die alte Münze, welche durch tausend und tausend schmutzige Hände gegangen ist, nur verausgabt, weil man die wirklichen Motive roher Selbstsucht nicht zu bekennen wagt. In der Regel hat ja jeder dieser Herren, wenn er von den Juden im Allgemeinen spricht, Einen ganz speziellen Juden im Sinne. Da ist ein Jude so frech gewesen, bei einer Bewerbung um ein öffentliches Amt, trotz aller ungünstigen Chancen, die er gegen sich hatte, durch seine höhere Begabung seinen christlichen Gegner zu schlagen: der Zweite hat sich als Kaufmann seinen Concurrenten überlegen gezeigt; der Dritte hat ein Landgut erworben, welches der frühere Besitzer in sehr kurzer Zeit verjubelt hat, und in dem vierten und fünften Falle endlich sagt man, es seien die Betroffenen durch den Wucher zugrunde gegangen — versteht sich durch jüdischen Wucher." „Und jenes Gelichter, welches den Abhub unserer und jeder Gesellschaft darstellt, das sich in Ungarn auf die Fersen des Abgeordneten von Rum gesetzt hat, macht ja im Ganzen auch gar kein Geheimniß daraus, was für edle Motive seine Action leiten. Da schickt man uns z. B. — um nur Eines zu erwähnen — eine kleine, dentschgeschriebene Brandschrift aus Neusatz ein, welche daselbst in deutscher, ungarischer und serbischer Sprache circulirt, und die außer einem Auszüge aus dem berüchtigten Buche Rohlings in unorthographischer und uugrammatikaliicher Weise geradezu den Bolksaurruhr verfolgt. Das Individuum, welches diesen Schandartikel aus den Markt bringt, ist ein gewisser Simon Stanivojevics und er bekennt in der Einleitung mit wunderbarer Ruhe, daß man ihn einen Bankerottirer genannt habe, was ihn jedoch gar nicht veranlaßt, Widerspruch zu erheben. Nachdem er auf 30 Seiten theils aus Rohling, theils aus eigener Niederträchtigkeit Gott und die Welt zu Zeugen angeriüen hat, daß die Juden das Unglück der Welt seien — womit meint man wohl, daß der biedere Mann auf der letzten Seite schließ!? Er schließt, indem er seine eigene „Svezerei und gemischte Waarenhandliing in Zombor" dem P. T. „Jedes Mal, wenn wir von dem Punkte sprechen hören,! Publikum empfiehlt. In ähnlicher Weise schließt Alles, was kommt uns eine kleine Geschichte in den Sinn, die wir vor! man über diesen Gegenstand zu börcn bekommen kann." Jahren in dem Hause Berthold Anerbach's von -diesem! ..Nur drapirt sich die Heuchelei bei den Einen in reliselbst haben erzählen hören. Im Jahre 1843 war's, da! giwe Motive, während Andere es für dankbarer anseben, wurde in Frankfurt a. M. ein großes Banket gefeiert, an I nationale Motive in den Bordergrund zu stellen." dem Deutsch-Nationale und selbst allerhand verdächtige De-! „Der letztere Punkt hat seine beioudere Bedenklichkeit: mokraten theilnahmen, unter anderen Berthold Auerbach. Nach-! aber wir wollen trotzdem versuchen, ibm Italic r zu treten." dem einige Redner gesprochen, erhob sich auch der Dichter „So oft wir hören, daß die Juden in Ungarn nicht der Dorfgeschichten, bei dem der Zauber der Rede vielleicht j genug für die Pflege des magyarischen Geisten gctban batten.