Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1880)
- Date
- 1880-08-24
- Page
- Seite 540 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227285-3227320--38290-3307507- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
540 Allen, welche lernen wollten, Unterricht ertheilen zu können. Sie wurden von demselben Wohlthäter bezahlt, der auch den Bau des Hauses veranlaßte, das noch im Gebrauch ist. Ungefähr zwanzig alte Männer werden darin von der Gemeinde erhalten und studiren sechs Stunden den Tag. Die Fonds Zu diesem Zwecke werden durch die Steuer auf das Fleisch erzielt; ein kleiner Zuschuß wird von Privatbeiträgen dazu gegeben. Der Tod des Gründers dieses „Medrasch", Jericho; die Schlacht gegen die Amoniter und die Königin von Saba. Das Ganze ist durchglüht von tiefer, glaubensvoller Empfindung, erfüllt von edlem Schwünge der Gestalten und frischer, bewegter und doch klassischer Durchbildung. Daß sich vom Standpunkt des Reliefs Manches gegen die malerische Auffassung sagen läßt, berührt uns hier nicht. Man ersieht hieraus, daß, abgesehen von weniger unifangreichen Werken, auch ein großes epochemachendes Manasich Zobeidah, und die darauf folgende Armuth seiner Kunstwerk bereits lange vor Michelangelo den Gestalten des Familie, war die Ursache, daß das „Medrasch" von der Ge-galten Testaments gewidmet war. Ja, schon 1401 schrieb meinde erhalten werden mußte, die eine so wichtige Jnstitu-l die Signoria von Florenz eine Concurrenz für die oben getion nicht untergehen lasten wollte. Die zwanzig alten! nannten Thüren des Batisteriums aus und bestimmte selbst- Männer, die jetzt zum Studium rngagirt sind, erhalten 20! ständig die Opferung Jsaak's als Gegenstand der künstlerischen bis 40 Beschleks monatlich. Ihr Amt ist, das Gesetz, den Ausführung, ein Beweis, daß die Darstellung der Gestalten Talmud rc. zu studiren, gratis diejenigen zu unterrichten, welche lernen wollen, religiöse Fragen zu beantworten, u. s. w. und religiöse Schüler sitzen des alten Testamentes schon nicht blos den künstlerischen Kreisen, sondern auch ihren Auftraggebern nicht fremd war. Angelegenheiten zu erklären. Lehrer und j Einer der Mitconcurrenten, Jacopo della Quercia, schuf im auf Bänken oder mit gekreuzten Beinen auf Jahre 1425 in Bologna das Hauptportal von San Petronio, Matten, die auf der Erde ausgebrcitet liegen. Dieses „Mej deyen Pfosten von zehn Darstellungen aus der Genesis bedrasch", zusammen mit dein „Knaben - Medrasch", sind die einzigen Institutionen, welche die jüdische Gemeinde erhält. Es giebt keine Vereine für die Armen oder für Wittwen und Waisen, nicht einmal Beerdigungsgesellschaften. (Schluß folgt.) Die bildende Kunst und die h. Schrift. In Nr. 27 d. Bl. fand ich erst jetzt eine Notiz aus den Oauseries I'lyrentioes von Julian Klacko. Diese Notiz, die so warm und wahr die Verdienste Michelangelos um die künstlerische Gestaltung der alttestamentlichen Vorgänge preist, ist, glaube ich. doch nicht überall ganz richtig. Daher erlauben Sie mir wohl folgende Bemerkungen hinzuzufügen: Der Schluß der Notiz lautet: „Michelangelo ist es, der das alte Testament in die Kunst einführte." Einer der größten Plastiker aller Zeiten, Lorenzo Ghiberti, der vom Jahre 1381 — 1455, also etwa 100 Jahre vor Michelangelo, wirkte, schufdie berühmten Thüren des Batisteriums in Florenz, von denen Michelangelo bewundernd ausrief, sie seien werth, die Pforten des Paradieses zu sein. Die Hauptthür, 1424-47 angefertigt. enthält in zehn größeren Feldern die Geschichte des alten Testaments: die Erschaffung kleidet waren, deren herrliche Durchbildung gerühmt wird. Auch müssen wir hierbei bemerken, daß schon in den Ghiberti'schen Darstellungen Gott-Vater persönlich vorkommt, zum Beispiel in der wunderbar lieblichen Scene, da Eva, von Engeln getragen, dem Schöpfer entgegenschwebt, wenn Dieser auch nicht in der typischen, großartig tiefen Weise dargestellt ist, welche des großen Michelangelo eigenste Auffassung war. Von Raphael sagt Herr Klacko, daß er sich „fast aus-! nahmsweife" (soll wohl heißen ^ausnahmslos") an die Ge-; stalten des Evangelium gehalten. Wir müssen dabei doch! des großartigen Bildercylus gedenken, welcher den Namen i der „Bibel des Raphael" trägt und welcher zu dem Reizvollsten gehört, das Raphael geschaffen. Die Loggien des Batican, offne Hallen, welche den Hof des heil. Damasus zu drei Seiten umgeben und von dem berühmten Baumeister Giulio des zweiten Bramante begonnen wurden, sind von Raphael und seinen Schülern ausgemalt worden. In Hinsicht auf die Vereinigung der drei bildenden Künste giebt es keinen Ort in Rom, der in gleich harmonischem Geiste den Geschmack jenes Zeitalters zur Anschauung brächte. Hier interessiren uns nur die Malereien der gewölbten Decke, welche in 13 Kuppeln, deren jede in 4 Gemälde zerfällt, die Geschichten des alten Testamentes in Schlichtheit und holder Einfalt darstellen. Wie eine reine Musik ziehen diese Gestalten vorüber, in sich abgeschlossen, voll reiner Genüge des Lebens, ohne übersinnliche Sehnsucht der Sentimentalität. des ersten Menschen; Adam und Eva, wie sie in harter!— Dies Werk entstand etwa um 1513. Arbeit ringend ihre Strafe verbüßen; Noah, sein frommes J Potsdam, im August. Dankopfer darbringend; die Verheißung an Abraham und j Jfaak's Opferung; Esau giebt die Erstgeburt auf; Joseph! und seine Brüder; Moses auf dem Sinai; der Fall von j I. C.PH.