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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-08-24 · Heft 34 (24.8.1880) · p. Seite 541

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 34 (24.8.1880)
Date
1880-08-24
Page
Seite 541 (sequence 13)
Language
German
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541 Die Sehnsucht nach dem Tode. Wohl in jedem Menschenleben kommen Momente vor, in denen der Muth und die Kraft der Seele ihn vor der Ueberlast von Sorge, Leid und Schmerz verlassen, so daß er, müde des Kampfes oder aus Furcht vor der Zukunft, den Tod herbeiwünscht. Gleichgültig ist es hierbei, ob er die Ursache seines Mißgeschickes sich selbst oder Anderen oder dem Schicksale zuzuschreiben hat und zuschreibt. Diese Sehnsucht nach dem Ende des Lebens ist in solchen Augenblicken aufrichtig und ernst. Daß sie stark genug werden kann, um zum Selbstmorde zu führen, dafür giebt cs täglich allzuviel Beispiele, und die Häufigkeit derselben in unserer Zeit giebt kein rühmliches Zeugniß für die Geistesstärke und die Lebenskraft unseres Geschlechtes. Die heilige Schrist zeichnet auch diese Momente im Menschenleben in nachdrücklichster Weise; zugleich zeigt sie aber auch die Nichtigkeit und Eitelkeit solcher Empfindungen, die, so stark sie scheinen, doch eben nur die Stärke der Schwäche besitzen. Hiob läßt in seiner ersten Rede die Klage ertönen (3, 20 ff): „Warum giebt er, (Gott) dem Mühevollen Licht, und Leben Herzbetrübten? Die des Todes harren und er kommt nicht, mehr als nach Schätzen nach ihm graben; Die bis zum Jauchzen sich freuten, frohlockten, so sie ein Grab fänden? Dem Manne, dessen Weg verborgen, den Gott um ihn umzäunte?" und nun? dieser selbige Hiob, der die Stunde feiner Geburt ver- und den Tod herbeiwünschte, ist stark genug, alsbald eine schwere Geistesschlacht zu liefern, und seine Gegner zu überwinden; kurze Zeit und das Glück, das ihn so gänzlich verlassen, stellt sich bei ihm wieder ein. Späteres größer als sein Früheres. Weich' eine Lehre für Alle, die solche schwere Stunden zu bestehen haben! Vermischtes. Eine Anekdote vom Prof. Hebra. Bon dem, in voriger Woche verstorbenen, auf dem Felde der Hautkrankheiten berühmten Prof. Hebra zu Wien, der übrigens auch ein tüchtiger Orientalist war, erzählt man folgende Anekdote: Ein junger Mediciner, Jude, kam eines Tages in das Arbeitszimmer Hebras und thcilte ihm mit, daß er von der Redaction eines medicinischen Blattes den ehrenvollen Auftrag erhalten habe, mehrere Artikel über die glänzenden Leistungen des Herrn Profeffors zu schreiben. „Schön, schön," antwortete der kurz angebundene Professor und arbeitete weiter. Nach einer Weile bemerkt er, daß sich der junge Mann noch immer nicht anschicke, das Zimmer zu verlassen, und richtete an ihn die Frage: „Was wollen Sie denn noch?" — „Ja, Herr Professor," lautete die Erwiederung, „ich weiß Alles, was die Wissenschaft Ihnen verdankt, aber ich bin um einen Titel für die Aufsätze verlegen." — „So," rief Hebra lachend, „na, wenn ihnen nichts Besseres einsällt, so schreiben Sie: üedraiea. (Hebra!) Die Leute werden schon wissen, was Sie wollen." Aus einer amerikanischen Parlamentsverhandlung. Im Parlamente des Staates Aowa (Amerika) kam ein piquanter Zwischenfall bei der Discussion über die Trichine vor. Diese Verhandlung erschien den Deputirten sehr unangenehm und sie genirten sich nicht, die Kammern zu verlassen, wodurch sie die Verhandlungen unmöglich machten. Aber der Präsident, der ein sehr ernster und auf die Würde der Körperschaft, die er mit seiner Weisheit beehrt, höchst bedachter Mann ist, befahl dem Sergeanten, die eines so großen Vergehens schuldigen Deputirten in den Saal zurückzubringen. Unter ihnen befand sich ein Israelit, Herr Moses Blum, aus?)owa- City. Als der Präsident ihn fragte, ob er seine Abwesenheit rechtfertigen könne, erwiderte er mit vielem Geiste folgendermaßen: „Herr Präsident, in dem Augenblicke, als ich den Saal verließ, verhandelte man über die Trichinenfrage. Nun, da meine Erziehung betreffs der Schweinerace fehr vernachlässigt worden, hielt ich mich für unfähig, an den Debatten Theil zu nehmen, und ich zog vor, in den Senat zu gehen, wo ein sehr interessantes Amendement über das Mäßigkeitsgefetz discutirt wurde." Die Kammer fand einstimmig diese Erklärung einleuchtend und legte diesem, mit dem Schweinegeschlecht so wenig vertrauten Deputirten keine Strafe ans. Pensionat and höhere Töchterschule von Frau Dr. I<everson. Harmsver, Thiergarteustr. 4. Jtttfna9mc tum Zöglingen zu jeder Zeit. Näheres durch Prospecte. [8S27s Anzeigen. Ist. Mittchenpensionat. Köln, Marsilstein Str. 11—13. Auf Verlangen Prospecte und die besten Referenzen. [9298] Geschwister Moses. Eine Wirthschafterin, mosaischer Eonfesfion, welche die Küche gut versteht, sucht für sogleich [9890] Simon Cohn, Angerb urg. Schöne grüne Myrlhen z. Laubhüttenf. (Händl. erh. Rabatt) bei L. Villain, Erfurt. [9868]

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