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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-08-24 · Heft 34 (24.8.1880) · p. Seite 534

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 34 (24.8.1880)
Date
1880-08-24
Page
Seite 534 (sequence 6)
Language
German
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534 Frankfurt) durch sein Religionslehrbuch den kräftigsten Impuls gegeben, so daß der eigentliche Religionsunterricht wie mit Einem Schlage in den Lehrplan eintrat, und damit Eltern und Kindern das Judenthum von einer ganz neuen und erhabenen Seite erschien — ebenso groß erwarten wir die Folgen dieser Einführung in die höheren Lehranstalten, wenn sie erst vollständig stattgesunden und die Lehrer sich allseitig dazu geschickt gemacht haben. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Lewandowski's 18 liturgische Psalmen. Essen, 30. Juli 18d0. Seitdem man in unseren Gotteshäusern deutsche Gebete hört, hat sich auch das Bedürfniß nach deutschen Gesängen eingestellt. Man sah sich deshalb in der christlichen Liturgie um und entlehnte daraus Gesänge, denen man Texte unterlegte, die in unserm Gotteshause keinen Anstoß erregten. Existirte in der Gemeinde ein großer Chor, so wählte man Psalmen, Hymnen, Motetten rc. von christlichen Componisten. Ja, für die Kirche haben stets die größten Meister geschaffen. Ich brauche nur an Sebastian Bach zu erinnern, von dem Beethoven sagte: „das ist kein Bach, das ist ein Meer." Dieser hat fast nur im Dienste der Kirche seine unsterblichen Werke componirt. Nun ist zwar auf dem Gebiete der Synagogenmusik schon Achtunggebietendes geschaffen und sind die nächsten Generationen versorgt worden; aber in Einem ist noch ein großer Mangel: es fehlt der Synagoge an Originalcompofitionen mit deutschem Text. Die deutschen Gebete laffen sich nicht mehr aus der Synagoge verdrängen, und ebenso wenig die deutschen Gesänge. Lewandowski, der Schliemann unserer alten traditonellen Synagogengesänge, hat nun auch dem Mangel an deutschen liturgischen Gesängen abgeholfen. Sein mir von Breitkopf & Härtel zugesandtes neuestes Werk: „Achtzehn liturgische Psalmen für Soli und Chor mit Begleitung der Orgel, dem König Ludwig ll. von Bayern zugeeignet", beweist es. Es wird dem Recensenten gewiß sehr angenehm gemacht, wenn es nur zu loben giebt. Und wahrlich, hier hat Lewandowski ein Werk geschaffen, das ihm schon allein, ohne seine anderen berühmten Werke, in der Geschichte der Synagogenmusik einen der ersten Plätze einräumen würde. L. hat Psalmen, oder bisweilen Psalmenoerse gewählt, die sein Innerstes bewegten und diese tonisch eingekleidet. Jeder einzelnen Nummer hört man es an, daß nichts gesucht, sondern gefühlt worden ist, keine Gelegenheitsmufik, sondern das Herz trieb ihn, das in Tönen auszusprechen, was ihn bewegt. Und wenn ein Componist so componirt, hat das Werk nicht nur einen vorübergehenden, sondern einen -leibenden Werth. „Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen." Schon habe ich's a. a. O. ausgesprochen, daß wie nicht alles Gedichtete Poesie, ebensowenig alles Componirte Musik ist. Was Geibel von der Poesie sagt, gilt auch von der Musik: „Die schöne Form macht kein Gedicht, Der schöne Gedanke thut's auch noch nicht; Es kommt drauf an, daß Leib und Seele Zur guten Stunde sich vermähle." Ich begehe gewiß keine Jndiscretion, wenn ich aus einem vor längerer Zeit geschriebenen Briefe des Componisten an den Berfaffer dieses eine Stelle mittheile, wie er componirt. Er sagt: „Ich darf es kühnlich aussprechen, daß ich beim Componiren von geistlicher Musik meine Seele so rein und lauter gestimmt suhle, wie das süße Lallen eines geliebten Kindes," und daß sein ganzes Herz der Synagogen musik gehört, beweisen die Worte: ..nur Eins uehme ich für mich in Anspruch, nämlich: daß ich mit voller Liebe und Begeisterung für die Synagoge schreibe." Welcher von den 18 Piecen der Vorzug einzuräumen ist, das zu sagen, wird gewiß schwer fallen, denn alle sind nND^or-i geschrieben. In der Musik läßt er sich psychologisch erkennen. Hätte er nicht den Text hinzugesügt, so würde man doch den Sinn desselben entnommen haben. Fronlme Ergebung, Vertrauen zu Gott, Gottes Größe, Gottes Lob und frommer Jubel n. s. w. sprechen aus jeder Seite. Ganz hervorragend sind meinem subjectiven Ermessen nach die Psalmen 42, 84, 103 und der 100. Jubelpsalm. Die Form beherrscht L. vollständig. Bei Beurtheilung eines Kunstwerkes ist ja die Formschönheit mit das Maßgebendste. Mozart und Mendelssohn sind es ganz besonders, die sich durch Formenschönheit in ihren Compositionen auszeichnen. Der größte Claviervirtuose der Jetztzeit, Franz Liszt, sagt sehr schön: „Die Form ist in der Kunst das Gesäß eines immateriellen Inhalts, Hülle der Idee, Körper der Seele; sie muß demnach, äußerst fein geschliffen, dem Inhalte sich anschmiegen, ihn durchschimmern und deutlich wahrnehmen laffen. Jeder Mangel an Form ist wie ein den bellen Krystall des Gefäßes trübender Dunst, welcher durch ein Umnebeln und Verhüllen seiner Durchsichtigkeit das Leuchten und Strahlen der Idee hindert." Allerdings haben sich unsere größten Meister, gettieben durch ihre Geisteskraft, weil sie ungewöhnliche Herren der Form waren, nicht gescheut, um neue mustergiltige Formen aufzustellen, die alten zu durchbrechen, denn „der Meister kann die Form zerbrechen, mit weiser Hand zur rechten Zeit." Das konnte sich nur ein Beethoven und auch vorzugsweise in der Instrumentalmusik erlauben. In der Bocalmusik, und insbesondere in der geistlichen, müssen die swengsten Formengesetze beachtet

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