Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1880)
- Date
- 1880-08-17
- Page
- Seite 523 (sequence 11)
- Language
- German
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523 Sonneschein und Spitz aus St. Louis; vr. B. Felsenthal und Liebman Adler aus Chicago; vr. Emil Hirsch aus Louisville; vr. Hahn aus Cleveland; vr. L. Mayer aus Pittsburg; vr. Fluegel aus Kalamazoo; vr. Kalisch aus Newark; I. Moses aus Milwaukee u. a. m. New-Bork war nur durch Herrn M. Ellinger, den ehemaligen Redacteur der Jewish Times, vertreten, da die Rabbiner vr. Huebsch, vr. Gottheil und vr. Böhler durch Amtspflicht am Erscheinen verhindert waren. Während der genannten 3 Tage sanden im Ganzen 5 öffentliche Sitzungen statt. Die erste wurde mit einer Begrüßungsrede des Präsidenten des Vereins, vr. M. Lilienthal, eröffnet, welche eine volle Stunde dauerte und sich über die Tendenz des Vereins und über die Fragen, die das heutige Judenthum bewegen, verbreitete. In der zweiten Sitzung hielt Herr vr. Wise einen theologisch-wiffenschaftlichen Bortrag über „das unwandelbare Gesetz des Mosaismus", worin er nachznweisen suchte, daß nach der Wortfaffung vieler Stellen im Pentateuch und nach Aussprüchen einzelner Talmudlehrer darunter lediglich der Decalog und was naturgemäß aus dem Geiste deffelben fließt, zu verstehen sei. Nur auf den Inhalt des Dekalog's bezieht sich das Verbot: -odd vj-ün f&mm hy ’rD'Din während die übrigen Gesetze und Vorschriften des Pentateuchs von jeher dem Wechsel der Zeiten und Berhältniffe unterworfen gewesen. Nach einer lebhaften Diskussion, die sich an diesen Bortrag knüpfte, hielt Herr vr. Mielziner, Professor am Hebrew Union College, einen Bortrag über „Pädagogik in der Religionsschule." Nach einem Rückblick auf die geschichtliche Entwickelung der modernen Religionsschule aus dem alten Cheder, sprach er über die Aufgabe der jüdischen Religionsschule und über Ziel, Maß und Behandlungsmethode der verschiedenen Unterrichtsgegenstände. Daran schloß sich noch ein kurzer Bortrag des Herrn vr. E. Hirsch speciell über den hebräischen Unterricht. Herr vr. Milziner legte sodann der Versammlung einen Plan zur Rcgulirung der jüdischamerikanischen Religionsschulen vor, welcher einer Prüfungs- Commission überwiesen und schließlich angenommen wurde. In der dritten Sitzung hielt Herr Moritz Ellinger einen Bortrag über „die Stellung der Juden im 1L. Jahrhundert" und Herr vr. Hahn „über jüdische Theologie im Zeitalter der Critik." Der letztgenannte Bortrag, dessen Tendenz zu sehr ins Blaue zu gehen schien, erfuhr in einer darauf folgenden Discusfion manche scharf kritisirende Bemerkung selbst von Seiten der entschieden reformistisch gesinnten Mitglieder der Versammlung, so daß der Redner sich genöthizt sah, in der nächsten Sitzung einige seiner gebrauchten Ausdrücke näher zu definiren und zu modificiren. Die vierte Sitzung wurde mit einem Bortrag des greisen Rabbiners, Herrn Liebman Adler eröffnet, worin er mit Bezugnahme auf Heinrich Heine's bekannten Ausspruch die Frage beantwortete: „Ist cs ein Unglück, Jude zu sein?" Die Bornahme der Beamtenwahlen, die Ernennung von Commissionen und andre geschäftliche Verhandlungen füllten die übrige Zeit dieser Sitzung aus. Unter anderem wurde eine Commission ernannt, um für die nächstjährige Versammlung eine Vorlage zur Besprechung bestimmter Fragen als über Proselyten-Aufnahme, über die jüdischen Speise-Gesetze und über die Stellung des Rabbiners zu seiner Gemeinde auszuarbeitcn und über die Zweckmäßigkeit einer einzuberufenden Rabbiner- Synode zur Entscheidung dieser und ähnlicher Fragen zu berichten. Schließlich hielt in dieser Sitzung noch Herr vr. Falk einen Bortrag über die- Frage: wie ist unsre jüngere Generation für die Interessen des Judenthums zu gewinnen? In der Schlußsitzung las Herr vr. Kalisch eine sprachwissenschaftliche Abhandlung über das Sch'wa vor. Sodann fand eine Gedächtnißfeier zu Ehren des im Laufe dieses Jahres verstorbenen Rabbiners vr. Einhorn statt. Herr vr. Zirndorf hielt auf Einladung die Gedächtnißrede, in der er das Leben und die segensreiche Wirksamkeit des Verstorbenen in würdiger Weise schilderte, worauf alle Anwesenden sich erhoben, um das Kaddisch-Gebet zu sprechen. Nachdem Herr vr. Lilienthal, der wiedererwählte Präsident, ein Resume über die Verhandlungen der diesjährigen Versammlung gab, hielt Herr vr. E. Hirsch in schwungvoller und begeisternder Weise die Schlußrede. Die nächste Jahresversammlung soll in Chicago stattsinden, wo gleichzeitig das nächste Conzil der Union der amerikanischen Gemeinden abgehalten werden wird. Das Protokoll der diesjährigen Versammlung und die Auswahl der in derselben gehaltenen Borträge wird in dem nächstens erscheinenden ersten Hefte des vom Verein herauszugebenden Hnarterlv llabbinieal veröffentlicht werden. Was die soeben geschlossene Versammlung amerikanischer Rabbiner besonders charactcrisirte, ist der Geist der Eintracht, Besonnenheit und Mäßigung, der in allen Sitzungen waltete. Wenn der Verein diesen Geist stets bewahrt, wird er sicherlich auf die Gestaltung des amerikanischen Judenthums einen sehr heilsamen Einfluß ausüben. M. — Bonn, 6.Aug. (Notizen). Man schreibt uns aus Wcstcrcappeln bei Osnabrück vom 31. Juli. „Heute feierte die „hiesige Gemeinde das 50jährige Jubiläum der Einweihung der „Synagoge. Schon früh versammelte sich die ganze Gemeinde „in der festlich geschmückten Synagoge zum Gottesdienste. „Lehrer Heß hielt die Festrede, worin er besonders die Heilig- „haltung des Gotteshauses hervorhob. Nach dem Schluffe „des Gottesdienstes war fröhliche Zusammenkunft. Bon den- 33*