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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-08-17 · Heft 33 (17.8.1880) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 33 (17.8.1880)
Date
1880-08-17
Page
Seite 521 (sequence 9)
Language
German
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521 Von der Donau, 3. August (Privatmitth.) Die Hetzereien Jstöczy's und Genoffen gegen die Inden nehmen einen immer ernsteren Charakter an. Bis jetzt haben sich nicht weniger als 76 antisemitische Vereine im Lande gebildet. An Judenhaß fehlt es jetzt auch in dem sonst so toleranten Ungarn nicht. So wurden in letzterer Zeit in Ada, wie man „Függetlens6g" berichtet, wiederholt Zettel gefunden, welche Drohungen gegen die Juden enthielten und mit den Worten „der Bicepräfident des Executiv-Comitss" unterzeichnet waren. In Erlau wurde das Jubiläum des 25jährigen Bestandes der dortigen jüdischen Gemeindeschule am 28. v. M. festlich begangen und mit solennem Gottesdienst, Bertheilung von Prämien und einem Banket gefeiert. Dem Lehrer Lakner, der gleichfalls sein 25jähriges Lehrerjubilüum feierte, wurde ein Silderpocal mit paffender Inschrift überreicht. Schweiz. St. Galle«, im Juli. (Privatmitth.) Das Formular für die eidgenössische Volkszählung wird Heuer zum ersten Male auch den Israeliten Gerechtigkeit widerfahren lassen. Bisher führte es unter der Rubrik „Confesfion" nur die drei Unterabtheilungen auf: Kacholiken, Protestanten, Israeliten und andere Nichtchristen; ein Umstand, der, wie wir in unserer „Statistik des Judenthums" rc. hervorgehoben, zu manchem Mißverständniß und Mißbrauch Anlaß gab. Unsere diesbezügliche Ausstellung scheint nun vom h. Bundesrath wohl berücksichtigt worden zu sein, denn nach dem jüngsten Beschluß deffelben soll im betr. Formulare für die nächste, am 1. Decbr. 1880 stattfindende, Volkszählung obige Rubrik 4 Unterabcheilungen enthalten und zwar: Katholiken, Protestanten, Israeliten, andere Bekenntniffe. vr. E. Marokko. Madrid, 4. August. Das hiesige Cabinet erhielt sehr alarmirende Nachrichten über eine Revolution in Marokko, welche sich bis an die Mauern der Residenzstadt Fez erstreckt. Die katholische Mission und die Juden find in großer Gefahr. Amerika. Detroit, (Mich.) 16. Juli. (Privatmitth.) Am letzten Dienstag, d. 13. dieses M., Abends um 7 Uhr, hielt die Rabbinical Literary Association ihre erste jährliche Versammlung im Tempel der Baith-El Gemeinde allhier. Es waren im Ganzen etwa 20 Rabbiner und Borbeter aus den verschiedenen Staaten und Städten der Ber.»Staaten erschienen. Cincinnati war durch die Herren Doctoreu Mielziner, Lilienthal und Wise, St. Louis durch Revs-Sonneschein und Spitz, Chicago durch Felsenthal, Adler und Norden und Louisville durch vr. Hirsch jun. vertreten. — Die Rabbinen der hervorragendsten Städte des Ostens, Südens und Westens waren nicht zugegen. Herr Ellinger, früher von der Jewish Times, vertrat allein New-Aork. Boraussetzend, daß Ihrem w. Blatte noch sonstige Berichte über die Detroit - Versammlung zukommen werden und um Wiederholungen zu vermeiden, will ich mich kurz faffen. Vorsitzender der Versammlung war Herr vr. H. Lilienthal aus Cincinnati, der Veteran, der jüngst sein 25jähriges Jubiläum mit seiner Gemeinde gefeiert. — Secretär war ein junger Mann, — der Ihnen minder bekannt ist, den aber Ihre Leser doch kennen lernen müssen. Es ist nämlich der „Ehrwürdige" — Jsaac Moses, der Held der jüngsten Mischehe-Trauung unweit Milwaukee, Visconfin, der geistliche Ritter der „Runaway escapade“ (letzterer Ausdruck gehört dem K Y. Jewish Messenger,) ein Herr, jung an Jahren aber reich an Erfahrung, der Heinrich Heine das schlaue Weltgeheimniß „oser“ Wagen, abgelauscht; der, nach Hillel, einer schönen Heidin, staute pede, die Quintessenz des Judenthnms gelehrt und sie im Nu einer reichen Israelitin angetraut hat. Dieser Herr war Secretär der Rabb. Association So mancher College fühlte das Bedenkliche der Sache? Man schwieg aber doch. Denn hier zu Lande ist Schweigen Gold. Hier muß man nicht bloß mit den Wölfen heulen, sondern auch mit den Füchsen schweigen! Programm der Rabb. vit. Ass. waren Vorträge und Discuffionen theologisch-literarischen Inhalts. Folgende sind in Kürze die mehr hervorragenden Leistungen dieser Versammlung. — Eröffnungs- und Schlußrede des Vorsitzenden Hr. vr. M. Lilienthal; Borträge von vr. Jsaac M. Wise, vr. Milziner, M. Ellinger, Rev. L. Adler, vr. Hirsch jun., vr. Zirndorf und Hahn. Herr. vr. Lilienthal sprach, wie gewöhnlich, practisch und zur Sache. Hr. vr. Wise sprach über das Thema (5. B. M. 4, 2): „Ihr sollet nichts hinwegnehmen noch hin zuthun." Er meinte, der Gesetzgeber hätte einzig und allein die zehn Gebote hier im Auge. Alles Uebrige des Pentateuch kannte er entweder nicht, oder war ihm nicht Thora. Alles, außer den zehn Geboten, ist mehr oder weniger infO nmt’nn mso, nur für Palästina, als specistsch jüdisches Land, bestimmt. Die jetzige Reform, die keinesfalls an den Zehn-Geboten rüttelt, ist somit legitim und entspricht vollständig der bewußten These (-.O'ON rr^> ijn:m rr>). Diese Behauptung ist offenbar willkürlich, problematisch und höchst bequem — man könnte nur fragen: warum denn die Zehn- Gebote? Und warum soll denn diese These ursprünglich sein? Es war die einzige rabbinische Arbeit der Sitzung. Herr vr. Mielziner gab ein Essay über Erziehung. Dasselbe kennzeichnete den gediegenen Gelehrten und den Meister im Unterrichtswesen. Seine Vorschläge bezüglich des Hebräi- 33

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