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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-08-10 · Heft 32 (10.8.1880) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 32 (10.8.1880)
Date
1880-08-10
Page
Seite 504 (sequence 8)
Language
German
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504 einigen Orten von den Juden besonders zu bezahlenden „Neujahrsgelder" beantragt. In der heutigen Sitzung wurden die einzelnen Artikel und das ganze Gesetz mit 76 Stimmen gegen 66 der ultramontanen Partei angenommen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß auch der Reichsratb dem Gesetze seine Zustimmung geben wird. Uebrigens zeigte sich auch hier was davon zu halten ist, wenn der Führer des Centrums im deutschen Reichstage Dr. Windthorst stets für die Gleichberechtigung aller Confessionen einzutreten sich den Anschein giebt. Filehue, 26. Juli. (Privatmitth.) In Nr. 22 Ihres Blattes wird Ihnen aus Berlin geschrieben, die Germania" sei außer sich darüber, daß auf den höheren Lehranstalten im Regierungsbezirke Oppeln die Schülerzahl bei den Katholiken im Abnehmen, bei den Juden im Zunehmen begriffen ist; das genannte Blatt nehme diese Wahrnehmung für einen neuen Beweis für die zukünftige „Herrschaft der Juden." In den Spalten der „Germania" eine solche Auslaffung zu finden, wird Niemand in Erstaunen setzen, der die Richtung dieses Blattes kennt. Bedauerlich erscheint mir nur, daß in pädagogischen Kreisen der hohe Procentfatz der jüdischen Schüler auf den höheren Lehranstalten ähnliche Besorgniß wach gerufen. So finde ich in dem Juniheft des ersten Jahrganges (1879) von Dittes' „Pädagogium" (Leipzig, Klinkhardt) einen Aufsatz von einem Oberlehrer Venediger in Spandau, in welchem aus dem statistischen Daten über den Besuch der höheren Lehranstalten der Sieg des Judenthums über das Germanenthum prophezeit wird. Befremdend war mir, daß eine solche Arbeit Aufnahme gefunden; in einer Zeitschrift, welche die Reform unserer Schulen im Geiste von Roffeau und Herbert Spencer anstrebt. Der Herausgeber deffelben, Director des Wiener Lehrer-Pädagogiums ist religiös und politisch fteigefinnt. In seiner „Erziehungslehre" spricht er der jüdischen Schuljugend hervorragende Begabung und besonderen Fleiß zu. — Vielleicht bringen uns diese Zeilen, wenn sie zum Abdruck kommen, die Lösung des Räthsels. Wolf Becher. Großbritannien. Laudon, im Juli. (Privatmitth.) Die Anglo-Jowish Association hat ihren 9. Jahresbericht ausgegeben. Die Thätigkeit des Vereins, meist in Verbindung mit dem Board of Deputies und der Alliance israelite universelle, galt im verflossenen Jahre besonders den Israeliten in Rumänien, Marokko und Tripolis, außer den Schulen, die der Verein im Oriente unterstützt. Wenn der Bericht die erlangten Resultate wohl in einem etwas günstigen Lichte betrachtet, so darf man niemals vergesien, wie viel der Uebel durch das Dazwischentreten dieser Vereine verhindert wird. Sie besitzen keine Macht und ebensowenig Geldmittel, um die Würdenträger der halbcivilisirten Staaten zu Milde und Schonung zu bewegen. Sie können nichts weiter, als die Regierungen der Großmächte ersuchen, im Namen der Gerechtigkeit und und Humanität den Gewaltthätigkeiten durch ihr Ansehen ein Ende zu machen, was eben nur von Fall zu Fall hilft. Der Verein hat im verfloffenen Jahre zwei neue Zweigvereine gewonnen, so daß er gegenwärtig 29 zählt. Der Bericht läßt sich nun zunächst über Rumänien, Marokko, Serbien, Bulgarien, und Tripolis aus, wo zwar nichts Neues heran" gebracht wird, doch aber die Darstellung und einige Schriftstücke Ergänzungen für das historische Material bieten. Hierzu dienen auch die Beilagen, vorzüglich Auszüge aus den Reisen Lionel E. Pyka's in Serbien, Bulgarien, Ostrumelien und Rumänien. Es werden darin mancherlei Details gegeben , auf welche Sie vielleicht i. d. Blatte eingehen mögen. In der jüngsten Zeit haben die Juden in Bagdad die Aufmerksamkeit durch die schwere Hungersnoth auf fich gezogen, die unter ihnen wüthete. Auch über die Lage dieser uralten Gemeinde wird ein intereffanter Bericht mitgetheilt. An der Spitze des Vereins steht bekanntlich Baron Henry Dr. Worms und Sekretär ist Rev. A. Loewy. Marokko. Paris, 30. Juli. Zu derselben Zeit, wo die Großmächte auf Antrag Oesterreichs sich der Marokkanischen Regierung gegenüber in allgemeinen Sentenzen über die Gewiffensfteiheit ergehen, und der Marokkanische Gesandte die wärmsten Verheißungen abgiebt, findet folgender authentisch berichteter Vorfall statt: „Zu Entifa, im District Kabylia, zwei Tagereisen von dieser Stadt lebte ein reicher wohlangefehener Israelit. Während der letzten Hungersnoth nahm er eine unglückliche vor Hunger fast sterbende Maurin in feine Familie auf. Er behielt sie mehrere Monate bei sich, aufs großmüthigste alle ihre Bedürfniffe befriedigend. Bvr einigen Tngen nun sagte ihm diese Frau, daß sie fich jetzt ihr Brod wieder selbst verdienen könne, da die Zeiten besser geworden seien. Sie sagte also ihm und seiner Familie Lebewohl und küßte ihm auf der Schwelle seines Hauses als Zeichen der Dankbarkeit die Hand. Wahrscheinlich waren einige Mauren Zeugen dieser Abschiedsscene und hinterbrachten die Thatsache dem Ca'id, der, in Betracht nehmend, daß der Israelit ein Verbrechen begangen habe, indem er fich von einer muselmännischen Frau die Hände habe küssen lassen, denselben ergreifen, ins Gefängniß führen, ihn an der Erde ansstrecken, am Boden an allen vier Gliedern „fest nageln und ihm so lange Stockschläge ertheilen ließ, bis er seinen Geist aufgab." Der Gouverneur bewilligte nicht daß der Körper den Israeliten zur Beerdigung ausgeliefert

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