Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1880)
- Date
- 1880-08-10
- Page
- Seite 500 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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500 halten. Vielmehr nimmt die Schilderung der geistigen THL-- J tigleit und Richtung, der sittliche Zustand und die soziale j Lage der Juden in den gedachten Ländern und Zeiten den j bedeutendsten Raum des Werkes ein. Er beginnt hier mit R. Gerschom und Raschi und sieht mit Recht von diesen Männern aus den charakteristischen Weg laufen, den die Nordfranzosen und Deutschen verfolgten, sieht die Grenzen entworfen, innerhalb deren sie sich bewegten. An eigentlichem wisienschastlichen Geist und Schwung und schöpferischem Genie standen sie weit hinter den Spaniern zurück. Dagegen waren sie tüchtige Exegeten für Bibel und Talmud. Zwar waren sie auch hier von beschränkterem Gesichtskreise, hielten sich längere Zeit allzusehr an die talmudisch-midraschische Auslegung und als sie sich von dieser freigemacht, gingen sie dem einfachen Wortfinn nach. Aber gerade auf diesem Wege übten sie auf die Masse einen belebenden und erhaltenden Einfluß, und hohen deshalb für die Schriftauffassung und das Schriftverständniß weit mehr gewirkt, als ihre geistreicheren Genossen in Spanien. Wo sie mit der maimonidischen Richtung zusammentrafen, verhielten sie sich negirend, bis sie, vom Unglück niedergedrückt, den Kampf gegen die philosophische Richtung aufgaben und um so mehr auf die halachischen Schriften des Maimonides fußten. In dieser Erhaltung, Verbreitung und Erweiterung des Bibel- und Talmudstudiums liegt das anzuerkennende Verdienst der Franzosen und Deutschen in dem Zeitraum, den der Verfasser behandelt. Es ist neben den spanischen Geistesheroen sekundär. aber für die dunkeln Zeiten, die hereinbrachen, und die Masse der Geister war es von unschätzbarem Werthe. Und dies so recht anschaulich gemacht zu haben, und uns in die geistige Werkstatt dieser Zeiten Hineinblicken zu lassen, ist wiederum das Verdienst des vorliegenden Werkes. Sein Interesse liegt nicht in der eben nicht vorhandenen Großartigkeit, sondern in den Details, die überall gut und bestimmt gezeichnet find, und für welche aus dem bald reicheren, bald ärmeren Material das Wesentliche mit Takt hervorgehoben wird. In den beiden ersten Capiteln wird der Auf- und Niedergang in Nordftankreich während des 11. 12. und 13. Jahrhunderts geschildert; im 4. und 5. Capitel die eigenthümlichen Erscheinungen in Deutschland vom 9. bis zum 14. Jahrhundert bis zu Juda Chassid und Meier aus Rothenburg. Des Ersteren „Buch der Frommen" wird im 6. Capitel, im 7. der jüdische Aber- Zauber- und Hexenglaube in Frankreich und Deutschland im 12. und 13. Jahrhundert und im 11. das Schicksal der Juden in beiden Ländern im 14. Jahrhundert geschildert. Ausführliche Noten werden noch über die Synoden und Verordnungen des Mittelalters, die „Gesetze der Lehre", d. i. die schon erwähnte Schulverfassung, die Sprachee der Juden in der Rheingegend und noch über das „Buch der Frommen" beigebracht. Man sieht hieraus, daß der Verfasser seinen Blick nach vielen Seiten hin gewendet hat, und uns außer dem Allgemeinen über vieles Einzelne Belehrung bringt. cyywcLC fyzicfykew. Deutschland. Berlin, 1. August. (Privatmitth.) Daß die „Germania", nachdem der jüngste Feldzug auf dem kirchenpolitischen Kampfplatz so gänzlich mißlungen, die Campagne wider die Ju- | den eröffnet hat, wurde in d. Bl. bereits bemerkt. Es zeigt Berlin, 29. Juli. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde j sich hierbei so recht, daß es durchaus nur agitatorische Zwecke Schachere Hadtes hat die evangel. Kirche des früheren sind, welche die ultramontane Presse bei ihren Hetzereien Arbeitshauses (Königl. Jndustriegebäudes Nr. 3—4 Alexander-1 gegen die Juden verfolgt, den Zweck, alle Confesfionen gegen platz) erworben und zu einer ständigen Synagoge umgewan-! einander zu hetzen, die katholische Bevölkerung mit Haß gedelt. Dieselbe wird erst an den Herbstfeiertagen eröffnet.! gen alle Nichtkatholiken zu erfüllen, und sie so dem hierar- — Die Arnim'schen Festräume (u. d. Linden) bleiben nachj chischen Joche unterthan zu erhalten. Denn gerade in den wie vor für die hohen Festtage für gottesdienstliche Zwecke | jüngsten Kämpfen um die Verhandlungen Preußens mit dem der Gemeinde verfügbar. Beide Andachtsstätten umfassen j Vatican und die kirchenpolittsche Vorlage, sowie bei der 2—3000 Sitzplätze und find höchst stylvoll und elegant.; Ordensfrage in Frankreich und dem Abbruch der diplomati- Jnsbesondere ist die erstgenannte Synagoge nächst der Haupt-! schen Verbindung mit der römischen Curie Seitens Belgiens synagoge in der Arnimburgstr. die schönste der Residenzstadt. , hatten die Römlinge nicht die entfernteste Veranlassung, die Der erste Rabbiner der genannten Gemeinde, Dr. Narcher Juden irgend einer Betheiligung anzuklagen, und das Wort ist gleichzeittg behufs periodischer Amts-Jnspection honoris; „Jude" war aus ihren Zeitschriften verschwunden. Fangen causa zum Rabbiner des Synagogen-Bezirks Baerwalde er-1 sie nun jetzt wieder von vorne an, in allen möglichen Tonnannt. — , arten auf die Juden zu schimpfen, so führen sie vor Aller