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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-08-10 · Heft 32 (10.8.1880) · p. Seite 499

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 32 (10.8.1880)
Date
1880-08-10
Page
Seite 499 (sequence 3)
Language
German
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4yy Ausdruck bringt und sie für unantastbar innerhalb ihrer Lehren erklärt, eine solche Religion hat eben diese Dogmen, diese Lehren, diese Glaubenssätze. Ob es Juden giebt, welche das eine oder das andere dieser Dogmen bezweifeln oder gar verneinen, thut zur Sache nichts, gerade wie eine christliche Kirche an sich dadurch nicht tangirt wird, daß zahllose ihrer Bekenner dieses oder jenes ihrer Dogmen leugnen oder nach ihrer Weise deuten. Diese Dogmen des Judenthums sprechen seine Religionsschristen von ihrer ersten bis zu ihrer letzten Seite in bestimmtester Weise aus. Jedermann kennt sie und jeder wirkliche Jude bekennt sie. Es ist dies auch hinlänglich selbst von christlichen Autoritäten anerkannt, und ein jüngster christlicher Philosoph sagt in dem Abschnitt über die Geschichte der Philosophie: „Das Judenthum hat keine der Vernunft unzugängliche Dogmen" — er sagt also nicht: das Judenthum hat keine Dogmen, sondern: es hat keine solche Dogmen, welche von der Vernunft nicht begriffen und begründet werden können. Und ebenso sehr ist das Judenthum eine Confession. Man meint nämlich: das Judenthum habe seine Dogmen nicht in eine Reihe bestimmter Dogmenformeln gebracht, die das Bekenntniß des gläubigen Juden bilden, und auf die deshalb hingewiesen werden könne, wenn man nach dem Bekenntniß des Judenthums srägt. Dem ist aber nicht so. Das Judenthum hat eine bestimmte Bekenntnißformel aufgestellt, die es als die Quintesienz und das Fundament seines dogmatischen Inhalts, als die einzige Wurzel seiner ganzen religiösen lleberzeugung anerkennt, die cs als Bekenntnißformel jedem seiner Bekenner auf den Mund legt und als sein religiöses Wahrzeichen betrachtet und behandelt. Diese Bekenntnißformel als solche wird bereits 5. Mos. 6, 4. proklamirt: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott ist einig — einzig." Abgesehen davon, daß dieses ihn als Angelpunkt der Gotteslehre bei den Propheten immer wiederkehrt, so ist dieses yor das Hauptmoment in dem ganzen jüdischen Gottesdienst, der Haupt- und Mittelpunkt des Morgenwie des Abendgottcsdienstes; es giebt keinen öffentlichen jüdischen Gottesdienst, in welchem es nicht mit möglichster Feierlichkeit recitirt wird; jedem Juden, auch in seinem häuslichen Gottesdienst und in seinem für sich gesprochenen Gebete, ist das täglich mehrmalige Recitiren dieser Bekenntnißformel zur Pflicht gemacht; wenn die Seele aus dem Körper scheidet, soll die erkaltende Lippe diese Worte sprechen, und sie der scheidenden Seele von dem Umstehenden nachgerufcn werden; mit diesen Worten hauchten zahllose Märtyrer aus dem Scheiterhaufen den letzten Schmerzensruf, die letzte Kundgebung ihrer Ueberzeugung aus, und wenn sich Juden in fernen Weltgegenden begegnen, und sich einander zu erkennen geben wollen, sprechen sie diese Bekenntnißformel aus. Ja, das Judenthum hat die Verkündigung, Bertheidigung und Verbreitung dieses und keines anderen Bekenntnisses als seine Mission angesehen und vor sich her getragen. Es ist daher ganz unmöglich, diesem Schma die Natur und den Zweck einer Bekenntnißformel nicht zuschreiben zu wollen. In ihr concentrirt sich die ganze Lehre des Judenthums, und wer nach Dieser fragt, erhält Jene zur Antwort. Das Judenthum hat also unzweifelhaft eine bestimmte und allgemein anerkannte Bekenntnißformel und ist also ein Bekenntniß, eine Confession wie jede Andere. Denn man wird doch wohl nicht einwenden, daß es bei einer religiösen Confession aus eine ganze Anzahl hergebrachter Bekenntnißformeln ankomme, auf eine Menge aufeinander geschichteter Sätze. Im Gcgcntheil; je einfacher und abgerundeter ein Bekenntniß in seiner anerkannten Formel ist, desto eher wissen Freund und Feind, worin es bestehe und worin sein Fundament gelegen sei. Und nun kann Niemand verkennen, daß diese Bekenntnißformel des Judenthums auch in ihren einzelnen Ausdrücken einen großen und wesentlichen Inhalt hat, welcher der Auslegung und Ausdeutung ein weites Feld eröffnet, und hierzu zu aller Zeit benutzt und bearbeitet worden ist. Also auch nach dieser Richtung hin fehlt dem Schma der wahre Werth einer Bekenntnißformel nicht. — Diese Auseinandersetzung, so kurz und bündig wie sie ist, wird genügen, die Unrichtigkeit jener Behauptung zu erweisen, welcher eine so entscheidende Kraft in einer höchst wichtigen Frage beigelegt worden, in einer Frage, welche eben so sehr das ganze Princip der Gleichberechtigung wie das Geschick einer von den Behörden als tüchtig anerkannten Persönlichkeit bcttifft. Literarischer Wochenbericht. Bonn, den 1. August. Im Jahre 1673 veröffentlichte Dr. Güdemann in Wien ein recht gutes Buch: „Das jüdische Unterrichtswesen wahrend der spanisch-arabischen Periode." Diesem ließ er vor Kurzem eine Fortsetzung folgen: „Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden in Frankreich und Deutschland, von der Begründung der jüdischen Wissenschaft in diesen Ländern bis zur Vertreibung der Juden aus Frankreich (X—XIV. Jahrhundert). Nebst handschriftlichen Beilagen. Wien 1660. Alfred Hölder." Man ersieht schon aus dem Titel, daß der Verfasser sich in dieser zweiten Schrift ein viel größeres Feld erwählt hat, indem er sich nicht aus das Erziehungswesen beschräntt, sondern die ganze Cultur der Juden in Frankreich und Deutschland während des 10. bis 14. Jahrhundert in Betracht zieht. Das bez. Erziehungswesen hätte ihm auch nur geringen Stoff geboten. und ist vorzugsweise in einer „Schulverfaffung" aus dem 13. Jahrhundert, die allerdings hochinteressant ist, ent- 32* i J

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