Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1880)
- Date
- 1880-08-03
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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489 der Papst nur für die Katholiken in Marokko eingetreten ist; aber auch für diese nichts erreicht hat. Wir können also während der saison morte von den Ultramontanen wieder allerhand Liebliches erwarten. (Redaktion d. A. Z. d. I.) O esterreich-Ungarn. Lemberg, 20. Juli. (Privatmitth.) Wie überall kämpfen die Katholiken in geschloffenen Reihen für das katholische Schulwesen, und sehen den als ihren Freund an, der ihren speziellen Bestrebungen, wenn sie die allgemeinen Staats-, Provinzial- und städtischen Mittel für ihre Zwecke in Anspruch nehmen, mit dem allgemeinen Jntereffe entgegentritt. Die Unterrichtscommission des jetzt hier versammelten Landtages beantragt die Errichtung eines Internates für katholische Lehramtscandidaten, natürlich aus Provinzialmitteln. In der gestrigen Sitzung fand eine lebhafte Debatte statt, an der sich die Abgeordneten jüdischer Religion, vr. Goldmann und vr. Rappaport betheiligten. Beide betonten die Verletzung der confessionellen Gleichberechtigung in den Bestimmungen des Antrages, da sehr bedeutende Mittel für eine spezifische Confession und zu einem gänzlich abgeschloffenen Institute verwendet werden sollen, während andere Confeffionen ganz unbedacht bleiben. Die Opposition hatte allerdings keinen Erfolg; die Mehrheit nahm den Antrag an, indem man lieber gar kein Seminar als ein interconfessioneües haben wollte. Einige katholische Redner, und nach ihnen ihre Blätter machen nun obendrein den Juden noch dazu Borwürfe: sie hätten doch die Gleichberechtigung und trügen immer wieder Klagen über deren Verletzung vor. Nun, die Gleichberechtigung hat nicht allein negative Seiten, d. h. Aufhebung von Beschränkungen, sondern auch positive, daß sie, die Juden, nicht bloß für die Institute andrer Confessionen zu steuern haben, sondern auch ihren rechtmäßigen Antheil daran erhalten. Lemberg, 22. Juli. Man meldet von hier: „der galizische Landtag hat eine Resolution angenommen, wonach der jüdische Religionsunterricht in polnischer Sprache ertheilt werden soll". Es ist dies eine Antwort auf die Entscheidung des Reichsgerichts betreffs der deutschen Schulen in Brody. Allein eine Resolution des galizischen Landtages ist noch kein Gesetz und kein Mensch wird auf sie reflektiren. Daß übrigens solche anscheinend durchgreifende Resolutionen zu nichts führen, hat der galizische Landtag in seiner Sitzung vom nasium zu Brody hauptsächlich aus den-Mitteln der Gemeinde erhalten wird, ohne die Landesmittel herbeizuziehen, daß sowohl die Bewohner Brodys als die Schüler dieses Gymnasiums die deutsche Sprache als ihre Muttersprache ansehen, daß wider diese Vereinbarung keinerlei Protest weder von einer autonomen Gemeinde, noch aus der Mitte der Stadt Brody erhoben wurde, und daß kein gesetzlicher Grund vorhanden ist, auf den man eine Ablehnung dieses Vorschlages stützen könnte. Da ferner der Ausschuß nicht durch lieber macht den Einwohnern von Brody eine Sprache aufzwingen möchte, die sie selbst nicht begehren, so schlägt er die Bestätigung der in Rede stehenden Vereinbarung vor". — Es ist so lange den absoluten Regierungen gegenüber die Selbstverwaltung der Gemeinden geltend gemacht worden, daß die Nationalitäten jetzt überall durch ihre autocratischen Bestrebungen mit der Gemeindefreiheit in Conflict geräth. Frankreich. Paris, 22. Juli. Zu dem am 14. Juli gefeierten Nationalfeste ist eine große Zahl Orden der Ehrenlegion vertheilt worden. Selbstverständlich befanden sich unter den Dekorirten auch Juden. Ueberraschend war es, die Zahl der Letzteren größer zu sinden als in früheren Jahren. Dabei sind es nur Männer in Amt und Würde, welche ausgezeichnet worden, keine einzige Finanzgröße. Es ist daher gewiß intereffant, die Liste derselben zu lesen: Commandeure: vr. Gennain See, Arzt am Hotel Dieu in Paris, Mitglied der medizinischen Academie, Profeffor an der Fakultät der Medizin, altes Mitglied des Central-Consistoriums der Israeliten von Frankreich. — Hasse (Jacob), Oberarzt erster Klaffe im Stabe von Paris, Bruder des ehrenwerthen Mitglieds des Central-Consistoriums. Offiziere: Levytier, General-Zahlmeister zu Toulon. — Levy (Simon), Escadronschef im 8. der Artillerie. — Jacob (Gustave Leon), Obristlieutenant. — Polack (Eraest), Verwalter der Eisenbahnen vom Norden Spaniens, Sohn des alten Sekretärs des Pariser Consistoriums. — Bedarride, Advokat in Aix, Stabführer des Standes. — Schnerb, Prefekt zu Vaueluse. — Ritter: Cohn (Leon), Prefekt von Loire et Cher, Sohn Albert Cohns. — Hement, Redakteur am Temps. — Levy (Isaac), Groß- Rabbiner von Besoul. — Kanoni, President des Consistoriums 1 von Oran, Generalrath des Departements. — Gaffre, Arrondiffementsrath, Maire von Bincennes. — Weill (Isaac), Doctor 17. selbst erfahren. Die Nnterrichtscommission erstattete ihren Bericht über die zwischen der Stadt Brody und der Regierung vereinbarte Kompletirung des Gymnasiums der Stadt Brody unter Einführung der deutschen Unterrichtssprache in sämmtlichen Claffen. Die Commission beantragte die Bestätigung dieses Paktes, und ihrem Berichte ist solgende Stelle zu entnehmen: „Der Ausschuß ist der Ansicht, daß das Gymder Medizin, Direktor des Rothschild'schen Hospitals. — Bedarrides, Vice-President des Generalraths des Böuches-du- RhOne, Maire von Aix. — vr. Carcassonne, Oberarzt der Civil- und Militärspitale von Nimes. — Simon (Samuel), erster Adjunkt des Maires von Chaumont. — Klein (Joseph). Capitän im 12. der Linie. — Terquem, Profeffor an der Fakultät der Wiffenschaften in Lille. — Fould (Henri), Mit- 31