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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-08-03 · Heft 31 (3.8.1880) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 31 (3.8.1880)
Date
1880-08-03
Page
Seite 488 (sequence 8)
Language
German
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488 a. confessionell gemischte Stiftungen: Neue Stiftungen für Wohlthätigkeit 15000 M., Fundationszuflüffe für Communalzwecke 16000 M., für Unterricht 2000 M., für Wohlthätigkeit 2965 M. 12865 M. hiervon wurden von Protestanten und der Rest mit 23100 M. wurde von Israeliten gespendet. b. Katholische Stiftungen: Fundationszuflüffe für Cultuszwecke 1600 M., durchaus von Katholiken gespendet. c. Protestantische Stiftungen: Neue Stiftung für Wohlthätigkeit 20000 M., Fundationszuflüffe für Cultuszwecke 741 M. 43 Pf., durchaus von Protestanten gespendet. d. Israelitische Stiftungen: Fundationszuflüffe für Unterricht 2325 M. 70 Pf., für Wohlthätigkeit 8474 M. 30 Pf., durchaus von Israeliten gespendet. Ich bemerke dazu, daß die Bevölkerung hiesiger Stadt am 1. Dezember 1875 war: Katholiken 301'.', Protestanten 20028, Israeliten 3317, Dissidenten 96. Von Katholiken (14,32 'Yo der Bevölkerung) rühren also 2,31" 0 der Stiftungen, von Protestanten (73,2 % der Bevölkerung) rühren 48.63% der Stiftungen und von Israeliten (12,12 % der Bevölkerung) rühren 49,06 % der Stiftungen her. Wie vordringlich doch diese Juden sind, Stiftungen zu bedenken. Und dazu erhalten sie noch ihren Cultus ganz auf eigne Kosten und steuern zu Vereinen und Privatunterstützungen ungezählte Summen bei, ohne daß ihr Name bekannt wird. O heiliger Stöcker! Coburg, im Juli. (Privatmitth.) Vor einigen Jahren wurde in diesem Blatte erwähnt, daß sich allhier eine jüdische Gemeinde bildete und zwar ohne staatlichen Schutz und Zwang, lediglich aus dem fteien Willen und der Opferwilligkeit der Mitglieder. Selbstverständlich traten nicht alle hiesigen Juden bei. Das Werk, gewiß ein gottgefälliges, ist vollständig gelungen und gedeiht von Jahr zu Jahr mehr. Unser Gottesdienst ist ein sehr erhebender und erweckt den innigsten Antheil. Wir haben das Goldschmidt'sche Gebetbuch eingeführt und benutzen zur Ausfüllung für deutsche Gebete das Ihrige. Unsere Schule zeichnet sich durch tüchtige Leistungen aus. Ein Frauenverein sorgt für die ihm zukommenden Wohlthätigkeitszweige. Wir besitzen einen eignen wohlgepflegten Friedhof, in welchem wir zwar die Leichen auch solcher Juden, die sich von der Gemeinde fern halten, aufnehmen, selbstverständlich jedoch gegen eine ausreichende Vergütung. So hoffen wir, daß unter dem Schutze Gottes, unsere Gemeinde immermehr erblühen und wachsen und das schöne Streben, das sich hier bethätigt. niemals erschlaffen wird. Da eben unsere Gemeinde nur ein Werk der Freiwilligkeit ist, halte ich diese Notizen für nicht ohne Interesse. Bremen, 19. Juli. Die hier erscheinende „Deutsche wirthschaftliche Correspondenz" enthält in Nr. 4 einen statistischen Artikel, der auch über die Mischehen zwischen Juden und Christen beachtenswerthe Zahlen enthält. So haben in den Jahren 1876 bis 1878 in Preußen solche Mischehen stattgefunden: 1876 256 bei 221,712 Eheschließungen überhaupt, also 0,114 pCt.; im Jahre 1877 219 auf 210,357 also 0,104 pCt.; 1878 116 bei 207,716 überhaupt geschloffenen Ehen, also 0,104 pCt. Die Zahlen zeigen, daß die Erscheinung der Mischehen den allgemeinen Stand der Berhältniffe nicht wesentlich alterirt, und der Rückgang, in welchem sie begriffen ist, ist beachtenswerth. — In demselben Artikel wird das numerische Berhältniß der Confesfionen an dem Contingente der Irrsinnigen, Blinden und Taubstummen erörtert, und es stellt sich hierbei heraus, daß die Juden stärkere Prozentsätze hierbei stellen, als die beiden christlichen Confesfionen. Jndeß ist hierbei wohl zu erwägen, daß statistisch sestgestellte Prozentsätze an objektivem Werthe verlieren, je kleiner die Zahl der Betreffenden ist, an welchen sie berechnet werden. Denn in diesen Fällen bringt eine an sich geringe Zufälligkeit oft einen überraschend hohen Prozentsatz hervor. Eine solche statistische Berechnung hat nur dann einen Werth, eine entscheidende Bedeutung, wenn sie sich über große Massen und längere Zeiträume erstreckt. Der angeführte Correspondenzartikel ftihrt als Grund die Heirathen unter Verwandten an, die von Bielen für nachtheilig gehalten werden, was jedoch hinwiederum von mancher competenten Seite, z. B. der Pariser Akademie der Wissenschaften verneint worden ist. Uebrigens glauben wir nicht, daß Berwandtenheirathen, worunter doch vorzugsweise die Ehen zwischen Cousin und Cousine gemeint sein können, unter den Juden häufiger sind als unter den Protestanten, denn kirchlich verboten sind sie nur bei den Katholiken. Nachdem der Streit um die neue kirchenpolitische Vorlage in Preußen zu Ende ist, glauben die ultramontanen Blätter, z. B. die „Germania" wieder Muße und Kraft genug zu haben, um die Schmähungen aus die Juden wieder aufzunehmen, für die sie in der letzten Zeit nicht Athem genug hatten. Die Aufhebung der Orden in Frankreich und der Streit der römischen Kurie mit Belgien geben der „Germniaa" nicht Stoff genug, auf ihrem eigenen Terrain zu zanken und zu schimpfen. So bemerkt sie zu dem Bremer Artikel, daß bei den Juden die Verwandten so oft unter einander heirathen, weil sic „das Geld Zusammenhalten »vollen". Als ob die Hetzkapläne im Stande wären, über die Herzensangelegenheiten der beiden Geschlechter zu urtheilen! So druckt die „Germania" in derselben Nummer einen Artikel des ultramontanen Wiener „Vaterlandes" ab, worin von den „Marokkanischen Israeliten" die ungeheuerlichsten Dinge ausgesagt werden. Der Artikel trägt seine Fabrikation in Wien an der Stirn, z. B. wenn er sagt: „Die Juden in Marokko verkaufen Weib und Kind in die Sklaverei". (!!) Uebrigens bestätigt das „Vaterland" auch seinerseits, was wir von Anfang an für unzweifelhaft hielten, daß nämlich

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