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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-08-03 · Heft 31 (3.8.1880) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 31 (3.8.1880)
Date
1880-08-03
Page
Seite 486 (sequence 6)
Language
German
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486 bezeichnet, welches mit hartem Unglück bestraft wird? (2. Sam. i 12.) In welchen Widerspruch sich ein solcher vorurtheils- < voller Beurtheiler verstrickt, ersieht man z. B. daraus, daß > er den Vorgang mit Lot's Töchtern als „nicht gebrandmarkt"! bezeichnet, zugleich aber bemerkt, daß „damit feindlichen Böli kern ein schmählicher Ursprung angedichtet werden sollte." * Wollte man „damit" andere Völker schmähen und in ihrem ‘ Ursprünge schon beschimpfen, so mußte man doch den Vorgang als schmählich und schimpflich brandmarken wollen! Es geschah das vollständig „damit", ohne sich in weitläufigen Phrasen zu ergehen. — Unser Verfasser ist aber noch nicht zu Ende. Ein fernerer Characterzug ist ihm: „ um des Gewinnes willen ließen sich die Hebräer auch (wie Jakob's Dienst bei Laban zeigt) alle Zurücksetzung, Demüthigung und Mißhandlung gefallen." Dies ist geradezu lächerlich. Ein armer Flüchtling kommt zu einem Verwandten, leistet ihm Dienste, erhält desien Töchter zu Frauen, erwirbt bei ihm großen Besitz, läßt sich Demüthigungen nicht gefallen, sondern zieht von dannen — und dies sei der Beweis, daß sich die alten Hebräer „um des Gewinnes willen alle Zurücksetzung, Demüthigung und Mißhandlung gefallen ließen!" Was würde man wohl im ähnlichen Sinne über die mittelalterlichen Völker urtheilen muffen, die sich viele Jahrhunderte hindurch die Leibeigenschaft haben aufbürden lassen! Dr. H. schließt diese seine Characteristik mit der Tirade: „Wenn nicht einzelne muthige Führer wie Mose, Josua, Gideon, Simson, Saul u. A., sich an ihre Spitze stellten, so versanken sie auf lange Zeit in die stumpfste Passivität und vergaßen Vaterland, Glauben und Alles." Herr H. vergißt, daß unter „u. A." noch eine ganze Reihe solcher Heroen stecken z. B. Ehud, Deborah, Jephta, u. daß die Reihe derselben so groß ist, daß die Chronologen der Richterzeit in der größten Verlegenheit sind, sie unterzubringen und sich deshalb genöthigt sehen, mehrere neben einander zu gleicher Zeit anzunehmen. Wenn aber ein Volk eine so ununterbrochene Reihe von Helden hervorbringt, und wenn ihnen dieses Volk Heeresfolge leistet und seine Feinde überwindet, — so ist es die größte Leichtfertigkeit, ihm „die stumpfste Passivität, ein Vergessen des Vaterlands, Glaubens und Alles (!)" vorzuwerfen. So ist das Bild beschaffen, welches Dr. Henne Am-Rhyn von den alten Hebräern entwirft, und das den Hintergrund seines culturhistorischen Gemäldes bilden sollte. Wir glauben diesem Schriftsteller gerecht geworden zu sein, indem wir hier kurz begründeten, worauf sich unser absprechendes Urtheil stützte, das er als aus irgend gehässigen Motiven geflossen anzusehen sich bemüht. Wenn er seine Zuschrift schließt: „Durch orthodoxen Zelotismus, wie ihn auch Dacosta, Spinoza und Mendelssohn erfahren haben, werde ich mich nicht einschüchtern lassen" — so wollen wir es ihm nicht durchaus nicht verargen, daß er als Schriftsteller sich gleich neben Spinoza und Mendelssohn stellt. „Stolz liebe ich meine Spanier!" Orthodoxen Zelotismus hat uns wahrlich noch Niemand vorgeworfen. Herr Dr. H. irrt sich in seiner und in unserer Person. Glaubte er übrigens, uns durch die Erwähnung dieser drei Männer einen Stich zu versetzen, so irrte er sich abermals. Wir halten es nämlich für einen großen Ruhm der jüdischen Glaubensgenossenschaft, daß man aus fünfzehn Jahrhunderten nur zwei Opfer einer religiösen Verfolgung aufzuführen vermag, während aus jeder andern Religionsgenossenschaft in je fünfzehn Jahren eine ungeheuerliche Zahl hervorzuheben wäre! Man muß immer wieder, um den jüdischen Zelotismus zu erweisen, zu Dacosta und Spinoza, zwei fast in derselben Zeit und an demselben Orte vorgekommenen Fällen, seine Zuflucht nehmen. Denn wenn Dr. H. auch Mendelssohn heranzieht, so beweist er nur, wie gering seine Kenntniß der jüdischen Culturgeschichte ist. Mendelssohn hat wahrlich keine Verfolgung erfahren. Er lebte verehrt von Juden und Christen, in einem Maße verehrt, von dem Mancher behauptet, daß es über sein Verdienst hinausging. Wenn seine Pentateuch- Uebersetzung von einigen orthodoxen Rabbinern verurtheilt worden, so hat dies weder ihn, noch sein Werk angefochten, und es war diese Berurtheilung eine so örtlich beschränkte, daß sie nicht einmal zur Verbreitung des Buches beitrug, das sich ohnehin unter allen deutschredenden Juden überall : hin den Weg bahnte, so daß schon Mendelssohn selbst über den sofortigen Nachdruck zu klagen hatte. Hiermit nehmen i j wir Abschied von Dr. Henne Am-Rhyn auf dem Gebiete der t j jüdischen Culturgeschichte. tv ivx g yvuxc Deutschland. überstiegen und sich über die weite Ebene des öffentlichen Lebens ergießen konnte? Blickt man zur Beantwortung dieser Berlin, 20. Juli. (Privatmitth.) Jetzt, wo sich die Frage auf die äußeren Umstände, so frägt es sich erst recht: Ueberfluth der Hetzereien gegen die Juden im märkischen warum nicht in Wien, Paris, London, New-York? In allen Sand verloren hat, drängt sich immer wieder die Frage auf, diesen Städten hat sich in den letzten Jahrzehnten der Umwarum jene gerade in Berlin das gewöhnliche Bett des Rischus fang der jüdischen Bevölkerung durch unaufhörlichen Zuzug

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