Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1880)
- Date
- 1880-07-27
- Page
- Seite 475 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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475 Seelenschmerz sich geisterhaft spiegelte! Ihr Antlitz war bleicher! noch in demselben Jahre als eines der ersten Opfer der, hrt« Sow ilfivi» S/tmrtfi in ffitvnhrt 0v7i4\i0tidtttMi iitrAtovftAö« _ als der Schleier, der, von dem Myrthenkranz gehalten, ihre Stirn umrahmte und einen schmalen Rand des goldschimmernden Haares zum letzten Mal durchleuchten ließ; — denn nach der alten Sitte sollte dieser herrlichste Mädchenschmuck noch heut einer grausamen Scheere zum Opfer fallen! Wir Knaben standen mit brennenden Lichtlein aus farbigem Wachsgeflccht umher, und hielten die vier Stangen des Traubaldachins, während der Rabbi dem eingesegneten Paare den Becher reichte, um gemeinschaftlich daraus zu nippen, und die Hand I des Mädchens derartig zitterte, daß der silberne Becher! klirrend zur Erde siel, und ihr Gewand mit dem rothen^ Weine, gleich einem Blutstern färbte — da ging ein stilles Schluchzen durch die Menge: denn die Trauung wurde wie bei uns üblich vor allem Volke, unter freiem Himmel vor der großen Synagoge, vollzogen, und hunderte von Neugierigen und Theilnehmenden umstanden bei solcher Gelegenheit den Kreis der Festgenossen unter dem Baldachin. — Dann zogen wir nach dem Hochzeitshans, wo hinter der langen Tafel die Eltern und Verwandten des Bräutigams saßen, diese neben einander in der Mitte: der Bräutigam mit düsterm unfreundlichen Gesicht, die Braut in starrer Resignation, die nicht einen Augenblick einem heitern Lächeln wich, mochten auch die Scherze des „Marschalks" — der mit seinen Gesängen und Vorttägen gleich einem fahrenden Rhapsoden das Mahl würzte und unter humoristischen Glossen die Hochzeitsgeschenke ausrief — das laute Lachen aller Gäste erregen. Dann begann der bunte Reigen des Tanzes der Mädchen und Jünglinge — aber Miriam bewegte ihren Fuß nur zu den gebotenen Mizwa-Tänzen, d. h. dem feierlichen Umgang mit Eltern und Verwandten in vorgeschriebencr Reihenfolge — sonst blieb sic bleich und still auf ihren: Ehrensitz, bis spät am Abend die Frauen kamen nnd sie dem jubelnden Treiben entführten. — Die Lisabet war nicht zur Hochzeit gegangen, Nur von der Straßenecke sah sie zu, als die Schaar der Frauen und Mädchen das liebliche Kind, mitten zwischen den beiden Brautmüttern, zum Trauplatz unter schallender Musik geleiteten — sie wußte cs am besten von Allen, daß cs ein Opferlamm war, was man hier zum Altar führte. Mit dem Tuch vor den Augen schlich sie heim, und wartete unsre Rückkehr vom Feste in später Mitternachtsstunde ab. — Miriam war dem Manne der Wahl ihrer Eltern in die neue Heimath gefolgt. Nach Monaten verlautete es, daß sie gleich nach der Hochzeit zu kränkeln angefangen, daß sic an der Auszehrung leide, und dergleichen Hivbsponen mehr. Tante Esther reiste zu ihr nnd blieb lange in ihrer Nähe. — damals zuerst in Europa erschienenen, fürchterlichen Cholera.— So endete der traurige kleine Roman. Di°. Marcus Elieser Sloch, ein Erforscher der Fischwelt vor 100 Jahren. Äon Ztichard Keffer. ') Heut, wo alle Blicke auf die in Berlin eröffnete Internationale Fischerei-Ausstellung gerichtet sind, wo eine ungeahnte Welt die Beschauer entzückt, sollte man sich des Mannes erinnern, der als ein Patriarch der Ichthyologen sich die größten Verdienste um die Kenntniß der Fische erworben hat und schon vor hundert Jahren in seinen Werken für Pstege der Fisch- Cultur auftrat. Es ist Marcus Eliefer Bloch. 1723 von armen jüdischen Ettern zu Ansbach geboren, wuchs er fast ohne allen Unterricht heran, der damaligen Sitte gemäß lernte er nur frühzeitig Hebräisch. Diesem einzigen Wissen verdantte er als Jüngling eine Hauslehrerstelle bei einem jüdischen Wundarzt in Hamburg, um dessen Kindern den religiösen Unterricht zu ertheilen. Hier lernte er erst, schon in der Mitte der zwanziger Jahre, Deutsch lesen und schreiben. Weiter führte ihn der angefachte Wissensdrang zum Studium des Lateinischen, und mit Vorliebe begann er sich mit Anatomie zu beschäftigen. Je unwiderstehlicher er nun den Drang in sich empfand, sich Bildung anzueignen, desto schmerzlicher war ihm die Erkenntniß, wie wenig er davon besaß. Durch Unterstützung von Verwandten in Berlin ward ihm sein heißester Wunsch ermöglicht, sich dem Studium der medicinischcn Wissenschaften dort gründlich zu widmen, während er mit unermüdlichem Eifer zunächst die Lücken seiner Bildung auszufüllen suchte. In Frankfurt a. O. promovirte er zum Toctor der Medicin und ließ sich alsdann als practischcr Arzt in Berlin nieder. Tie Ausübung seines är.tlichcn Berufes hielt ihn aber in seinem Forschersinn nicht ab. Nachdem er 1774 einen Band medicinischer Beobachtungen herausgcgeben, wendete er sich immer mehr nnd mehr den Naturwissenschaften zu, die damals bekanntlich das Aschcnj brödel unter allen Wissenschaften waren. So betheiligte er , sich auch an der Lösung der Frage über die Herkunft der Eingeweidewürmer, als die dänische Gesellschaft der i Wissenschaften 1730 einen Preis hierfür aussetzte, und! wurde seine Arbeit, die 1732 in Berlin im Truck erschien,; desselben würdig befunden. Sein größtes Verdienst erwarb i er sich aber durch die eingehende und umfassende Erforschung t . _ _ , , der Naturgeschichte der Fische, welche vor ihm von keinem Endlich tan buatawrtw.be, bar, „e OTtaben ,iaturforf^et io tief «gründet war. Blech bot m.n «lta dem großen Seelenlcrd schnell unterlegen und rhr Herz war j_ erfasfers aus Lcr gebrochen. — Sander aber, ihr unglücklicher Verehrer, starb j .) Mit Genehmigung des ,deurschcn Lesehalle/' 30*