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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-07-27 · Heft 30 (27.7.1880) · p. Seite 471

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 30 (27.7.1880)
Date
1880-07-27
Page
Seite 471 (sequence 7)
Language
German
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471 , .. innerhalb der Grenzen des Staatsgrundgesetzes wirksam sein ^esierrelch-Unga^N. könne. Der Einwurf, daß die israelitischen Einwohner Bro- Brody, 14. Juli. (Privatmitth.) In Oesterreich-Ungarn dys nicht das Recht hätten, sich als Deutsche zu betrachten, ist bekanntlich die Nationalitätenfrage die schwierigste und für sei unrichtig, indem sie sich fast ausschließlich der deutschen den Gesammtstaat bedrohlichste. Sie tritt zumeist in der Sprache bedienen, ebenso unrichtig ist die Behauptung, das; Sprachensrage hervor, und diese hat wiederum ihren Brennin Galizien die deutsche Sprache nicht als landesüblich gellen Punkt in der Schule, d. h. in der für die Volksschule gesetzkönne, indem es hierzu genüge, daß eine Sprache auch nur lichen Unterrichtssprache. In den einzelnen Kronländern will! in einem Bezirke gesprochen werde. Es hat also eine Verdie Sprache der Bolksmehrheit jede andere verdrängen und! letzung des erwähnten Rechtes stattzesunden. Aus das Petitum so ist es insbesondere die deutsche Sprache, gegen welche sich j der Beschwerde, das Reichsgericht wolle erklären, daß an den alle anderen verschworen haben. Sowie in Ungarn gegenwärj in iÖrobi) neu zu errichtenden Volksschulen die deutsche Sprache tig wieder eine Hetzjagd gegen das deutsche Idiom vor sich! als Unterrichtssprache eingeführt werde, konnte das Reichsgericht geht, so sucht in Galizien die polnische die deutsche Sprache aus Competeuzgründen nicht eingehen. bis aus ihre letzten Spuren zu verwischen. Hieran sind am meisten die Juden bethciligt, deren Muttersprache noch heute! )• die deutsche ist. und die in nicht wenigen Städten die Mehr-1 Paris, ir>. Juli. (Privatmitth.) In Tunis machr heit, in vielen anderen eine bedeutende Minderheit ausma-!die französische Herrschaft täglich größere Fortschritte; der chen. Gestern nun hat die deutsche Sprache einmal wieder j italienische Einfluß ist gänzlich verdrängt, und der französieinen Sieg errungen und zwar durch die Juden. Möchten j sche charge (('affaires übt mehr Macht aus als der Bey. sich doch die deutschen Judenhetzer dies ein wenig hinter! Die Israeliten von Tunis können sich dazu nur Glück wündie Ohren schreiben. In Galizien kämpfen die Juden für ihre deutsche Nationalität und in Deutschland will man den deutschen Juden die deutsche Nationalität absprechen. Ter Kamps wurde von der Stadt Brody geführt, unter deren 20,000 Einwohnern sich ungefähr 1* ,000 Juden befinden. Diese verlangten eine Vermehrung der deutschen Volksschulen, da die vorhandene längst nicht mehr ausreicht. Man verweigerte ihnen dies und das Unterrichts-Ministerium entschied gegen sie. Die Stadtgemeinde Brody appelirte hiergegen bei dem Reichsgerichte, und dieses entschied gestern gegen das Ministerium. Das Erkenntniß geht dahin: Durch die Verfügung des galizischen Landesschulrathes vom 25. Februar 1878 und die dieselbe bestätigende Entscheidung des Unterrichtsministeriums vom 2.'». Oktober 187U hat eine Verletzung schen, denn sie erhalten hierdurch Sicherheit des Lebens und des Eigcnthums und sind der Beobachtung der schmählichen Beschränkungen und Beschimpfungen überhoben. Da es nun einmal mit allen mohamedanischen Staaten abwärts geht, und sie sich unfähig zeigen, auch die nothwendigsten Culturresormcn anzunehmen: so ist es ein Glück, je eher sie unter die Botmäßigkeit einer europäischen Großmacht gelangen, und namentlich ist dies mit Marokko und Persien der Fall. — Am 12. d. ist Jsaac Percire auf seinem Schlöffe Arraanvillers, eine Stunde von Paris, verstorben, nachdem sein älterer Bruder 1875 ihm im Tode vorangegangen. Jsaac war am 25. November 1806 in Bordeaux geboren. Sein Vater war als Taubstummenlehrer berühmt geworden, da zu seiner Zeit der Unterricht dieser unglücklichen Menschen des durch Artikel 10 des Staatsgrundgesetzcs gewährleisteten! noch durchaus im Argen lag; auch durch einige linguistische Rechtes der beschwerdeführendcn Gemeinde Brody insofern j Leistungen hatte er sich ausgezeichnet. Im Jahre 1822» stattgefunden, als durch die erwähnten administrativen Ent-j kamen Emil und Jsaac nach Paris und stiegen schnell im scheidungen die Errichtung neuer Volksschulen mit deutscher Hause Rothschild aus, ergaben sich aber dann der bekannten Unterrichtssprache verweigert worden ist. In den Erkenntnißi Sanct-Simonistenschule. Sie arbeiteten an verschiedenen Zeigründen wird im Wesentlichen betont, daß von der circa J tungen mit, und ihrem Genie muß man volle Anerkennung 20,000 Einwohner zählenden Bevölkerung Brodys circa vier! widmen, wenn auch ihre Wirksamkeit zum Theil sehr nach- Fünftel Israeliten sind, die sich der deutschen Sprache als! theilige Folgen hatte. So führten sie zuerst die täglichen Muttersprache bedienen. Dasselbe Berhältniß walte ob be- Börsenberichte in die Journalistik ein; sie bauten die erste züglich der 4088 schulpflichtigen Kinder dieser Stadt. In! französische Eisenbahn von Paris nach St. Germain und der nun verweigerten Errichtung deutscher Volksschulen liege dann die große Nordbahn. Bon da ab leiteten sie die Peeine Verletzung des Rechtes der deutschen Nationalität, welche > riode der Gründung ein und zwar mit der des Credit mobilier. verlangen dürfe, daß die derselben angehörigen Kinder ihre Ausbildung in ihrer Muttersprache erhalten. Die Berufung auf Artikel L des galizischen Unterrichtssprachen-Landes-Gesetzes vom Jahre 1867 sei nicht stichhaltig, weil dasselbe nur Ihre Idee war, durch Bereinigung der kleinen Capitalisten große Unternehmungen auszuführen, und dadurch deren Gewinn auch den kleineren Capitalisten zu Gute kommen zu lassen. Man nannte dies „das Capital demokratisiren."

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